Donnerstag, 21. November 2013

Viele Obdachlose in Zügen: ÖBB warnen

Viele Obdachlose in Zügen: ÖBB warnen

Die ÖBB stellen für Obdachlose eine Halle in Wien-Liesing zur Verfügung, die Betreuung wird das Rote Kreuz übernehmen. Bis zu 100 Obdachlose hatten in Zügen übernachtet, die ÖBB hatten gegen diese Securitymitarbeiter eingesetzt.
Da die abgestellten Züge auch über Nacht gewärmt worden sind, haben dort Obdachlose aufgrund der herrschenden Kälte Schutz gesucht. Wegen der Gefahr durch Stromschläge, der Verletzungsgefahr und weil es immer wieder zu Vandalismus gekommen sei, sind die rund 100 Wohnungslosen des Grundstückes verwiesen worden. Die Securitymitarbeiter sprechen von 30 bis 40 Schlafenden auf dem Westbahnhof, die sie pro Nacht aus den Waggons holen - mehr dazu inoe1.ORF.at.

Gefahr durch Strom

„Es ist wirklich gefährlich, wenn Menschen bei Gleisanlagen herumsteigen, vor allem im Winter, wenn es rutschig oder eisig ist. Die Verletzungsgefahr ist riesig“, bestätigte ÖBB-Sprecher Michael Braun den ORF-Bericht. Als Bahnlaie könne man die Gefahr nicht erkennen, auch bei abgestellten Waggons könne nämlich der Strom bodennah sein. Ein Kontakt mit 15.000 Volt ist laut Braun tödlich.
Laut Ö1 kam es auch zur Anwendung von Gewalt. So schlug etwa ein Securitymann zu und trat einem jungen Wohnungslosen in die Kniekehle, nachdem ihn dieser auf Russisch beschimpft hatte. Aber auch in den Bahnhofshallen selbst gehen die ÖBB gegen Obdachlose vor: „Schlafen ist verboten“, so ein ÖBB-Securitymitarbeiter zu einer im Westbahnhof-Gebäude sitzenden Frau mit geschlossenen Augen.

ÖBB: „Da geht es auch um Steuergeld“

Braun begründete den Einsatz von Securitytrupps auch mit Beschädigungen. „Bei den Obdachlosen ist oft ein Zusammenhang zwischen der Obdachlosigkeit, dem Alkoholismus und einem Vandalismus. Wir bauen schönere Bahnhöfe, kaufen neue Züge, da geht es auch um Steuergeld“, sagte Braun gegenüber Ö1.
Die ÖBB arbeiten schon seit geraumer Zeit mit der Caritas, dem Fonds Soziales Wien sowie dem Roten Kreuz zusammen. Heuer sei es der dritte Winter, in dem Räumlichkeiten von der ÖBB für Obdachlose zur Verfügung gestellt werden. Die Halle am Liesinger Platz werde von den Bahnmitarbeitern nicht mehr genutzt und stehe nun bis Ende März für die Wohnungslosen zur Verfügung. „Wir haben zwar Kosten, aber das nehmen wir gerne in Kauf“, so Braun. Die Betreuung dafür habe das Rote Kreuz übernommen.

Hunderte Obdachlose im Freien

Trotz der zahlreichen Notquartiere in Wien schlafen nach Schätzungen der Caritas täglich einige hundert Obdachlose im Freien - auch im Winter. Um das Leid dieser Menschen zu mildern, ruft die von der Hilfsorganisation betriebene Obdachloseneinrichtung Gruft zum Spenden auf.
Die Caritas bietet in Wien über 1.000 Plätze in 17 Einrichtungen an - mehr dazu in Hader: Obdachlose nicht strafen. Die Vertreibung von Obdachlosen aus dem Wiener Stadtpark hat vor einem Monat für große politische und mediale Aufregung gesorgt - mehr dazu in Obdachlose: Beschwerde gegen Polizei.

(ORF, 21.11.2013)

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