Montag, 6. Oktober 2014

Leben im Gemeindebau

Uwe Mauch: Leben im Gemeindebau

Thema des Journalisten und Autors Uwe Mauch ist der Wiener Gemeindebau. Fast 500.000 Menschen wohnen in einer Wiener Gemeindewohnung. Uwe Mauch berichtet über den Ruf und das Leben im „Bau“.
Der Ruf des Gemeindebaus ist schlechter als die Realität. Da kann man nur zustimmen. Der Ruf des Gemeindebaus wird durch Ludwig, Neumayer, Häupl und Wiener Wohnen zerstört.

Uwe Mauch wohnt seit über 40 Jahren im Gemeindebau, in Floridsdorf, unweit der Brünner Straße. Ein Straßenzug, der - wie er sagt - schon zu Depressionen führen kann. Aber der „Bau“, der ist eine andere Welt mit viel Grün und - obwohl die Wohnungen nicht übermäßig groß sind - mit viel Wohnqualität und noch immer gelebter Solidarität unter seinen Bewohnern. Der Ruf des Gemeindebaus ist schlechter als die Realität, davon ist Uwe Mauch überzeugt.

Keine Frage, die Bewohnerstruktur hat sich verändert in den letzten Jahrzehnten, sagt Uwe Mauch: Mehr Menschen mit Migrationshintergrund, aber auch mehr Junge bevölkern Karl-Marx-Hof und Co. Die Konflikte haben sich verändert, aber sie werden gelöst, meint der Autor. Dass in Wien seit 2004 keine neuen Gemeindewohnungen mehr gebaut werden, das sei kurzsichtig, meint Uwe Mauch. Und nicht nur deshalb ist für ihn klar: Ausziehen will er aus seinem „Bau“ nicht.

Sonntag, 5. Oktober 2014

Wiener Bauordnung: Befristete Baulandwidmung läuft leer

Wiener Bauordnung: Befristete Baulandwidmung läuft leer

Die Stadt will Spekulanten entgegenwirken. So, wie das novellierte Gesetz formuliert ist, muss sie diese aber entschädigen, wenn bestehendes Bauland befristet wird.

Na super, da werden die Spekulanten belohnt. Und das soll eine Gesetzes-Novelle sein?

05.10.2014 | 18:21 |    (Die Presse)
Wien. Die diesjährige Reform der Wiener Bauordnung wurde von der Stadtregierung als „Vorzeigeprojekt“ präsentiert. Neben Flexibilisierungen im Bereich der Bauvorschriften bringt die Bauordnungsnovelle auch ein Novum im Bereich der Flächenwidmung. Um das „Horten“ von Bauland zu verhindern und Spekulanten entgegenzuwirken, wurde in § 4 Abs 4 BauO die Möglichkeit geschaffen, die Widmung Bauland befristet auszuweisen.
Bei Umwidmung eines Baulandgundstücks z.B. in Grünland hat nach verfassungsgerichtlicher und oberstgerichtlicher Rechtsprechung der Eigentümer Anspruch auf Entschädigung, etwa wegen Wertminderung und Aufwendungen, die er im Vertrauen auf die Baulandwidmung getätigt hat (wie Aufschließungskosten).
Die Wiener Bauordnung sieht für solche Fälle einen Entschädigungsanspruch vor; der Eigentümer hat einen Einlösungsanspruch: Er kann den Grund der Gemeinde zum Baulandmarktpreis verkaufen. Diesen Anspruch schließt die Novelle für den Fall der befristeten Baulandwidmung nun aus (§ 59 Abs 2 Z 5 BauO): „Ein Einlösungsanspruch steht nicht zu, wenn die Widmung Bauland durch Ablauf einer gemäß § 4 Abs 4 ausgewiesenen Frist außer Kraft tritt.“ Da aber schon die bloße Befristung selbst (und nicht erst der Ablauf der Befristung) für den Eigentümer, dessen Grundstück bereits unbefristet als Bauland gewidmet war, einen Eingriff in sein verfassungsrechtlich geschütztes Recht auf Eigentum darstellt, steht dem Eigentümer wohl schon in diesem Fall ein Ersatzanspruch zu.
Die Möglichkeit, Bauland zu befristen, gibt es auch in Niederösterreich und Burgenland. Allerdings ist sie dort besser durchdacht: Zum einen ist sie nur bei Neuwidmungen von Bauland möglich. Zum anderen ist die Frist mit fünf Jahren (NÖ) bzw. von fünf bis zehn Jahren (Bgld.) festgelegt. Ferner kann nach Ablauf der Frist die Gemeinde die Widmung binnen eines Jahres ändern. Die Widmung Bauland bleibt also zunächst bestehen. Nur wenn die Gemeinde innerhalb eines Jahres nach Ablauf der Frist die Baulandwidmung aufhebt, besteht kein Entschädigungsanspruch wegen Wertverlusten bzw. getätigter Aufwendungen. Wenn die Gemeinde allerdings erst später rückwidmet, hat der Eigentümer wieder Anspruch auf Entschädigung, was der Vertrauensschutz auch gebietet.

