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Mittwoch, 5. Februar 2020
Schimmel im gemeindebau
Mieterin soll 4 wochen auf Begutachtung warten.
Mieterin ist selbst schuldm90 % der Schimmelfälle sind schlechtes heizen und lüften schuld, so Wiener wohnen.
Seltsam nur, dass in anderen Häusern dieser Schimmel nicht auftritt.
Mittwoch, 29. Januar 2020
Montag, 8. Mai 2017
Samstag, 2. August 2014
Bleibt uns Faymann erhalten? Wohl kaum.
Zwei
Kriege mit geopolitischem Risiko für Europa erinnern daran, wie irrelevant
österreichische Innenpolitik ist. Oder anders: Diese Kriege zeigen uns
deutlich, wie kleinlich, wie absurd, wie traurig diese politische Lähmung und
gegenseitige Blockade in Österreich sind. Nicht einmal überzeugte Anhänger von
SPÖ und ÖVP glauben dieser Tage daran, dass diese Regierung halten kann.
Zumindest nicht in dieser Konstellation. Kein Tag vergeht, keine Debatte
verstreicht, ohne dass sich SPÖ- und ÖVP-Minister bzw. deren Sekretäre
gegenseitig angreifen, sich legen oder zumindest einander ausrichten. Wobei
letztere Beschäftigung auch zwischen Ministern derselben Couleur beliebt ist.
Und immer wieder wird ein Szenario angesprochen: Werner Faymann und Michael
Spindelegger könnten in diesem Herbst abtreten, neuen Köpfen Platz machen und
so den Weg für einen Neuanfang und ein Ende der Blockade freigeben müssen.
Die
rot-schwarze Koalition von Werner Faymann und Michael Spindelegger steckt seit
Dienstantritt Ende 2013 im Popularitätstief. Der Dauerstreit um Budgetlöcher
oder die Steuerreform reißt nicht ab. In der Sonntagsfrage hat Unique Research
für "profil" die SPÖ nur noch bei 24 Prozent, die ÖVP bei 21 Prozent
gemessen – beide weit hinter der FPÖ mit 28 Prozent.
Der
Zustand dieser Koalition ist katastrophal. Wenn nicht der August ein leichtes
Einlenken bringt, dann sehe ich das Ablaufdatum der Regierung Ende 2015.
Denn 2015 finden vier Landtagswahlen statt. Deren Ausgang wirke auch auf den
Bund. Faymann (SP) müsse viel stärker zeigen, dass er Kanzler ist, und
die ÖVP dürfe Reformen nicht ablehnen, ohne ein eigenes Konzept vorzulegen.
Es
war einfach Pech. Eine kleine Unachtsamkeit. So etwas kann passieren, wenn man
im Stress ist. Allerdings sollte es nicht passieren, schon gar nicht dem
Finanzminister. Vor Kurzem
hatte Michael Spindelegger zum Rundumschlag gegen die Österreichischen
Bundesbahnen ausgeholt. Dringend nötige Reformen gingen zu langsam, das
Unternehmen verschlinge zu viel Geld. Allein im laufenden Jahr müsse der Staat
unfassbare 5,3 Milliarden Euro zuschießen, klagte Spindelegger. Eineinhalb Tage
und eine Recherche im eigenen Büro später ruderte der Vizekanzler zurück.
Leider habe man eine Zeile im Excel-Sheet doppelt gezählt. Die Bahn wird heuer
4,7 Milliarden Euro kosten – also auch ganz schön viel, aber doch um die
Kleinigkeit von 600 Millionen Euro weniger. Seither schweigt die ÖVP zum Thema
ÖBB. Eine Blamage pro Monat genügt. Der
Name Kern fällt derzeit mit Abstand am häufigsten, wenn darüber diskutiert
wird, wer Bundeskanzler Werner Faymann eines Tages nachfolgen könnte. Allzu
groß ist das Reservoir an Nachwuchshoffnungen in der Sozialdemokratie nicht. Von der ÖBB-Zentrale direkt ins
Bundeskanzleramt. Christian Kern, 48 Jahre alt und seit 2010 Chef der
ÖBB-Holding. Kern war der Adressat von Spindeleggers Attacken gewesen, und er
hatte sich auch pflichtschuldig gewehrt.
Donnerstag, 3. Juli 2014
Die Wohnungspreise steigen weiter
40 Anmeldungen für eine neue
WohnungPreise steigen weiter. Allein
in Wien müssten pro Jahr um 4000 geförderte Wohnungen mehr gebaut werden.
Die Warteliste für
geförderte Wohnungen wird immer länger. Vergangenes Jahr waren bei der
Sozialbau rund 45.000 Wohnungssuchende registriert. Mittlerweile sind 71.000
Interessenten bei dem gemeinnützigen Bauträger registriert. Das ergibt
rund 40 Anmeldungen für eine neue Wohnung.
Es gibt keinerlei Anzeichen
dafür, dass die Zahl der Vormerkungen bei den gemeinnützigen Bauträgern sinken
wird. Im Gegenteil: Es fehlen immer mehr günstige Wohnungen. Das Problem
betrifft vor allem die Ballungszentren und insbesondere Wien.
