Mittwoch, 17. Juni 2015

Diskriminierung - FP lässt grüßen


Nutznießer sind nicht finanziell besonders schlecht gestellte Antragsteller für Sozialwohnungen, sondern Wiener, die bereits sehr lange in der Bundeshauptstadt wohnen. So können neu zugezogene Wiener auch um keine geförderten Wohnungen mehr ansuchen: Sie müssen - wie bei der Vergabe von Gemeindewohnungen - zumindest zwei Jahre in Wien hauptgemeldet sein, um sich überhaupt anmelden zu können.
Diese Regelung gilt für den Zuzug aus den Bundesländern ebenso wie für EU-Ausländer. Drittstaatsangehörige müssen nachweisen, dass sie zumindest zwei Jahre in Wien und drei Jahre in anderen EU-Staaten hauptgemeldet waren. Dazu kommt ein weiterer Bonus für Langzeitwiener: Sie werden bei der Warteliste für Wohnungen bis zu neun Monate vorgereiht, wenn sie 15 Jahre oder mehr in Wien gemeldet waren. Jene Personen, die zehn Jahre ihren Lebensmittelpunkt in Wien hatten, werden sechs Monate gut geschrieben. Antragsteller, die fünf Jahre in Wien hauptgemeldet waren, erhalten einen Wartezeit-Verringerungsbonus von drei Monaten. "Jene, die nach Wien kommen, müssen sich hinten anstellen", sagte Wohnbaustadtrat Michael Ludwig bei der Präsentation am Mittwoch. "Aber natürlich sind alle herzlich willkommen."
Das ist nichts anderes als Diskriminierung und das ist gegen das EU-Recht. b wann ist man ein richtiger Wiener? Wohnbaustadtrat Michael Ludwig hat mit seinen neuen Richtlinien bei der Wohnungsvergabe eine neue Kategorie Wiener erfunden.

Zumindest fünf Jahre muss man hier (hauptgemeldet) leben. Dann gibt es einen Zeitbonus. Das ist noch keine ausländerfeindliche Politik. Denn Wien macht bei der Vergabe (weiterhin) keinen Unterschied, ob die Bewerber aus St. Pölten, München oder Ankara stammen. So ein Belohnungssystem für "echte" Wiener ist mehrheitsfähig und eine versteckte Ansage in dem von der FPÖ betriebenen Ausländer-Wahlkampf. Die SPÖ braucht hier dringend. Das Argument „Überbelag“, also zu viele Menschen in einer Wohnung, ist laut Ludwig einer der häufigsten Gründe für „dringenden Wohnbedarf“. Und mit diesem Argument bekommen Antragsteller deutlich schneller eine Wohnung als mit anderen Begründungen. In der Vergangenheit gab es allerdings Missbrauch. Antragsteller meldeten entfernte Verwandte in ihrer Wohnung an, die nicht dort wohnten. Und kamen mit dem vorgetäuschten Überbelag schnell zu einer größeren Wohnung. Künftig wird für einen „dringenden Wohnbedarf“ nur mehr die Kernfamilie in drei Generationen (Großeltern, Eltern, Kinder) gezählt. Zum Vorwurf der Grünen, dass sich die SPÖ mit den Maßnahmen der potenziellen FPÖ-Wählerschaft in Wien anbiedere, sagte Ludwig. "Dieser Vorwurf ist aus der Luft gegriffen." Als Wahlkampftaktik vor der Wahl am 11. Oktober wollte Ludwig die Verschärfung nicht verstanden wissen. "Es ist immer Wahlkampf." Neben der Bevorzugung von Wienern wird der ganze Zugang zum sozialen Wohnbau neu organisiert: Das "Wiener Wohn-Ticket", das Berechtigte bei der Wohnberatung Wien in der Guglgasse 7-9 ab 1. Juli lösen können, ersetzt das System der Vormerkscheine. Bisher erhielt man für verschiedene Fördersparten individuelle Vormerkscheine. Das neue Ticket gilt für die gesamte Palette: von geförderten Miet- und Genossenschaftswohnungen über gefördertes Eigentum bis zu Gemeindewohnungen. An den hohen Einkommensobergrenzen für Sozialwohnungen soll, wie von den Grünen am Dienstag gefordert, nicht gerüttelt werden. Weiter gilt, dass für eine Familie mit vier Personen die Netto-Einkommensobergrenze bei fast 6000 Euro pro Monat (14-mal/Jahr) liegt. Wegen des Wohnungsdrucks in Wien wurde auch von Bürgermeister Michael Häupl (SPÖ) Transparenz über die Zahl der leerstehenden Wohnungen in Wien gefordert. Eine Studie darüber wird in wenigen Tagen vorliegen, sagte Ludwig. Schätzungen reichten von 30.000 bis 100.000 leerstehenden Wohnungen. (David Krutzler, 17.6.2015 + anderen)

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