Freitag, 5. Juni 2015

Die SPÖ und die FPÖ - eine Liebesgeschichte

Die scharfe Abgrenzung zur FPÖ war eine der wenigen glaubwürdigen und authentischen Positionen, die die SPÖnoch vertreten hat. War die SPÖ überhaupt noch glaubwürdig? Wohl kaum, denn Kreisky hatte die SPÖ in die Regierung geholt, sein Unterrichtsminister SS-Peter, wurde von den Niederländer ausgeladen, sie könnten seine Sicherheit nicht garantieren. Warum wohl? Die SPÖ macht's möglich! Die Hysterie der Linken ist unangebracht. Die SPÖ darf selbstverständlich mit der FPÖ koalieren. So, wie das auf Bundesebene auch Wolfgang Schüssels ÖVP getan hat. Die SPÖ unter Fred Sinowatz, einem Burgenländer, tat das übrigens auch schon. Das ist Demokratie. Die SPÖ als „Links“ zu bezeichnen ist Blasphemie! Sie als „rot“ zu bezeichnen ist Wahnsinn. Mit dem Weltbild und dem Politikverständnis eines Niessl hat man auch weniger Skrupel, sich die FPÖ anzulachen. Niessl, ein rechter Sozialdemokrat seit jeher, der auch im Wahlkampf Anleihen bei der FPÖ genommen hat, ist die Macht näher als die Ideologie. Pragmatismus näher als Grundsatzbeschlüsse der Bundespartei.
Und die Wappler sehen zu.
Diesen roten Schutzwall nach rechts hat Franz Vranitzky hochgezogen, die SPÖ-Chefs nach ihm haben ihn gut befestigt.
Faymann ist der beste Bundeskanzler den wir jemals hatten. Er, Faymann, ist einer der keine Ideologie hat, keine Position vertritt, der keine Haltung hat. Er plant nicht, er lässt es geschehen. Er fordert nicht, er lässt es sich anbieten.
Und die Wappler sehen zu.
Die SPÖ hat somit ein schweres Glaubwürdigkeitsproblem. Den Beschluss, keine Koalition mit der FPÖ einzugehen, hat die SPÖ zweimal auf einem Parteitag gefasst.
Und die Wappler sehen zu.
Der Kanzler und Parteichef zuckt hilflos mit den Schultern.
Und die Wappler sehen zu.
Faymann selbst hat im Lauf seines Schaffens mehrfach gezeigt, dass er die Sache mit der innerparteilichen Demokratie nicht so wichtig nimmt. Statt der bis dahin in Stein gemeißelten Wehrpflicht erklärte er die Einführung eines Profiheers und die Abschaffung der Wehrpflicht – auch im Sinne Michael Häupls – zur neuen Parteilinie. Die Wappler von der Basis wurden dazu erst gar nicht gefragt.
Und die Wappler sehen zu.
Den sozialdemokratischen Spitzenkandidaten für die EU-Wahl, Eugen Freund, hat Faymann im kleinen Kreis ausgesucht. Nicht einmal lang gediente Sozialdemokraten in Brüssel hat er in seine Entscheidung einbezogen. Dass Freund nicht die beste Wahl war, wurde spätestens dann klar, als sich zeigte, dass er von der Lebenswelt der Arbeiterschaft keine Ahnung hat.
Und die Wappler sehen zu.
Dass das Mandat der verstorbenen Nationalratspräsidentin Barbara Prammer von der oberösterreichischen Landespartei mit einem Mann besetzt wurde – statt mit einer Frau, wie es die Parteistatuten verlangen –, kümmerte den Vorsitzenden nicht weiter. Die nächst gereihte Frau wäre Sonja Ablinger gewesen, eine der schärfsten Kritikerinnen Faymanns. Für Faymann war es, kurzfristig gedacht, kein Nachteil, die streitbare Abgeordnete los zu sein.
Und die Wappler sehen zu.
Der Chef hat über Jahre hinweg Gremien und Statuten ignoriert. Bis auf nicht besonders rosige Ergebnisse bei seiner Wiederwahl ist das ohne Konsequenzen geblieben. Und Hans Niessl führt nun das fort, womit Faymann jahrelang durchgekommen ist. Eine rot-blaue Regierung im Burgenland ist daher auch das Verdienst von Werner Faymann.
Und die Wappler sehen zu.
Während die prononciert linke Nationalratsabgeordnete Daniela Holzinger Niessls "alternative Strategie" im "Standard" etwas überraschend für "sinnvoll" hält, geht mit Hakel eine andere Mandatarin mit dem Landeshauptmann hart ins Gericht. Auf Facebook postete die Steirerin, dass sie die Option von Rot-Blau "traurig" und "vor allem wahnsinnig wütend" mache.
Und die Wappler sehen zu.
Wirft die SPÖ den Grundsatz der sozialen Gerechtigkeit über Bord? Soziale Gerechtigkeit hat in der SPÖ keinen Platz mehr, hat es nie gehabt. Soziale Gerechtigkeit gibt es nur für Faymann & Co. Für die Wappler sind das nur leere Worthülsen.
Und die Wappler sehen zu.
Häupl, unser lieber Bürgermeister, schäumt, was soll er jetzt machen? Vor der letzten Wahl wurde er vom ORF interviewt: Ist die FPÖ die Nachfolgepartei der NSDAP wurde er gefragt, da hatte er doch wirklich nachdenken müssen. Nicht die Antwort machte ihm Sorgen, sondern die Möglichkeit seinen Koalitionspartner zu vergraulen, da sagte er lieber, nein. Die Grünen machten schließlich das Rennen.
Und die Wappler sehen zu.


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