Was muss der Eigentümer tun?

Demgegenüber enthält die Regelung in Wien außer einer Bezugnahme auf die gesetzlichen Planungsziele keine weitere Determinierung. Hier sind befristete Baulandwidmungen weder auf Neuwidmungen noch zeitlich beschränkt, könnten also auch bestehende Widmungen betreffen und verfassungswidrig kurz bemessen sein. Auch ist unklar, welche Schritte der Eigentümer setzen muss, um ein Auslaufen der Baulandwidmung zu verhindern (reicht bereits die Baubewilligung, oder muss die widmungskonforme Bebauung vor Fristablauf fertig gestellt sein?).
Ferner ist offen, welche Widmung gelten soll, wenn die Befristung abläuft. Der Ausschluss des Einlösungsanspruchs gem. § 59 Abs 2 Z 5 gilt ja nur dann, wenn die Widmung Bauland „durch Ablauf“ der Befristung „außer Kraft tritt“. Ob die Baulandwidmung aber überhaupt durch bloßen Ablauf außer Kraft treten kann, ist ebenfalls unklar. Der VfGH sprach in einer Entscheidung vom 2. 3. 2000 (V60/ 98) aus, dass nach Ablauf einer Befristung die ursprüngliche Widmung nicht wieder auflebte. Dass nach Fristablauf eine bestimmte andere Widmung gilt, sieht die Bauordnung aber auch nicht vor.
Bleibt nur ein Automatismus im Flächenwidmungsplan. Dieser wäre verfassungsrechtlich aber fragwürdig: Jeder Widmungsänderung hat eine umfangreiche Grundlagenforschung voranzugehen; liegt sie bereits Jahre zurück, kann sie wohl nicht mehr als aktuell gelten. Wenn die Baulandwidmung hingegen nur außer Kraft tritt, ohne dass gleichzeitig eine andere Widmung in Kraft tritt, entsteht ein „weißer Fleck“, der – ausgehend vom Grundsatz der Baufreiheit – bebaut werden dürfte. Eine anschließende Widmung in Grünland würde dann wiederum eine Einschränkung der Eigentumsfreiheit darstellen, für die nach verfassungsrechtlichen Grundsätzen Entschädigung zu leisten wäre.
Insgesamt erscheint die gesetzliche Konstruktion der befristeten Baulandwidmung daher eher undurchdacht, verfassungsrechtlich bedenklich und zudem zahnlos.


Wiener Wohnbau: "Europa sollte wienerischer werden"

Ludwig/Regner zu Wiener Wohnbau: "Europa sollte wienerischer werden"

Wohnbaustadtrat und SPÖ-Europaabgeordnete eröffnen am Montag Ausstellung in Brüssel zu Wiener Wohnbau


Das kann auch als gefährliche Drohung angesehen werden. http://derdreck.blogspot.co.at/


