Samstag, 14. Februar 2015

RH-Rohbericht kritisiert Wiener Finanzen

In den anlaufenden Wiener Wahlkampf platzt ein Rechnungshof-Rohbericht, der die Wiener Finanzen äußerst kritisch beurteilt, wie der „Kurier“ (Sonntag-Ausgabe) berichtet. Die Prüfer monierten demnach einen starken Schuldenanstieg ebenso wie hohe und ungenügend ausgewiesene ausgelagerte Schulden und Haftungen.

Insgesamt lassen die Prüfer an der Transparenz Marke Brauner kein gutes Haar. "Im Rahmen von EU-Regionalprojekten hat die Finanzstadträtin gleichsam freihändig Haftungen übernommen ohne die Stadtregierung und damit die Opposition zu informieren. So geht das natürlich nicht", betont Schock. Ja, manche Garantien seien sogar nicht einmal in den jährlichen Rechnungsabschlüssen angeführt!

Es ist sehr bedauerlich, wie leichtfertig da mit dem Geld der Bürger umgegangen wird. Die Wienerinnen und Wiener werden wohl erst nach der Wahl und nach einem Regierungswechsel wissen, wie tief sie die Sozialisten in den Schulden- und Haftungssumpf getrieben haben.
Der Prüfzeitraum umfasst laut Zeitung den Zeitraum 2008 bis 2012, der Rechnungshof vermisst aber auch eine „tragfähige Mittelfristplanung“, zitiert der „Kurier“ aus dem Papier. Kritisiert werde unter anderem, dass die Finanzschulden 2008 bis 2012 von 1,46 Mrd. Euro auf 4,25 Mrd. Euro gestiegen seien. Eine Konsolidierungsstrategie habe es nicht gegeben.

RH kritisiert fehlende Transparenz

Verbindlichkeiten der ausgelagerten Unternehmen Wiener Wohnen, Wien Kanal und Krankenanstaltenverbunden schlügen mit weiteren 3,12 Milliarden zu Buche und würden nicht transparent ausgewiesen. Generell sei die Darstellung der Beteiligungen zu wenig transparent, so der RH laut „Kurier“, es gebe keine zentrale Berichterstattung bzw. kein „Beteiligungscontrolling“.
Weitere Kritikpunkte betreffen die Darstellung von Geldflüssen sowie die Haftungen. Ende 2012 hätten letztere laut Rechnungshof 8,5 Mrd. betragen. 8,2 Mrd. Euro davon beträfen die Bank Austria. Und Wien habe dafür keine Provision eingehoben, so die Zeitung unter Berufung auf den Rohbericht, in dem die Stellungnahme der Stadt Wien noch nicht berücksichtigt ist.
Die schärfsten Kritikpunkte des RH, die dieser auf 114 Seiten im Detail auflistet, sind:
Schulden
Die Finanzschulden Wiens sind zwischen 2008 (1,46 Milliarden Euro) und 2012 (4,25 Milliarden) sprunghaft gestiegen. Bis 2016 wird ein weiterer Anstieg auf 4,94 Milliarden erwartet. Aber: "Eine Konsolidierungsstrategie mit konkreten haushaltspolitischen Zielsetzungen und quantitativen Vorgaben zur Reduktion der Schuldenquote lag dennoch nicht vor. Eine tragfähige Mittelfristplanung konnte ebenfalls nicht vorgelegt werden", sagen die Prüfer.
Beteiligungen
Dazu kommen die ausgelagerten Schulden in den Firmen und Beteiligungen der Stadt. Die Verbindlichkeiten von Wiener Wohnen, Wien Kanal und dem Krankenanstaltenverbund gibt der RH mit 3,12 Milliarden Euro an – und geißelt die Intransparenz: Vermögen und Schulden dieser Unternehmen "waren der Stadt Wien zuzurechnen, eine gesamthafte Darstellung fehlte im Rechnungsabschluss".
Vermögen
Neben den drei genannten Unternehmen war die Stadt Wien per Ende 2012 direkt oder indirekt an weiteren 224 Unternehmen beteiligt. Kritisiert wird: Die Beteiligungsverwaltung ist auf 13 Magistratsabteilungen und die Wien Holding aufgesplittert. Die Stadt hatte jedoch "keine vollständige Information über die finanziellen Verflechtungen zwischen ihrem Haushalt und den Beteiligungen". Überhaupt fehle laut RH "eine zentrale Berichterstattung bzw. ein Beteiligungscontrolling".
In diesen Firmenbeteiligungen stecken in Summe anteilige Schulden der Stadt von nochmals rund drei Milliarden. Einen jährlichen Beteiligungsbericht gibt es freilich nicht. Der RH empfiehlt die Erstellung einer "umfassenden Vermögensübersicht".
Bilanz
Als Beispiel für das offensichtliche Buchhaltungs-Chaos führt der RH die Wiener Linien an. Die Stadt hat Zahlungen – an sämtliche Beteiligungsfirmen – in Höhe von 732 Millionen Euro genannt (für 2008 bis 2012). Der RH hat jedoch erhoben, dass allein an die Wiener Linien rund 3,4 Milliarden geflossen sind, in Form von Betriebskostenzuschüssen, Abgangsdeckungen, als Kapitalzufuhr.
Oder: Die Übernahme von Leasingverpflichtungen für die Wiener Messe von fast 219 Millionen wurde nicht ausgewiesen – und tauchte sozusagen erst bei der Prüfung auf. Das verwundert, denn die Haushaltsordnung der Stadt sieht die Erstellung einer Bilanz vor. "Eine Bilanz konnte dem RH jedoch nicht vorgelegt werden", heißt es. Es gebe lediglich "Teilbilanzen", dafür aber 219 an der Zahl.
Haftungen
Ein potenziell sehr heikler Punkt sind auch die Haftungen, wie sich in Kärnten im Hypo-Krimi gezeigt hat. Die Haftungen der Stadt Wien betrugen laut RH 8,5 Milliarden Euro (Ende 2012) und damit mehr als zwei Drittel (68,8 Prozent) des Budgets. Davon entfielen rund 8,2 Milliarden auf den Komplex Bank Austria. Während das Land Kärnten aber wenigstens eine jährliche Provision für die Haftungen von der Hypo kassiert hat, verzichtet Wien überraschenderweise auf diese Einnahmequelle.

Neos-Kritik


Dieser Befund ist Wasser auf die Mühlen der Opposition. Die Neos-Chefin in Wien, Beate Meinl-Reisinger, vom KURIER mit den Rechnungshof-Erkenntnissen konfrontiert, sagt: "Das Schlimmste ist, dass die Stadt offenbar ganz bewusst keine umfassende Vermögensaufstellung macht und keine Bilanz legt. Das riecht für mich nach Absicht. Niemand soll genauer sehen können, wohin die Gelder eigentlich fließen." Wie sich jetzt zeige, sei auch der Schuldenstand von fast fünf Milliarden Euro im wahrsten Sinne des Wortes nur die halbe Wahrheit, befindet Meinl-Reisinger.

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