Thema des Journalisten
und Autors Uwe Mauch ist der Wiener Gemeindebau. Fast 500.000 Menschen wohnen
in einer Wiener Gemeindewohnung. Uwe Mauch berichtet über den Ruf und das Leben
im „Bau“.
Der
Ruf des Gemeindebaus ist schlechter als die Realität. Da kann man nur
zustimmen. Der Ruf des Gemeindebaus wird durch Ludwig, Neumayer, Häupl und
Wiener Wohnen zerstört.
Uwe Mauch wohnt seit über 40 Jahren im Gemeindebau, in
Floridsdorf, unweit der Brünner Straße. Ein Straßenzug, der - wie er sagt -
schon zu Depressionen führen kann. Aber der „Bau“, der ist eine andere Welt mit
viel Grün und - obwohl die Wohnungen nicht übermäßig groß sind - mit viel
Wohnqualität und noch immer gelebter Solidarität unter seinen Bewohnern. Der
Ruf des Gemeindebaus ist schlechter als die Realität, davon ist Uwe Mauch
überzeugt.
Keine Frage, die Bewohnerstruktur hat sich verändert in den
letzten Jahrzehnten, sagt Uwe Mauch: Mehr Menschen mit Migrationshintergrund,
aber auch mehr Junge bevölkern Karl-Marx-Hof und Co. Die Konflikte haben sich
verändert, aber sie werden gelöst, meint der Autor. Dass in Wien seit 2004
keine neuen Gemeindewohnungen mehr gebaut werden, das sei kurzsichtig, meint
Uwe Mauch. Und nicht nur deshalb ist für ihn klar: Ausziehen will er aus seinem
„Bau“ nicht.
Wiener Bauordnung: Befristete Baulandwidmung
läuft leer
Die Stadt will
Spekulanten entgegenwirken. So, wie das novellierte Gesetz formuliert ist, muss
sie diese aber entschädigen, wenn bestehendes Bauland befristet wird.
Na super, da werden die Spekulanten
belohnt. Und das soll eine Gesetzes-Novelle sein?
05.10.2014 | 18:21 | von Martin Trapichler (Die Presse)
Wien. Die diesjährige Reform der Wiener
Bauordnung wurde von der Stadtregierung als „Vorzeigeprojekt“ präsentiert.
Neben Flexibilisierungen im Bereich der Bauvorschriften bringt die
Bauordnungsnovelle auch ein Novum im Bereich der Flächenwidmung. Um das „Horten“
von Bauland zu verhindern und Spekulanten entgegenzuwirken, wurde in § 4 Abs 4
BauO die Möglichkeit geschaffen, die Widmung Bauland befristet auszuweisen.
Bei Umwidmung eines Baulandgundstücks z.B. in
Grünland hat nach verfassungsgerichtlicher und oberstgerichtlicher
Rechtsprechung der Eigentümer Anspruch auf Entschädigung, etwa wegen
Wertminderung und Aufwendungen, die er im Vertrauen auf die Baulandwidmung
getätigt hat (wie Aufschließungskosten).
Die Wiener Bauordnung
sieht für solche Fälle einen Entschädigungsanspruch vor; der Eigentümer hat
einen Einlösungsanspruch: Er kann den Grund der Gemeinde zum Baulandmarktpreis
verkaufen. Diesen Anspruch schließt die Novelle für den Fall der befristeten
Baulandwidmung nun aus (§ 59 Abs 2 Z 5 BauO): „Ein Einlösungsanspruch steht
nicht zu, wenn die Widmung Bauland durch Ablauf einer gemäß § 4 Abs 4
ausgewiesenen Frist außer Kraft tritt.“ Da aber schon die bloße Befristung
selbst (und nicht erst der Ablauf der Befristung) für den Eigentümer, dessen
Grundstück bereits unbefristet als Bauland gewidmet war, einen Eingriff in sein
verfassungsrechtlich geschütztes Recht auf Eigentum darstellt, steht dem
Eigentümer wohl schon in diesem Fall ein Ersatzanspruch zu.