Wien (OTS/SK) - Der kommunale Wohnbau in Wien wird morgen, Montag, im Europäischen Parlament in Brüssel im Rahmen der Ausstellung "Wiener Wohnbau 1920 bis 2020" gewürdigt. Evelyn Regner, gf. Delegationsleiterin der SPÖ-Europaabgeordneten und Schirmherrin der Veranstaltung, sagte im Vorfeld der Eröffnung: "Leistbares Wohnen ist Kernbestandteil sozialdemokratischer Politik. Der Wiener Wohnbau gilt dabei europaweit als Vorzeigebeispiel für eine gelungene Wohnungspolitik, die für sozialen Ausgleich steht. Er stabilisiert die Gesellschaft und wirkt Immobilienspekulationen und sozialer Ungleichheit entgegen. In der Europäischen Union können wir noch viel voneinander lernen und gerade im Wohnbau soll Europa noch wienerischer werden." ****
Bereits im Juni vergangenen Jahres wurde im Europäischen Parlament ein Initiativbericht über den sozialen Wohnungsbau in der Europäischen Union angenommen. Das Europäische Parlament stellte dabei mehrheitlich fest, dass der Bedarf an erschwinglichem Wohnraum aufgrund der aktuellen Wirtschafts- und Sozialkrise immer weniger durch den privaten Gebäudebestand gedeckt werden kann und dass die gestiegenen Miet- und Energiekosten das Armutsrisiko und die Gefahr sozialer Ausgrenzung vergrößern.
Gerade vor dem Hintergrund der europaweiten Diskussion, welchen Bevölkerungsgruppen Wohnungen im sozialen Wohnbau zur Verfügung stehen sollten, zeigt sich, dass der Wiener Weg beispielgebend ist. In Wien stehen in allen Stadtteilen Gemeindewohnungen zur Verfügung, die immer zu denselben Konditionen vergeben werden. Durch die klaren Vergabekriterien, die auch Menschen bis weit in den gehobenen Mittelstand hinein das Leben in einer Gemeindewohnung ermöglichen, werden Ghettobildungen vermieden. Der soziale Wohnbau trägt damit entscheidend auch zum sozialen Frieden in der Stadt bei.
Wiens Wohnbaustadtrat Michael Ludwig unterstreicht: "Der seit beinahe einem Jahrhundert konsequent fortgeführte Weg der sozialen Wiener Wohnbaupolitik bringt mehrere Vorteile für die Menschen in der Stadt mit sich. Zum einen kann damit vielen Wienerinnen und Wienern qualitativ hochwertiger Wohnraum zu kostengünstigen Konditionen zur Verfügung gestellt werden. Zum anderen sind in Wien im Vergleich zu anderen Metropolen, die in etwa dieselbe Größe aufweisen - etwa München, Hamburg, Zürich, Mailand oder Barcelona - die Mietpreise um bis zu fünfzig Prozent niedriger. Der hohe Anteil geförderter Wohnungen wirkt insgesamt preisdämpfend auf den gesamten Wohnungsmarkt und davon profitieren alle Mieterinnen und Mieter in der Stadt - auch jene, die in einer privaten Mietwohnung leben." Es gibt keine andere Stadt in Europa, die über eine derartige Kontinuität der sozialen Wohnungspolitik verfügt und diese auch nicht aufgegeben hat, als der Zeitgeist Neoliberalismus und Privatisierung diktierte. "Die Stadt bekennt sich zu den Gemeindebauten und hat im Gegensatz zu vielen anderen Städten zu keinem Zeitpunkt einen Verkauf dieses kommunalen Eigentums in Erwägung gezogen. Bei der Wiener Volksbefragung 2013 haben sich über 87 Prozent der Bevölkerung dafür ausgesprochen, dass die kommunalen Betriebe - und dazu gehören auch die Städtischen Wohnhausanlagen - vor Privatisierung geschützt werden sollen. Wien wird seinen wohnpolitischen Weg weiter gehen und den Wohnungsmarkt auch in Zukunft nicht ausschließlich marktwirtschaftlichen Kräften überlassen, bekräftigte Ludwig.
Die besondere Stellung der Wiener Gemeindebauverwaltung wird ebenfalls morgen im Rahmen der "European Responsible Housing Awards Ceremony" in Brüssel gewürdigt. Dort ist Wiener Wohnen unter den besten fünf Hausverwaltungen Europas für den Bereich "good governance" nominiert. "Wiener Wohnen trägt als größte kommunale Hausverwaltung Europas maßgeblich zur Lebensqualität in Wien bei. Es ist eine schöne Bestätigung unserer Leistungen, wenn dies auch in Europa honoriert wird", betont die stellvertretende Direktorin von Wiener Wohnen, Karin Ramser.
Hintergrund: Heute leben rund sechzig Prozent aller Wienerinnen und Wiener in einer geförderten Wohnung - entweder in einer der rund 220.000 Gemeindewohnungen oder in einer der etwa 200.000 mit Fördermitteln des Landes Wien errichteten Wohnung. Allein in den etwa 2.000 Gemeindebauten leben eine halbe Million WienerInnen. Das entspricht in etwa der EinwohnerInnenzahl, welche die drei Landeshauptstädte Graz, Salzburg und Klagenfurt zusammen aufweisen.


