Freitag, 29. Mai 2015

Kanzler und Vize zittern vor Wahl-Sonntag

Überholt die ÖVP die Roten in der Steiermark, droht Zerreißprobe für Bundesregierung.
48 Stunden vor den Wahlen ist die Nervosität spürbar: Die Landtagswahlen in der Steiermark und im Burgenland am Sonntag könnten weitreichende Folgen für die Regierung in Wien haben. Es droht ein Polit-Beben:
Szenario 1: Voves Erster, Niessl mit Absoluter
Sollten die Steirer SPÖ-Landeshauptmann Franz Voves mit klar über 30 Prozent wieder zum Ersten wählen, wäre das trotz Prozentverlusten ein Sieg für die SPÖ und würde SPÖ-Chef Werner Faymann stärken. Vor allem, wenn auch Hans Niessl im Burgenland die Absolute verteidigen kann.
Szenario 2: ÖVP überholt Voves in Steiermark
Sollte hingegen die ÖVP die SPÖ in der Steiermark überholen – in der Gallup-Umfrage liegt die SPÖ bei 31 Prozent, die VP bei 29 Prozent –, würde Voves zurücktreten. Ihm würde wohl SPÖ-Verteidigungsminister Gerald Klug als SP-Chef in der Steiermark folgen. Für Faymann wäre Feuer am Dach – die Bundesregierung wäre gefährdet.
VP-Vizekanzler Reinhold Mitterlehner wäre hingegen gestärkt und könnte Neuwahlen riskieren. Dramatisch würde es für Mitterlehner hingegen, wenn die FPÖ in der Steiermark Platz zwei schaffen würde – interne Umfragen sehen die FPÖ auf der Überholspur.
Szenario 3: FPÖ wird 
vor der ÖVP Zweite
Dann würden alte VP-Querelen aufbrechen und die Blauen würden gestärkt in die Wien-Wahl im Oktober 2015 ziehen. Erreicht die FPÖ in der Steiermark hingegen keine 20 Prozent, wäre FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache vor der Wien-Wahl deutlich eingebremst.
Thomas Hofer über die Schicksalwahlen
Polit-Experte: »Es steht viel am Spiel für SP/VP«
Der Politik-Berater Thomas Hofer über die Bedeutung der Landtagswahlen für Faymann und Mitterlehner.
ÖSTERREICH: Was würde es für die Bundes-SP bedeuten, wenn Voves in der Steiermark Zweiter würde?
Thomas Hofer: Das wäre ein Horrorszenario für die SPÖ und Kanzler Faymann. Dann würden die alten Krisendebatten wieder neu entflammen. Es steht viel am Spiel für SPÖ und ÖVP.
ÖSTERREICH: Und falls die FPÖ die ÖVP überholen würde?
Thomas Hofer:  Nur in der Steiermark könnte die ÖVP einen Pokal gewinnen. Fällt sie hinter die FPÖ, wäre das eine symbolische Katastrophe für die Bundes-ÖVP. Aber selbst wenn die FPÖ „nur“ über 30 Prozent käme, würde das in der Bundesregierung wieder zu starker Nervosität führen.
ÖSTERREICH: Wenn die FPÖ in der Steiermark hingegen nur unter 20 Prozent schaffen würde, wäre Strache geschwächt?
Thomas Hofer: Ja, aber er startet von einem niedrigen Stand. Wenn er 20 Prozent schafft, wäre es eine Verdoppelung. Heikler wird Wien für ihn.


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