Die Möglichkeit, Bauland
zu befristen, gibt es auch in Niederösterreich und Burgenland. Allerdings ist
sie dort besser durchdacht: Zum einen ist sie nur bei Neuwidmungen von Bauland
möglich. Zum anderen ist die Frist mit fünf Jahren (NÖ) bzw. von fünf bis zehn
Jahren (Bgld.) festgelegt. Ferner kann nach Ablauf der Frist die Gemeinde die
Widmung binnen eines Jahres ändern. Die Widmung Bauland bleibt also zunächst
bestehen. Nur wenn die Gemeinde innerhalb eines Jahres nach Ablauf der Frist
die Baulandwidmung aufhebt, besteht kein Entschädigungsanspruch wegen
Wertverlusten bzw. getätigter Aufwendungen. Wenn die Gemeinde allerdings erst
später rückwidmet, hat der Eigentümer wieder Anspruch auf Entschädigung, was
der Vertrauensschutz auch gebietet.
Was muss der Eigentümer tun?
Demgegenüber enthält die
Regelung in Wien außer einer Bezugnahme auf die gesetzlichen Planungsziele
keine weitere Determinierung. Hier sind befristete Baulandwidmungen weder auf
Neuwidmungen noch zeitlich beschränkt, könnten also auch bestehende Widmungen
betreffen und verfassungswidrig kurz bemessen sein. Auch ist unklar, welche
Schritte der Eigentümer setzen muss, um ein Auslaufen der Baulandwidmung zu
verhindern (reicht bereits die Baubewilligung, oder muss die widmungskonforme Bebauung
vor Fristablauf fertig gestellt sein?).
Ferner ist offen, welche
Widmung gelten soll, wenn die Befristung abläuft. Der Ausschluss des
Einlösungsanspruchs gem. § 59 Abs 2 Z 5 gilt ja nur dann, wenn die Widmung
Bauland „durch Ablauf“ der Befristung „außer Kraft tritt“. Ob die
Baulandwidmung aber überhaupt durch bloßen Ablauf außer Kraft treten kann, ist
ebenfalls unklar. Der VfGH sprach in einer Entscheidung vom 2. 3. 2000 (V60/
98) aus, dass nach Ablauf einer Befristung die ursprüngliche Widmung nicht wieder
auflebte. Dass nach Fristablauf eine bestimmte andere Widmung gilt, sieht die
Bauordnung aber auch nicht vor.
Bleibt nur ein
Automatismus im Flächenwidmungsplan. Dieser wäre verfassungsrechtlich aber
fragwürdig: Jeder Widmungsänderung hat eine umfangreiche Grundlagenforschung
voranzugehen; liegt sie bereits Jahre zurück, kann sie wohl nicht mehr als
aktuell gelten. Wenn die Baulandwidmung hingegen nur außer Kraft tritt, ohne
dass gleichzeitig eine andere Widmung in Kraft tritt, entsteht ein „weißer Fleck“,
der – ausgehend vom Grundsatz der Baufreiheit – bebaut werden dürfte. Eine
anschließende Widmung in Grünland würde dann wiederum eine Einschränkung der
Eigentumsfreiheit darstellen, für die nach verfassungsrechtlichen Grundsätzen
Entschädigung zu leisten wäre.
Insgesamt erscheint die
gesetzliche Konstruktion der befristeten Baulandwidmung daher eher
undurchdacht, verfassungsrechtlich bedenklich und zudem zahnlos.
Wien (OTS/SK)-Der
kommunale Wohnbau in Wien wird morgen, Montag, im Europäischen Parlament in
Brüssel im Rahmen der Ausstellung "Wiener Wohnbau 1920 bis 2020"
gewürdigt.Evelyn Regner, gf.
Delegationsleiterin der SPÖ-Europaabgeordneten und Schirmherrin der
Veranstaltung, sagte im Vorfeld der Eröffnung: "Leistbares Wohnen ist
Kernbestandteil sozialdemokratischer Politik. Der Wiener Wohnbau gilt dabei
europaweit als Vorzeigebeispiel für eine gelungene Wohnungspolitik, die für
sozialen Ausgleich steht. Er stabilisiert die Gesellschaft und wirkt
Immobilienspekulationen und sozialer Ungleichheit entgegen. In der Europäischen
Union können wir noch viel voneinander lernen und gerade im Wohnbau soll Europa
noch wienerischer werden." ****
Bereits im Juni
vergangenen Jahres wurde im Europäischen Parlament ein Initiativbericht über
den sozialen Wohnungsbau in der Europäischen Union angenommen. Das Europäische
Parlament stellte dabei mehrheitlich fest, dass der Bedarf an erschwinglichem
Wohnraum aufgrund der aktuellen Wirtschafts- und Sozialkrise immer weniger
durch den privaten Gebäudebestand gedeckt werden kann und dass die gestiegenen
Miet- und Energiekosten das Armutsrisiko und die Gefahr sozialer Ausgrenzung
vergrößern.