Freitag, 3. Oktober 2014

Kein Denkverbot bei Studiengebühren - Die SPÖ sucht ein neues Parteiprogramm

Kein Denkverbot bei Studiengebühren


SPÖ sucht ein neues Parteiprogramm.
Den Startschuss für den ersten Länder-Beteiligungsprozess hat Anfang Oktober die SPÖ Wien gegeben: unter dem Titel „Wien macht Programm“ und im Beisein von SPÖ-Vorsitzendem, Bundeskanzler Werner Faymann, Nationalratspräsidentin Doris Bures, dem Wiener Bürgermeister und SPÖ-Landesparteivorsitzendem Michael Häupl, Mitgliedern der Wiener Stadtregierung sowie hunderten Mitgliedern, FunktionärInnen und Interessierten.

Dann wären Studiengebühren denkbar?
Es darf niemand Studiengebühren zahlen müssen, der nebenbei arbeitet, und niemand, der ein Stipendium bekommt. Wenn ein vernünftiges Stipendiengesetz da ist, das soziale Barrieren im Zugang zum tertiären Bildungsbereich verhindert, dann sage ich: Ich bin nicht der Verteidiger der Millionärskinder. Das habe ich selbst als Studentenvertreter nicht als meine Aufgabe gesehen.
Also sind Sie unter bestimmten Voraussetzungen für Studiengebühren?
Ich werde jetzt sicher nicht den Studiengebühren das Wort reden. Ich rede das Wort der Beseitigung aller sozialen Schranken im Zugang zu Bildungssystemen. Über alles andere können wir später reden. Nur die Lässigkeit, mit der dieses Thema abgehandelt wird - zum Teil ja auch bei uns, muss man ehrlich sagen -, ist kurzsichtig. Dass der VSStÖ "keine Studiengebühren" schreit, ist zu wenig. Wo sind deren Vorschläge zur sozialen Lage der Studenten? Auch wir müssen uns über Studentenwohnungen Gedanken machen. Öffi-Ticket ist gut und schön, aber Wohnen ist wichtiger. Und daher die Stipendien umso wichtiger. Das erfordert inhaltliche Vorbereitung und weniger Aktionismus.
Also kommen doch Studiengebühren. Das herumreden bringt nichts. Das Bildungssystem ist schlecht, da gibt es zu viele Schranken. Errichtet von der SPÖ. Öffi-Ticket ist zu teuer.
Da meint doch wirklich Werner Faymann, dass die Solidarität ein Kernstück „unserer Bewegung“ ist.
SPÖ-Vorsitzender, Bundeskanzler Werner Faymann hat in seiner Rede vor dem bis auf den letzten Platz gefüllten Festsaal klargemacht, wie „richtungsweisend und wichtig“ die programmatische Ausrichtung der Sozialdemokratie ist und dabei neoliberaler Politik, rechter Hetze sowie Militarismus und Krieg eine klare Absage erteilt. „Internationale Solidarität, Solidarität in Europa und Solidarität in unserem Land ist ein Kernstück unserer Bewegung. Wir waren schon immer eine Partei der Arbeit, eine Partei der Arbeitenden“, deren Interessen gelte es auch weiterhin zu vertreten, machte Faymann klar.
Denn lediglich am 1. Mai begeistert von der internationalen Solidarität zu singen, bringe nichts. Man müsse auch danach handeln. Deshalb sei es klar für ihn gewesen, dass Wien bei der Unterbringung von 600 Flüchtlingen geholfen habe: „Da brauche ich gar nicht nachdenken, das kommt bei mir aus dem Rückenmark.“ Diese Grundwerte zu leben, sei aber nicht allein Aufgabe der Parteiführung, alle Gesinnungsfreunde hätten sich daran zu halten.
Grundwerte: Absahnen
Ein Parteiprogramm sei vor allem dazu da, „grundsätzliche Werte zu definieren“, um davon politische Linien abzuleiten. „Von unserer Wertehaltung ausgehend müssen wir festlegen, welche Art von Gesellschaft wir uns vorstellen“, betonte der SPÖ-Vorsitzende. Dabei gehe es aber nicht darum, Grundsätze wie Freiheit oder Gerechtigkeit in Frage zu stellen, sondern die konkrete Ausgestaltung unter Maßgabe aktueller gesellschaftlicher Entwicklungen festzulegen.
Nicht nur "ein paar Gscheite" (Häupl), sondern die Sympathisanten an der Basis sind gefordert. In den nächsten Wochen sollen die Bezirksorganisationen acht Themenfelder von Arbeit über Wohnen bis Gesundheit diskutieren und dabei Bevölkerung und Zivilgesellschaft einbinden. Zwischenergebnisse werden am Landesparteitag im kommenden Frühjahr präsentiert. Danach sollen via Online-Foren weitere Ideen gesucht und schließlich alle Inputs bis zur ersten Jahreshälfte 2016 als "Wiener Position" zusammengeführt und der Bundespartei übergeben werden.
Bundeskanzler und Parteichef Faymann betonte, dass die Sozialdemokratie immer eine Partei der Arbeit gewesen sei.
Was für eine Ironie! Gezeigt haben sie das  in den letzten Jahren und Jahrzehnten nie, da waren sie immer auf der Seite der Kapitalisten. Der Wählerschwund macht’s möglich. Endlich.

