Donnerstag, 21. Mai 2015

Wohnungsgesellschaft degewo will Miete senken

BERLIN –  
Die landeseigene Wohnungsgesellschaft degewo will die Miete ihrer Neubauten um einen Euro pro Quadratmeter senken. Das kündigte das Vorstandsmitglied Kristina Jahn an.
Der Wohnungsunternehmens-Verband BBU (700.000 Wohnungen in Berlin) hatte ermittelt, dass eine neue Wohnung inzwischen elf Euro kalt pro Quadratmeter kosten müsste. Für sehr viele Berliner unerschwinglich.
Die degewo will das Ziel niedrigerer Neubaumieten unter anderem dadurch erreichen, dass Planungen nicht mehr vergeben werden, sondern weitgehend in einem eigenen Büro mit 38 Architekten und Bauingenieuren erledigt werden – dem „bauWerk“.
Weitere Spar-Möglichkeiten sehen die Planer um die Bauingenieurin Jacqueline Brüschke im Einsatz von Fertigteilen, standardisierten Bauelementen wie Fenster oder Balkon-Brüstungen, kleineren „Verkehrsflächen“ wie Treppenhäuser und Flure.
Das Unternehmen will sich weiterhin an Wiener Vorbildern orientieren. Während man in Berlin erst am Ende eines Baus weiß, was er gekostet hat und folglich auch erst dann, wie hoch die Mieten sind, macht es Wien anders.
Die Stadt meldet Interesse an einem Wohnungsbau an – private und städtische Wohnungsunternehmen bewerben sich dann zusammen mit der ausführenden Firma. Kosten und Architektur werden ausgewertet, der Wettbewerbsgewinner baut, und Wien weiß schon jetzt, was es kosten wird. Die degewo (75.000 Wohnungen) hat gelernt, dass die Wiener deshalb schneller, günstiger und besser am Bedarf orientiert bauen.
Vor Planung eines Baus soll auch herausgefunden werden, was für ein Haus gewünscht ist. Dazu werden Informationen aus den Kundenbüros, dem – falls vorhanden – Quartiersmanagement – und bei den Mieterbeiräten umliegender degewo-Gebäude gesammelt.
Dabei kam heraus: Mieter wollen zum Beispiel Wohnungen ohne die gerade modernen bodentiefen Fenster, weil sie dort keine Möbel hinstellen können.
11.000 Wohnungen will die degewo in den nächsten zehn Jahren bauen. Nach den neuen Maßstäben sind bereits 52 errichtet worden, 79 sind im Bau, 737 sind in Vorbereitung oder Planung.
Fertig ist ein Gebäude mit 52 Wohnungen in der Waldsassener Straße (Marienfelde). Dort liegen die Mieten durchschnittlich bei 8,50 Euro, die günstigsten Wohnungen bei 7 Euro - das Haus ist voll vermietet. In dem Haus zahlte die degewo trotz guten Willens Lehrgeld: Die Balkone haben offene Metall-Brüstungen – das erste, was Mieter machten, war: Zum Baumarkt gehen und Sichtblenden kaufen.


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