Gerade vor dem
Hintergrund der europaweiten Diskussion, welchen Bevölkerungsgruppen Wohnungen
im sozialen Wohnbau zur Verfügung stehen sollten, zeigt sich, dass der Wiener
Weg beispielgebend ist. In Wien stehen in allen Stadtteilen Gemeindewohnungen
zur Verfügung, die immer zu denselben Konditionen vergeben werden. Durch die
klaren Vergabekriterien, die auch Menschen bis weit in den gehobenen
Mittelstand hinein das Leben in einer Gemeindewohnung ermöglichen, werden
Ghettobildungen vermieden. Der soziale Wohnbau trägt damit entscheidend auch
zum sozialen Frieden in der Stadt bei.
Wiens WohnbaustadtratMichael
Ludwigunterstreicht: "Der
seit beinahe einem Jahrhundert konsequent fortgeführte Weg der sozialen Wiener
Wohnbaupolitik bringt mehrere Vorteile für die Menschen in der Stadt mit sich.
Zum einen kann damit vielen Wienerinnen und Wienern qualitativ hochwertiger
Wohnraum zu kostengünstigen Konditionen zur Verfügung gestellt werden. Zum
anderen sind in Wien im Vergleich zu anderen Metropolen, die in etwa dieselbe
Größe aufweisen - etwa München, Hamburg, Zürich, Mailand oder Barcelona - die
Mietpreise um bis zu fünfzig Prozent niedriger. Der hohe Anteil geförderter
Wohnungen wirkt insgesamt preisdämpfend auf den gesamten Wohnungsmarkt und
davon profitieren alle Mieterinnen und Mieter in der Stadt - auch jene, die in
einer privaten Mietwohnung leben." Es gibt keine andere Stadt in Europa,
die über eine derartige Kontinuität der sozialen Wohnungspolitik verfügt und diese
auch nicht aufgegeben hat, als der Zeitgeist Neoliberalismus und Privatisierung
diktierte. "Die Stadt bekennt sich zu den Gemeindebauten und hat im
Gegensatz zu vielen anderen Städten zu keinem Zeitpunkt einen Verkauf dieses
kommunalen Eigentums in Erwägung gezogen. Bei der Wiener Volksbefragung 2013
haben sich über 87 Prozent der Bevölkerung dafür ausgesprochen, dass die
kommunalen Betriebe - und dazu gehören auch die Städtischen Wohnhausanlagen -
vor Privatisierung geschützt werden sollen. Wien wird seinen wohnpolitischen
Weg weiter gehen und den Wohnungsmarkt auch in Zukunft nicht ausschließlich
marktwirtschaftlichen Kräften überlassen, bekräftigte Ludwig.
Die besondere
Stellung der Wiener Gemeindebauverwaltung wird ebenfalls morgen im Rahmen der
"European Responsible Housing Awards Ceremony" in Brüssel gewürdigt.
Dort ist Wiener Wohnen unter den besten fünf Hausverwaltungen Europas für den
Bereich "good governance" nominiert. "Wiener Wohnen trägt als
größte kommunale Hausverwaltung Europas maßgeblich zur Lebensqualität in Wien
bei. Es ist eine schöne Bestätigung unserer Leistungen, wenn dies auch in
Europa honoriert wird", betont die stellvertretende Direktorin von Wiener
Wohnen, Karin Ramser.
Hintergrund:
Heute leben rund sechzig Prozent aller Wienerinnen und Wiener in einer
geförderten Wohnung - entweder in einer der rund 220.000 Gemeindewohnungen oder
in einer der etwa 200.000 mit Fördermitteln des Landes Wien errichteten
Wohnung. Allein in den etwa 2.000 Gemeindebauten leben eine halbe Million
WienerInnen. Das entspricht in etwa der EinwohnerInnenzahl, welche die drei
Landeshauptstädte Graz, Salzburg und Klagenfurt zusammen aufweisen.