Die SPÖ zittert um ihren Bürgermeister und sie zittert um ihre Stellung im Bund. Alles das muss neu definiert werden. Die letzten Wahlen haben gezeigt, dass es mit der SPÖ rasant nach unten geht. Und das ist zu erklären, nur die SPÖ möchte davon nichts wissen. 
Partei ohne Grundwerte
Der Dreck

Donnerstag, 2. Oktober 2014

SPÖ: Die Rückbesinnung auf den Arbeiter

SPÖ: Die Rückbesinnung auf den Arbeiter


Was SPÖ und ÖVP gemeinsam haben? Nicht viel, möchte man meinen. Das stimmt so nicht. Die SPÖ und die ÖVP haben alles gemeinsam. Da gibt es keine Unterschiede mehr. Mit der Beginn der großen Koalition wurden diese Unterschiede, die immer klein waren, ganz ausgemerzt. Und jetzt, da es der SPÖ an den Kragen geht, denn auch der Dümmste hat es begriffen, dass die SPÖ eine kapitalistische Partei geworden ist, da gibt es eine Rückbesinnung.

Gemeinsam mit der Basis überarbeitet die Parteispitze bis 2016 das SPÖ-Programm. Die Stoßrichtung dabei ist klar: Man will sich in Zukunft wieder stärker um den „kleinen Mann“ bemühen.
   (Die Presse)
Wien. Was SPÖ und ÖVP gemeinsam haben? Nicht viel, möchte man meinen, mit Ausnahme eines Regierungsvertrages und der Erkenntnis, dass ihre Parteiprogramme nicht mehr ganz auf der Höhe der Zeit sind. Die ÖVP hat ihre Programmreform bereits vor einigen Wochen unter dem mehrdeutigen Titel „Evolution“ begonnen. In der SPÖ läuft der Prozess – er nennt sich „Gemeinsam. Reform.“ – gerade erst mit Kick-off-Veranstaltungen in den Ländern an. Den Anfang vom Anfang machte am Donnerstagabend die Wiener SPÖ. Sie hat nächstes Jahr eine Landtagswahl zu schlagen und durfte wohl auch deshalb Kanzler Werner Faymann als Ehrengast im Rathaus begrüßen.
Das Neue an der programmatischen Arbeit in der SPÖ sei das „Bottom-up-Prinzip“, sagt Bundesgeschäftsführer Norbert Darabos im Gespräch mit der „Presse“. Soll heißen: Während frühere SPÖ-Programme von einigen Parteiintellektuellen ausgearbeitet und dann dem Parteitag zum Beschluss vorgelegt wurden, ist die Basis dieses Mal von Beginn an eingebunden. Inhaltlich will Darabos daher auch „nichts präjudizieren“, wobei er mit seiner Meinung nicht hinter dem Berg hält: Die SPÖ müsse sich wieder stärker ihrer Kernklientel, den Arbeitern, widmen. „Viele fühlen sich nicht mehr ausreichend von der Partei vertreten und wenden sich ab“ – meistens in Richtung FPÖ, wie auch Darabos nicht leugnet.

