Freitag, 15. Mai 2015

Vom Innviertler Schüler zum Innovator der Biologie

"Geld für die Wissenschaft und nicht für Tunnel oder Löcher in Banken"

Am Anfang stand die Angst. "Ich habe mich zu Tode gefürchtet vor Mäusen", erinnert sich Josef Penninger an den Beginn seiner Forscherlaufbahn. Als Genetiker konnte er auf Mäuse als Studienobjekte nicht verzichten. Nach einem Jahr war die Furcht vorbei.
Heute ist er als Top-Mediziner international anerkannt und begehrt. Vergangene Woche wurde bekannt, dass Penninger, derzeit Leiter des Instituts für molekulare Biotechnologie im Vienna Biocenter, ein lukratives Angebot des Berliner Max-Delbrück-Centrums hatte. Dort wäre er der Chef von 1600 Forschern und Herr über ein riesiges Budget geworden.
Am Dienstag sagte er den Deutschen ab. Gestern begründete der Innviertler seine Entscheidung.
Er sei in den vergangenen Jahren von etlichen Headhuntern angesprochen worden, nicht nur aus Deutschland, erklärte Penninger: "Das ist sehr ehrenhaft."
Er bleibe aus fachlichen und familiären Gründen in Österreich. In Berlin hätte ihn ein Job mit viel Administration erwartet, er sehe sich jedoch als Forscher. "Wir können in Wien sehr gute Wissenschaft machen, müssen aber noch viele Schritte tun, um langfristig in der Champions League zu spielen."

Frohbotschaft am VP-Parteitag

Ein großer Schritt seien die zugesagten 22,5 Millionen Euro, die sein Institut über fünf Jahre zusätzlich bekommen soll. Ein Drittel kommt von der Stadt Wien, zwei Drittel steuert das Wissenschaftsministerium bei.
Penninger betont, dass das Geld keiner anderen Forschungseinrichtung weggenommen wird: "Mir ist absolut wichtig, dass das neues Geld ist, das sonst in Tunnel, Autobahnen oder Löcher in Banken investiert würde."
Jetzt komme es der Stammzellen- und Krebsforschung zugute.
So sehr die Aufstockung des Budgets Penninger freut – die Art, wie die Frohbotschaft verkündet wurde, missfällt dem Professor. Beim VP-Parteitag am Mittwoch zitierte Wissenschaftsminister Reinhold Mitterlehner aus einer SMS Penningers: "Ich bleibe da. Ich vertraue auf diesen Standort." Die Nachricht hatte Penninger in der Nacht an Mitterlehner geschickt – "dass sie vertraulich ist, habe ich natürlich nicht dazugeschrieben."

"Stachel im Fleisch der Politik"

Dem Vernehmen nach war Wiens SP-Bürgermeister Michael Häupl nicht erfreut, dass die SMS als VP-Muntermacher diente.
Penninger will nun dafür kämpfen, die Forschungs-Organisation und -Finanzierung neu aufzustellen: "Ich werde ein Stachel im Fleisch der Politik bleiben." Er möchte drei Top-Institute in einer "Academy of Life Science" vereinen: "Das ist meine Vision, von der ich hoffe, dass sie nicht im Parteiengeplänkel untergeht."
 

Vom Innviertler Schüler zum Innovator der Biologie

Gurten ist eine Innviertler Gemeinde mit 1140 Einwohnern. Dort wurde am 4. September 1964 Josef Penninger als Sohn von „Kleinhäuslern“ geboren: „Wir hatten ein paar Kühe, der Vater musste zusätzlich arbeiten.“ Er war der erste aus der Familie, der ins Gymnasium ging. Nach der Matura in Ried studierte er Medizin in Innsbruck.
Seine ersten Kontakte mit der Genetik hatte er als Zivildiener. Er war der Innsbrucker Blutbank zugeteilt und musste mit einer Krankenschwester in die Bergdörfer fahren, um Blut abzunehmen. Dabei lernte er zufällig einen Kanadier kennen, der ihn für einen Forschungsaufenthalt in Toronto begeisterte.
1990 wurde er zum Doktor promoviert. Mit 29 wurde er Professor am Ontario-Krebsforschungsinstitut. Seither will er herausfinden, welche Gene bestimmte Krankheiten verursachen können, etwa Brustkrebs. Das hat er seiner Schwägerin am Totenbett versprochen. 1993 wollte er nach Österreich zurück, fand dort aber keine Stelle.
Seit 2003 ist der Hobbyfußballer (eigentlich wollte er Profikicker werden) Direktor am Institut für Molekulare Biotechnologie der Akademie der Wissenschaften in Wien. Er gilt als „Stern am Wissenschaftsfirmament“ (FAZ). Penninger hat 195 Mitarbeiter; sein Institut publizierte bisher 760 Arbeiten.


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