Den
Startschuss für den ersten Länder-Beteiligungsprozess hat Anfang Oktober die
SPÖ Wien gegeben: unter dem Titel „Wien macht Programm“ und im Beisein von
SPÖ-Vorsitzendem, Bundeskanzler Werner Faymann, Nationalratspräsidentin Doris
Bures, dem Wiener Bürgermeister und SPÖ-Landesparteivorsitzendem Michael Häupl,
Mitgliedern der Wiener Stadtregierung sowie hunderten Mitgliedern,
FunktionärInnen und Interessierten.
Dann
wären Studiengebühren denkbar?
Es darf niemand Studiengebühren
zahlen müssen, der nebenbei arbeitet, und niemand, der ein Stipendium bekommt.
Wenn ein vernünftiges Stipendiengesetz da ist, das soziale Barrieren im Zugang
zum tertiären Bildungsbereich verhindert, dann sage ich: Ich bin nicht der
Verteidiger der Millionärskinder. Das habe ich selbst als Studentenvertreter
nicht als meine Aufgabe gesehen.
Also sind Sie unter bestimmten
Voraussetzungen für Studiengebühren?
Ich werde jetzt sicher nicht den
Studiengebühren das Wort reden. Ich rede das Wort der Beseitigung aller
sozialen Schranken im Zugang zu Bildungssystemen. Über alles andere können wir
später reden. Nur die Lässigkeit, mit der dieses Thema abgehandelt wird - zum
Teil ja auch bei uns, muss man ehrlich sagen -, ist kurzsichtig. Dass der VSStÖ
"keine Studiengebühren" schreit, ist zu wenig. Wo sind deren
Vorschläge zur sozialen Lage der Studenten? Auch wir müssen uns über
Studentenwohnungen Gedanken machen. Öffi-Ticket ist gut und schön, aber Wohnen
ist wichtiger. Und daher die Stipendien umso wichtiger. Das erfordert
inhaltliche Vorbereitung und weniger Aktionismus.
Also kommen doch Studiengebühren. Das herumreden
bringt nichts. Das Bildungssystem ist schlecht, da gibt es zu viele Schranken.
Errichtet von der SPÖ. Öffi-Ticket ist zu teuer.
Da meint doch wirklich Werner Faymann, dass
die Solidarität ein Kernstück „unserer Bewegung“ ist.
SPÖ-Vorsitzender, Bundeskanzler Werner
Faymann hat in seiner Rede vor dem bis auf den letzten Platz gefüllten Festsaal
klargemacht, wie „richtungsweisend und wichtig“ die programmatische Ausrichtung
der Sozialdemokratie ist und dabei neoliberaler Politik, rechter Hetze sowie
Militarismus und Krieg eine klare Absage erteilt. „Internationale Solidarität,
Solidarität in Europa und Solidarität in unserem Land ist ein Kernstück unserer
Bewegung. Wir waren schon immer eine Partei der Arbeit, eine Partei der Arbeitenden“,
deren Interessen gelte es auch weiterhin zu vertreten, machte Faymann klar.
Denn lediglich am 1. Mai begeistert von der
internationalen Solidarität zu singen, bringe nichts. Man müsse auch danach
handeln. Deshalb sei es klar für ihn gewesen, dass Wien bei der Unterbringung
von 600 Flüchtlingen geholfen habe: „Da brauche ich gar nicht nachdenken, das
kommt bei mir aus dem Rückenmark.“ Diese Grundwerte zu leben, sei aber nicht
allein Aufgabe der Parteiführung, alle Gesinnungsfreunde hätten sich daran zu
halten.
Grundwerte: Absahnen
Ein Parteiprogramm sei vor allem dazu da,
„grundsätzliche Werte zu definieren“, um davon politische Linien abzuleiten.
„Von unserer Wertehaltung ausgehend müssen wir festlegen, welche Art von
Gesellschaft wir uns vorstellen“, betonte der SPÖ-Vorsitzende. Dabei gehe es
aber nicht darum, Grundsätze wie Freiheit oder Gerechtigkeit in Frage zu
stellen, sondern die konkrete Ausgestaltung unter Maßgabe aktueller
gesellschaftlicher Entwicklungen festzulegen.