Auf kapitalistischen Abwegen

Die Ursache dafür vermutet er im „Dritten Weg“, den der Brite Tony Blair, der Deutsche Gerhard Schröder und in deren Windschatten auch der Österreicher Viktor Klima in den Neunzigerjahren beschritten haben. Dieser Weg mündete ins SPÖ-Programm von 1998, das noch heute gilt und, wie der heutige Bundesgeschäftsführer findet, „sicher nicht das beste in der Parteigeschichte war“. Denn damals habe es „eine gewisse Öffnung in Richtung Kapitalismus“ gegeben.
Außerdem seien viele Positionen „zu schwammig“ formuliert. So bekenne sich die SPÖ zwar zu neuen Arbeitsformen, führe aber nicht aus, was sie darunter verstehe. Nicht nur beim Wähler, auch an der SPÖ-Basis gebe es seither „eine Sehnsucht nach klaren Positionen“.
Ob eine Rückbesinnung auf die unteren Einkommensschichten, den sogenannten kleinen Mann, umgekehrt nicht den Abschied vom breiten Mittelstand bedeute? Darabos verneint: Beides sei miteinander vereinbar, wiewohl es auch innerhalb der SPÖ Interessenkonflikte gebe. So befürworte etwa das studentische Milieu eine Arbeitserlaubnis für Asylwerber, während die Arbeiterschaft einen Verdrängungswettbewerb befürchte. Es werde nicht leicht sein, hier eine Lösung zu finden, aber in die Programmdebatte seien eben alle eingebunden.
In einer ersten Phase werden nun Vorschläge gesammelt. Ein wissenschaftlicher Beirat, der vom Direktor des Staatsarchivs, Wolfgang Maderthaner, geleitet wird, erarbeitet parallel ein eigenes Papier. Die Fäden laufen in der „Ständigen Arbeitsgruppe“ zusammen, die von Darabos, Ex-Klubobmann Josef Cap und Pensionistenchef Karl Blecha geleitet wird. Auch Parteichef Werner Faymann ist eingebunden.
Ab Mai 2015 sollen die Ergebnisse ausgewertet und erste Maßnahmen umgesetzt werden. Am Ende dieser zweiten Phase steht ein Textentwurf, der ab November in allen Bezirken diskutiert und danach überarbeitet wird. Beschlossen werden soll das neue Parteiprogramm im November 2016 – und zwar zunächst per Mitgliederentscheid und erst dann vom Parteitag.
Das sind bereits die ersten Vorboten einer Organisationsreform, die mit dem Programmprozess einhergeht. Dabei geht es vor allem um direkte Demokratie innerhalb der SPÖ, also um die Frage, wie man der Basis zu mehr Mitsprache verhelfen kann. Derzeit kann zum Beispiel eine Entscheidung am Parteitag erzwungen werden, wenn 15 Prozent der 240.000 Mitglieder ein Anliegen unterstützen. Diese Hürde könnte künftig gesenkt werden.

Frauenquote: Instanz offen

Auch dem will Darabos allerdings nicht vorgreifen. Unmittelbar ist ohnehin eine andere Neuregelung dringlicher: eine, die sicherstellt, dass die 40-prozentige Frauenquote in der SPÖ eingehalten wird. Geplant ist ein Durchgriffsrecht auf die Kandidatenlisten in den Ländern und Bezirken. Offen ist aber noch, wer diese regulierende Instanz sein wird. Im Gespräch sind der Bundesparteirat, also der kleine Parteitag, der immer vor Wahlen zusammentritt, und der Parteivorstand. Der Vorschlag sei noch nicht fertig, sagt Darabos. Die Entscheidung dürfte am 4. November fallen – bei einer Sitzung des Parteivorstands.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 03.10.2014)


Mittwoch, 1. Oktober 2014

Wohn-WGs für Ältere

Was da Ludwig wieder vorschlägt geht ganz einfach in eine einzige Richtung: Das Wohnen wird immer teurer und in naher Zukunft können das die älteren Menschen nicht mehr bezahlen. Deshalb auch diese idiotische Idee mit den Wohn-WGs.
Barrierefreiheit ist vom Bauamt schon vorgeschrieben, da braucht’s einen Ludwig nicht mehr.
"Im Jahr 2044 werden 27 Prozent der Wiener Bevölkerung über 60 Jahre alt sein. Das stellt auch den Wohnbau vor Herausforderungen", betonte Ludwig bei einer Pressekonferenz im Zuge des Symposiums "Älter werden - individuell wohnen" am Mittwoch. Jedoch dürfe man nicht alle älteren Generationen "in einen Topf werfen", sondern müsse viel stärker differenzieren. Die Stadt habe sich daher verschiedenste Maßnahmen vorgenommen. Derzeit wohnen laut Ludwig bereits rund 100.000 Menschen über 60 Jahre in den Wiener Gemeindebauten.

