Freitag, 28. März 2014

Der SPÖ-Parteitag in Rust - und ewig grüßt das Murmeltier

Rechtzeitig zur Wiener Wahl 2015 lässt Bürgermeister Häupl mit dem Plan, Gratis-Nachhilfe für alle
Pflichtschüler anzubieten, aufhorchen. Das Wahlzuckerl kann allerdings nicht über die versalzene Bildungssuppe hinwegtäuschen.
Während Bildungsmisterin Gabriele Heinisch-Hosek und Vize-Bürgermeisterin Maria Vassilakou den Schritt begrüßen, schlagen NEOS und das Team Stronach in eine andere Kerbe und werfen Häupl "Symptombekämpfung" vor. "Mit seinem Vorstoß für eine Gratisnachhilfe hat der Wiener Bürgermeister Häupl zumindest erkannt, dass die SPÖ-Bildungspolitik gescheitert ist. Aber eine Nachhilfe ersetzt nicht einen vernünftigen Schulunterricht. Häupl will nur die sozialdemokratische Gießkanne einsetzen, statt für sinnvolle Reformen zu sorgen", erklärt Team Stronach Bildungssprecher Robert Lugar.
In die selbe Kerbe schlägt Beate Meinl-Reisinger, Landessprecherin der NEOS Wien "Das österreichische Schulsystem krankt an allen Stellen. Wir schaffen es nicht, alle Kinder entsprechend am Weg mitzunehmen. Was macht man nun? Man klebt Pflaster auf die Wunden anstatt sich um das eigentliche Problem zu kümmern", zeigt sich Meinl-Reisinger verärgert.
Symptome bekämpfen, auf temporäre Besserung hoffen. Tiefer liegende Ursachen suchen? Zu zeitintensiv. Und zu gefährlich. Schließlich könnten bei genauer Betrachtung des Fundaments massive Mängel freigelegt werden. Gerade im Bildungsbereich stehen in Österreich
publikumsträchtige Schnellschüsse hoch im Kurs. Mit kostenlosen Zusatzangeboten lässt es sich naturgemäß bei der Bevölkerung am besten punkten. Gratis-Nachhilfe für alle Pflichtschüler. Eine

plakative Ansage, die geradezu nach anerkennendem Applaus schreit. Wiens Bürgermeister Michael Häupl hat rechtzeitig zur Wahl 2015 einen nicht zu unterschätzenden Joker aus dem Ärmel gezogen. Die Nachhilfe-Ankündigung ist laut Häupl eine Maßnahme, "um die Bundeshauptstadt in Sachen Bildung fit für die Zukunft zu machen". Wien soll also fit werden, das österreichische Bildungssystem
kränkelt indes munter weiter. Sozial Schwächeren eine Förderung an der Schule zu ermöglichen, ist

grundsätzlich zu befürworten. Und als zeitlich begrenzte Überbrückung wohl auch zielführend. Dabei aber das große Ganze zu vergessen, führt das ohnehin angeschlagene österreichische Schulsystem noch tiefer in die Krise. Die Frage, warum immer mehr Kinder jenseits des organisierten Bildungsrahmens Förderungen brauchen, drängt sich schon lange auf. Sogar Volksschüler treten mittlerweile regelmäßig den Weg zur Nachhilfe an, um mithalten zu können. Der massive Druck, Leistung zu bringen, überlagert den Spaß am Lernen. Der Einsatz steigt, das Ergebnis bleibt mangelhaft, wie die vergangenen PISA-Bildungsvergleichstests belegen. Dass dieser Vergleich -
Datenleck sei Dank - beim nächsten Mal umgangen wird, ist nur ein weiterer Beleg dafür, dass die Verantwortlichen inzwischen regelrecht Angst davor haben, durchzufallen. 
Es sind die großen Brocken, die endlich angepackt werden müssen. An der Oberfläche zu kratzen und den Vergleich mit der Konkurrenz bewusst zu scheuen, bedeutet Stillstand. Der Schritt aus der
bildungspolitischen Komfortzone ist längst überfällig. Mehr Ganztagsschulen, mehr Lehrpersonal, kleinere Klassen, der Ausbau der Schulsozialarbeit, individuelle Förderung während des Unterrichts -
es braucht konkrete, bundesweite Maßnahmen, um das sinkende österreichische Bildungsschiff vor dem Untergehen zu bewahren. Sinkt das Schiff, steht auch den Wienern - trotz Nachhilfe-Rettungsweste - das Wasser bis zum Hals.
Naturgemäß anders sieht das Bildungsministerin Gabriele Heinisch-Hosek (SPÖ). Sie begrüßt die Ankündigung der Gratis-Nachhilfe für Wiener Pflichtschüler durch die SPÖ. Dies sei "eine wichtige Maßnahme, um jene Eltern zu unterstützen, die sich Nachhilfe nicht oder nur schwer leisten können"
Auch die Wiener Grünen können sich mit der Initiative anfreunden. Für Vizebürgermeisterin Maria Vassilakou ist dabei das Bekenntnis zur Zweisprachigkeit entscheidend. "Jedes Schulkind in Wien soll Deutsch und eine zweite Sprache erlernen. Das haben wir uns als rot-grüne Stadtregierung vorgenommen und das neue Förderprogramm ist dafür entscheidend", hieß es in einer Aussendung.


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