Nicht
nur "ein paar Gscheite" (Häupl), sondern die Sympathisanten an der
Basis sindgefordert. In den nächsten Wochen
sollen die Bezirksorganisationen acht Themenfeldervon Arbeit über Wohnen bis Gesundheit diskutieren und dabei
Bevölkerung undZivilgesellschaft
einbinden. Zwischenergebnisse werden am Landesparteitag im kommenden Frühjahr
präsentiert. Danach sollen via Online-Foren weitere Ideen gesucht und schließlich
alle Inputs bis zur ersten Jahreshälfte 2016 als "Wiener Position"
zusammengeführt und der Bundespartei übergeben werden.
Bundeskanzler
und Parteichef Faymann betonte, dass die Sozialdemokratie immer einePartei der Arbeit gewesen sei.
Was
für eine Ironie! Gezeigt haben sie das
in den letzten Jahren und Jahrzehnten nie, da waren sie immer auf der
Seite der Kapitalisten. Der Wählerschwund macht’s möglich. Endlich.
Die
SPÖ zittert um ihren Bürgermeister und sie zittert um ihre Stellung im Bund.
Alles das muss neu definiert werden. Die letzten Wahlen haben gezeigt, dass es
mit der SPÖ rasant nach unten geht. Und das ist zu erklären, nur die SPÖ möchte
davon nichts wissen. Partei ohne Grundwerte Der Dreck
Was
SPÖ und ÖVP gemeinsam haben? Nicht viel, möchte man meinen. Das stimmt so
nicht. Die SPÖ und die ÖVP haben alles gemeinsam. Da gibt es keine Unterschiede
mehr. Mit der Beginn der großen Koalition wurden diese Unterschiede, die immer
klein waren, ganz ausgemerzt. Und jetzt, da es der SPÖ an den Kragen geht, denn
auch der Dümmste hat es begriffen, dass die SPÖ eine kapitalistische Partei
geworden ist, da gibt es eine Rückbesinnung.
Gemeinsam mit der
Basis überarbeitet die Parteispitze bis 2016 das SPÖ-Programm. Die Stoßrichtung
dabei ist klar: Man will sich in Zukunft wieder stärker um den „kleinen Mann“
bemühen.
Thomas Prior (Die Presse)
Wien.Was SPÖ und ÖVP gemeinsam haben? Nicht viel, möchte man
meinen, mit Ausnahme eines Regierungsvertrages und der Erkenntnis, dass ihre
Parteiprogramme nicht mehr ganz auf der Höhe der Zeit sind. Die ÖVP hat ihre
Programmreform bereits vor einigen Wochen unter dem mehrdeutigen Titel
„Evolution“ begonnen. In der SPÖ läuft der Prozess – er nennt sich „Gemeinsam.
Reform.“ – gerade erst mit Kick-off-Veranstaltungen in den Ländern an. Den
Anfang vom Anfang machte am Donnerstagabend die Wiener SPÖ. Sie hat nächstes
Jahr eine Landtagswahl zu schlagen und durfte wohl auch deshalb Kanzler Werner
Faymann als Ehrengast im Rathaus begrüßen.
Das Neue an der programmatischen Arbeit in der
SPÖ sei das „Bottom-up-Prinzip“, sagt Bundesgeschäftsführer Norbert Darabos im
Gespräch mit der „Presse“. Soll heißen: Während frühere SPÖ-Programme von
einigen Parteiintellektuellen ausgearbeitet und dann dem Parteitag zum
Beschluss vorgelegt wurden, ist die Basis dieses Mal von Beginn an eingebunden.
Inhaltlich will Darabos daher auch „nichts präjudizieren“, wobei er mit seiner
Meinung nicht hinter dem Berg hält: Die SPÖ müsse sich wieder stärker ihrer
Kernklientel, den Arbeitern, widmen. „Viele fühlen sich nicht mehr ausreichend
von der Partei vertreten und wenden sich ab“ – meistens in Richtung FPÖ, wie
auch Darabos nicht leugnet.