Mehr Barrierefreiheit

Zunächst wolle man die Sanierung zur Barrierefreiheit von bestehenden Wohnungen weiter vorantreiben, beispielsweise durch Liftzubauten oder die Einrichtung von Rampen. Auch in den Wohnungen selbst sollen Mieter bei Umbauten unterstützt werden: "Wir haben dazu eine eigene Kompetenzstelle für barrierefreies Planen, Bauen und Wohnen eingerichtet, die auch stark frequentiert wird", schilderte der Stadtrat.

Mehrgenerationenhaus für Ältere vorstellbar

Neubauten sollen ohnehin nur noch barrierefrei entstehen, der Fokus liege dabei aber verstärkt auf Mehrgenerationenwohnungen bzw. -siedlungen. Mehr als die Hälfte der im Rahmen einer Studie Befragten Menschen über Fünfzig kann sich vorstellen, später in einem Mehrgenerationenhaus zu wohnen. "Ältere Menschen wollen keine reinen Alterssiedlungen", unterstrich auch Christoph Reinprecht, Professor am Institut für Soziologie der Universität Wien, der zu diesem Thema forscht. Stattdessen könne man einen Trend zu gebildeteren Pensionisten und damit auch den Wunsch nach mehr Teilhabe feststellen.

"Wohnen für Fortgeschrittene"

Als "Wohnen für Fortgeschrittene" bezeichnete Ludwig eine weitere Alternative für ältere Wiener, die Senioren-Wohngemeinschaft. "Das funktioniert vor allem, wenn die Nutzer schon in der Planungsphase eingebunden werden", so der Stadtrat. Damit könne man auch dem zunehmenden Phänomen der Singularisierung entgegenwirken, erklärte Reinprecht: "Je älter wir werden desto wahrscheinlicher leben wir alleine." An die 70 Prozent der Über-80-Jährigen können nicht mehr auf eine Kernfamilie zurückgreifen und teilen den Haushalt mit niemandem mehr.

Finanzierbarkeit problematisch

Auch die Kooperation zwischen Bauträgern und sozialen Dienstleistern soll aus diesem Grund in Zukunft verstärkt gefördert werden, meinte Ludwig. Als Beispiel nannte der Stadtrat u.a. Gemeinschaftsräume, die dann auch von Organisationen bespielt werden sollen. Problematisch bleibt oftmals die Finanzierbarkeit von Wohnen für Senioren, auch hier will Ludwig verstärkt Mittel der Wohnbauförderung einsetzen - besonders im Fokus stehen dabei sogenannte Smartwohnungen, die mit den Bedürfnissen ihrer Besitzer mitwachsen.

Da sich die eigenen vier Wände oft nicht so leicht adaptieren lassen, empfiehlt Reinprecht die Erleichterung von Wohnmobilität, auch zwischen den Segmenten. "Da geht es einerseits um Maßnahmen im Mietrecht, andererseits muss ein Wohnungswechsel innerhalb des geförderten Wohnbaus - etwa von einer großen zu einer kleineren Wohnung - auch administrativ erleichtert werden", bekräftigte auch der Stadtrat. Diesem Problem werde man sich in den nächsten Monaten verstärkt widmen, an einem Konzept werde bereits gearbeitet.

Deutscher Fonds kauft neue Wiener-Wohnen-Zentrale

Was ist da wieder gelaufen? Was soll versteckt, verheimlicht werden?