Auf kapitalistischen Abwegen
Die Ursache dafür
vermutet er im „Dritten Weg“, den der Brite Tony Blair, der Deutsche Gerhard
Schröder und in deren Windschatten auch der Österreicher Viktor Klima in den
Neunzigerjahren beschritten haben. Dieser Weg mündete ins SPÖ-Programm von
1998, das noch heute gilt und, wie der heutige Bundesgeschäftsführer findet,
„sicher nicht das beste in der Parteigeschichte war“. Denn damals habe es „eine
gewisse Öffnung in Richtung Kapitalismus“ gegeben.
Außerdem seien viele
Positionen „zu schwammig“ formuliert. So bekenne sich die SPÖ zwar zu neuen
Arbeitsformen, führe aber nicht aus, was sie darunter verstehe. Nicht nur beim
Wähler, auch an der SPÖ-Basis gebe es seither „eine Sehnsucht nach klaren
Positionen“.
Ob eine Rückbesinnung
auf die unteren Einkommensschichten, den sogenannten kleinen Mann, umgekehrt
nicht den Abschied vom breiten Mittelstand bedeute? Darabos verneint: Beides
sei miteinander vereinbar, wiewohl es auch innerhalb der SPÖ
Interessenkonflikte gebe. So befürworte etwa das studentische Milieu eine
Arbeitserlaubnis für Asylwerber, während die Arbeiterschaft einen
Verdrängungswettbewerb befürchte. Es werde nicht leicht sein, hier eine Lösung
zu finden, aber in die Programmdebatte seien eben alle eingebunden.
In einer ersten Phase
werden nun Vorschläge gesammelt. Ein wissenschaftlicher Beirat, der vom
Direktor des Staatsarchivs, Wolfgang Maderthaner, geleitet wird, erarbeitet
parallel ein eigenes Papier. Die Fäden laufen in der „Ständigen Arbeitsgruppe“
zusammen, die von Darabos, Ex-Klubobmann Josef Cap und Pensionistenchef Karl
Blecha geleitet wird. Auch Parteichef Werner Faymann ist eingebunden.
Ab Mai 2015 sollen die
Ergebnisse ausgewertet und erste Maßnahmen umgesetzt werden. Am Ende dieser
zweiten Phase steht ein Textentwurf, der ab November in allen Bezirken
diskutiert und danach überarbeitet wird. Beschlossen werden soll das neue
Parteiprogramm im November 2016 – und zwar zunächst per Mitgliederentscheid und
erst dann vom Parteitag.
Das sind bereits die
ersten Vorboten einer Organisationsreform, die mit dem Programmprozess
einhergeht. Dabei geht es vor allem um direkte Demokratie innerhalb der SPÖ,
also um die Frage, wie man der Basis zu mehr Mitsprache verhelfen kann. Derzeit
kann zum Beispiel eine Entscheidung am Parteitag erzwungen werden, wenn 15
Prozent der 240.000 Mitglieder ein Anliegen unterstützen. Diese Hürde könnte
künftig gesenkt werden.
Frauenquote: Instanz offen
Auch dem will Darabos
allerdings nicht vorgreifen. Unmittelbar ist ohnehin eine andere Neuregelung
dringlicher: eine, die sicherstellt, dass die 40-prozentige Frauenquote in der
SPÖ eingehalten wird. Geplant ist ein Durchgriffsrecht auf die Kandidatenlisten
in den Ländern und Bezirken. Offen ist aber noch, wer diese regulierende
Instanz sein wird. Im Gespräch sind der Bundesparteirat, also der kleine
Parteitag, der immer vor Wahlen zusammentritt, und der Parteivorstand. Der
Vorschlag sei noch nicht fertig, sagt Darabos. Die Entscheidung dürfte am 4.
November fallen – bei einer Sitzung des Parteivorstands.
Was da Ludwig wieder vorschlägt geht ganz
einfach in eine einzige Richtung: Das Wohnen wird immer teurer und in naher
Zukunft können das die älteren Menschen nicht mehr bezahlen. Deshalb auch diese
idiotische Idee mit den Wohn-WGs.
Barrierefreiheit ist vom Bauamt schon
vorgeschrieben, da braucht’s einen Ludwig nicht mehr.
"Im Jahr 2044 werden 27 Prozent der
Wiener Bevölkerung über 60 Jahre alt sein. Das stellt auch den Wohnbau vor
Herausforderungen", betonte Ludwig bei einer Pressekonferenz im Zuge des
Symposiums "Älter werden - individuell wohnen" am Mittwoch. Jedoch
dürfe man nicht alle älteren Generationen "in einen Topf werfen",
sondern müsse viel stärker differenzieren. Die Stadt habe sich daher
verschiedenste Maßnahmen vorgenommen. Derzeit wohnen laut Ludwig bereits rund
100.000 Menschen über 60 Jahre in den Wiener Gemeindebauten.
Mehr Barrierefreiheit
Zunächst
wolle man die Sanierung zur Barrierefreiheit von bestehenden Wohnungen weiter
vorantreiben, beispielsweise durch Liftzubauten oder die Einrichtung von
Rampen. Auch in den Wohnungen selbst sollen Mieter bei Umbauten unterstützt
werden: "Wir haben dazu eine eigene Kompetenzstelle für barrierefreies
Planen, Bauen und Wohnen eingerichtet, die auch stark frequentiert wird",
schilderte der Stadtrat.
Mehrgenerationenhaus für
Ältere vorstellbar
Neubauten
sollen ohnehin nur noch barrierefrei entstehen, der Fokus liege dabei aber
verstärkt auf Mehrgenerationenwohnungen bzw. -siedlungen. Mehr als die Hälfte
der im Rahmen einer Studie Befragten Menschen über Fünfzig kann sich
vorstellen, später in einem Mehrgenerationenhaus zu wohnen. "Ältere
Menschen wollen keine reinen Alterssiedlungen", unterstrich auch Christoph
Reinprecht, Professor am Institut für Soziologie der Universität Wien, der zu
diesem Thema forscht. Stattdessen könne man einen Trend zu gebildeteren
Pensionisten und damit auch den Wunsch nach mehr Teilhabe feststellen.
"Wohnen für
Fortgeschrittene"
Als
"Wohnen für Fortgeschrittene" bezeichnete Ludwig eine weitere
Alternative für ältere Wiener, die Senioren-Wohngemeinschaft. "Das
funktioniert vor allem, wenn die Nutzer schon in der Planungsphase eingebunden
werden", so der Stadtrat. Damit könne man auch dem zunehmenden Phänomen
der Singularisierung entgegenwirken, erklärte Reinprecht: "Je älter wir
werden desto wahrscheinlicher leben wir alleine." An die 70 Prozent der
Über-80-Jährigen können nicht mehr auf eine Kernfamilie zurückgreifen und
teilen den Haushalt mit niemandem mehr.
Finanzierbarkeit
problematisch
Auch
die Kooperation zwischen Bauträgern und sozialen Dienstleistern soll aus diesem
Grund in Zukunft verstärkt gefördert werden, meinte Ludwig. Als Beispiel nannte
der Stadtrat u.a. Gemeinschaftsräume, die dann auch von Organisationen bespielt
werden sollen. Problematisch bleibt oftmals die Finanzierbarkeit von Wohnen für
Senioren, auch hier will Ludwig verstärkt Mittel der Wohnbauförderung einsetzen
- besonders im Fokus stehen dabei sogenannte Smartwohnungen, die mit den
Bedürfnissen ihrer Besitzer mitwachsen.
Da
sich die eigenen vier Wände oft nicht so leicht adaptieren lassen, empfiehlt
Reinprecht die Erleichterung von Wohnmobilität, auch zwischen den Segmenten.
"Da geht es einerseits um Maßnahmen im Mietrecht, andererseits muss ein
Wohnungswechsel innerhalb des geförderten Wohnbaus - etwa von einer großen zu
einer kleineren Wohnung - auch administrativ erleichtert werden", bekräftigte
auch der Stadtrat. Diesem Problem werde man sich in den nächsten Monaten
verstärkt widmen, an einem Konzept werde bereits gearbeitet.
Was ist da wieder gelaufen? Was soll versteckt, verheimlicht werden?
Bauträger BAI errichtete gerade für Wiener Wohnen, die
Hausverwaltungsgesellschaft der städtischen Gemeindewohnungen, eine neue
Zentrale bei den Gasometern im 3. Bezirk. Im Jänner soll sie fertig werden,
verkauft wurde sie bereits jetzt: Wie die deutsche "Immobilien-Zeitung"
berichtet, erwarb der offene Immobilienfonds WestInvest ImmoValue der
Fondsgesellschaft Deka den Neubau namens "Gate 2" für 105 Millionen
Euro. Die Österreich-Quote des Fonds, der sich an institutionelle Anleger
richtet, steige damit auf neun Prozent an, schreibt die Zeitung.