Bauträger BAI errichtete gerade für Wiener Wohnen, die Hausverwaltungsgesellschaft der städtischen Gemeindewohnungen, eine neue Zentrale bei den Gasometern im 3. Bezirk. Im Jänner soll sie fertig werden, verkauft wurde sie bereits jetzt: Wie die deutsche "Immobilien-Zeitung" berichtet, erwarb der offene Immobilienfonds WestInvest ImmoValue der Fondsgesellschaft Deka den Neubau namens "Gate 2" für 105 Millionen Euro. Die Österreich-Quote des Fonds, der sich an institutionelle Anleger richtet, steige damit auf neun Prozent an, schreibt die Zeitung.
Die vermietbare Fläche beträgt 31.200 Quadratmeter und wird ausschließlich von "Wiener Wohnen" belegt. Offenbar findet man damit aber nicht das Auslangen: Weitere 4.000 Quadratmeter wurden von der städtischen Hausverwaltung kürzlich in unmittelbarer Nähe, im Bauteil 5 des "Marximum", angemietet. Die Vermittlung lief über Otto Immobilien. (mapu, derStandard.at, 1.10.2014)

Zur Nachlese:
Europas größte Hausverwaltung wird Ende 2014 umziehen. Das Unternehmen "Wiener Wohnen", das die 220.000 Wiener Gemeindewohnungen verwaltet, lässt sich vom Bauträger BAI nämlich eine neue Zentrale in Wien-Simmering, direkt an der U3-Station Gasometer, bauen. Nach der Fertigstellung wird diese dann "zu dortigen Marktpreisen" angemietet, wie ein Sprecher auf Anfrage von derStandard.at erklärte. Die Errichtung des "Gate 2" genannten Komplexes wird demnach rund 100 Millionen Euro kosten.
Auf dem 11.000 Quadratmeter großen Grundstück westlich der Gasometer (Adresse Guglgasse 2-4/ Modecenterstraße 9-11), auf dem der Neubau am Mittwoch per offiziellem Spatenstich in Angriff genommen wurde, werden zwei Niedrigstenergie-Gebäude mit knapp 34.000 Quadratmeter Nutzfläche entstehen. Für die Planung zeichneten die Architekten Hoffmann - Janz Ziviltechniker GmbH verantwortlich. 

"Kompetenzzentrum"

Im Erdgeschoß wird ein großes Kundenzentrum errichtet, in den Obergeschoßen der beiden sechs- und neunstöckigen Bauteile werden unter anderem die Wiener-Wohnen-Töchter Kundenservice GmbH und Haus- und Außenbetreuung GmbH einziehen. Außerdem siedeln sich auch das Wohnservice Wien sowie die MA 6 und die MA 50 in der Guglgasse an, wie es in einer Presseerklärung heißt. In zwei Jahren werden dann rund 1.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Wiener Wohnraum-Verwaltung in dem neuen Bürokomplex arbeiten, den Wohnbaustadtrat Michael Ludwig am Mittwoch ein "Kompetenzzentrum für den geförderten Wiener Wohnbau" nannte.
Unterhalb der beiden Bauteile wird eine zweigeschoßige Tiefgarage mit insgesamt 387 Pkw-Stellplätzen gebaut. Als oberirdische Verbindung ist ein Brückenbauwerk zwischen den beiden Bauteilen vorgesehen. Die aus der Stadtplanung vorgegebene Fußgängerachse verbindet die Zu- und Ausgänge der U-Bahn-Station "Gasometer" mit dem Haupteingang zum Kundenzentrum und quert den gesamten Platz vor dem Gebäudekomplex bis hin zur Ecke Döblerhofgasse/Modecenterstraße.
Die BAI, die in diesen Tagen auch die Dachgleiche bei ihrem Prestige-Projekt "DC Tower" auf der Donauplatte feiert, strebt mit dem "Gate 2" eine Green-Building-Zertifizierung an. Konkret soll es das ÖGNI-Zertifikat in Gold werden, wie Geschäftsführer Thomas Jakoubek erklärte.

Bisherige Zentren verschwinden

Die bisherigen neun Kundendienstzentren von Wiener Wohnen werden aufgelassen, sobald die neue Zentrale bezogen ist. Wer dann ein Anliegen hat, das eine physische Anwesenheit im Kundenzentrum notwendig macht, muss also definitiv mit längeren Wegezeiten rechnen. Wiener Wohnen will damit laut Angaben von Geschäftsführer Josef Neumayer durch Synergieeffekte rund drei Millionen Euro pro Jahr einsparen. (map, derStandard.at, 28.11.2012)