Die vermietbare Fläche beträgt 31.200 Quadratmeter und wird
ausschließlich von "Wiener Wohnen" belegt. Offenbar findet man damit
aber nicht das Auslangen: Weitere 4.000 Quadratmeter wurden von der städtischen
Hausverwaltung kürzlich in unmittelbarer Nähe, im Bauteil 5 des
"Marximum", angemietet. Die Vermittlung lief über Otto Immobilien.
(mapu, derStandard.at, 1.10.2014)
Zur Nachlese:
Europas größte Hausverwaltung wird Ende 2014 umziehen. Das Unternehmen
"Wiener Wohnen", das die 220.000 Wiener Gemeindewohnungen verwaltet,
lässt sich vom Bauträger BAI nämlich eine neue Zentrale in Wien-Simmering,
direkt an der U3-Station Gasometer, bauen. Nach der Fertigstellung wird diese
dann "zu dortigen Marktpreisen" angemietet, wie ein Sprecher auf
Anfrage von derStandard.at erklärte. Die Errichtung des "Gate 2"
genannten Komplexes wird demnach rund 100 Millionen Euro kosten.
Auf dem 11.000 Quadratmeter großen Grundstück westlich der
Gasometer (Adresse Guglgasse 2-4/ Modecenterstraße 9-11), auf dem der Neubau am
Mittwoch per offiziellem Spatenstich in Angriff genommen wurde, werden zwei Niedrigstenergie-Gebäude
mit knapp 34.000 Quadratmeter Nutzfläche entstehen. Für die Planung zeichneten
die Architekten Hoffmann - Janz Ziviltechniker GmbH verantwortlich.
"Kompetenzzentrum"
Im Erdgeschoß wird ein großes
Kundenzentrum errichtet, in den Obergeschoßen der beiden sechs- und
neunstöckigen Bauteile werden unter anderem die Wiener-Wohnen-Töchter
Kundenservice GmbH und Haus- und Außenbetreuung GmbH einziehen. Außerdem
siedeln sich auch das Wohnservice Wien sowie die MA 6 und die MA 50 in der Guglgasse
an, wie es in einer Presseerklärung heißt. In zwei Jahren werden dann rund
1.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Wiener Wohnraum-Verwaltung in dem
neuen Bürokomplex arbeiten, den Wohnbaustadtrat Michael Ludwig am Mittwoch ein
"Kompetenzzentrum für den geförderten Wiener Wohnbau" nannte.
Unterhalb der beiden Bauteile wird
eine zweigeschoßige Tiefgarage mit insgesamt 387 Pkw-Stellplätzen gebaut. Als
oberirdische Verbindung ist ein Brückenbauwerk zwischen den beiden Bauteilen
vorgesehen. Die aus der Stadtplanung vorgegebene Fußgängerachse verbindet die
Zu- und Ausgänge der U-Bahn-Station "Gasometer" mit dem Haupteingang
zum Kundenzentrum und quert den gesamten Platz vor dem Gebäudekomplex bis hin
zur Ecke Döblerhofgasse/Modecenterstraße.
Die BAI, die in diesen Tagen auch die Dachgleiche bei ihrem
Prestige-Projekt "DC Tower" auf der Donauplatte feiert, strebt mit
dem "Gate 2" eine Green-Building-Zertifizierung an. Konkret soll es das
ÖGNI-Zertifikat in Gold werden, wie Geschäftsführer Thomas Jakoubek erklärte.
Bisherige Zentren verschwinden
Die
bisherigenneun Kundendienstzentren von Wiener Wohnenwerden aufgelassen, sobald die neue
Zentrale bezogen ist. Wer dann ein Anliegen hat, das eine physische Anwesenheit
im Kundenzentrum notwendig macht, muss also definitiv mit längeren Wegezeiten
rechnen. Wiener Wohnen will damit laut Angaben von Geschäftsführer Josef
Neumayer durch Synergieeffekte rund drei Millionen Euro pro Jahr einsparen.
(map, derStandard.at, 28.11.2012)