In Wien mit seinem außerordentlich großen geförderten
Wohnungsangebot stehen breiten Bevölkerungsschichten erschwingliche und
hochwertige Wohnungen zur Verfügung. Das ist nicht nur gerecht, sondern sorgt
auch für soziale Ausgewogenheit und trägt wesentlich zum friedlichen
Miteinander in unserer Stadt bei, sagte doch wirklich Pokorny, der weiß es
also, vielleicht auch besser, er denkt es zumindest und das ist auch schon
genug.
Die Sozialbau hat die Zahl der fertig gestellten Wohnungen
auf rund 1900 verdoppelt. Die freifinanzierten Wohnungen im neuen Wiener
Stadtteil Aspern sind bereits zu 50 Prozent vergeben. Der Generaldirektor der
Sozialbau, Herbert Ludl, rechnet damit, dass bis Jahresende alle Wohnungen
vergeben sind.
Die hohe Nachfrage ist kein
Wunder. Allein in der Bundeshauptstadt müssten jährlich statt derzeit 4000 etwa
8000 geförderte Wohnungen gebaut werden, um den Bedarf zu decken.
Insgesamt wird der Bedarf auf jährlich etwa 10.000 neue Wohnungen geschätzt.
Doch diese Neubauleistung ist nicht realistisch. Die Differenz zwischen
Angebot und Nachfrage wird daher durch frei finanzierte
Wohnungen aufgefüllt.
Allerdings zu bisweilen sehr
hohen Preisen. Bei Mieten von 14 bis 15 Euro pro „wird die Luft sehr
dünn“, weiß Herbert Ludl, Generaldirektor der
Sozialbau. Die Zahl der Wohnungssuchenden, die sich das leisten können,
hält sich in engen Grenzen. Ludl erläutert die Lage am
Wohnungsmarkt mit einem Vergleich aus der Gastronomie: Während die Freunde der
teuren Gourmetküche sehr wohl ein ausreichendes Angebot vorfinden
fehle die gute und leistbare Hausmannskost. Die Durchschnittsmiete für
Wohnungen der Sozialbau beträgt ohne Betriebskosten 3,81 Euro pro m2.
Ein großes Problem beim Neubau sind die hohen
Grundstückskosten. Wegen der derzeit niedrigen Zinsen sind Investoren
auch bereit 1000 Euro pro auszugeben. So viel wurde für
Kasernengründe in der Montleartstraße (Wien-Penzing) bezahlt. Derartige Preise
sind laut Ludl „knapp vor der Blasenbildung“. Es sei nur schwer möglich
bei derartig hohen Grundstückskosten Gewinne zu erzielen.
Im gemeinnützigen
Wohnbau sollen die Preise nicht über 250 Euro pro liegen. Ludl rechnet
allerdings damit, das auch die Gemeinnützigen künftig bis zu 400 Euro pro
werden ausgeben müssen. Schlechte Nachrichten für alle, die in den kommenden
Jahren einen Wohnung suchen. Es wird sicher nicht billiger, sondern deutlich
teurer.
Immerhin hat die Gemeinde Wien beschlossen, dass es künftig in der Bundeshauptstadt auch eine eigene Widmungen für den sozialen Wohnbau geben kann. Bislang wurde dieses neue Instrumentarium noch nicht eingesetzt.
Immerhin hat die Gemeinde Wien beschlossen, dass es künftig in der Bundeshauptstadt auch eine eigene Widmungen für den sozialen Wohnbau geben kann. Bislang wurde dieses neue Instrumentarium noch nicht eingesetzt.
Die gemeinnützigen Bauträger
kaufen für den sozialen Wohnbau in den Ballungszentren ohnehin nur Grundstücke
, die noch nicht für den Wohnbau gewidmet wurden. Nach der Umwidmung sind
die Grundstückspreise zu hoch. Vor allem in Wien gibt es einen Nachholbedarf an
Widmungen für den sozialen Wohnbau.
Immerhin ermögliche die neue
Wiener Bauordnungen „beträchtliche Einsparungen“, freut sich Ludl. Früher
war vorgeschrieben, dass für jede Wohnung ein Stellplatz gebaut
wird. Das war in vielen Wohnungsanlagen zu viel des automobilen Guten.
Zumal die Errichtung von Garagen im städtischen Gebiet ziemlich ins Geld
geht. Nun müssen nur mehr für 75 Prozent der Wohnungen Stellplätze
gebaut werden.
Allerdings gilt diese
Bestimmung nur für Wohnbauten, die in Zukunft gebaut werden. Bestehende
Garagenplätze müssen erhalten bleiben. Auch wenn die Garage nicht
ausgelastet ist.
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Donnerstag, 29. Mai 2014
Vorschläge für eine bessere Wohn(bau)politik in Österreich
Wien (OTS) - Die Situation am österreichischen Wohnungsmarkt spitzt sich zu, Wohnen wird immer teurer. Der gesetzliche Rahmen ist schwach und weitgehend veraltet. Nach einem Aufflackern der Diskussion über die Zukunft des Wohnens in Österreich im Nationalratswahlkampf 2013 ist das Interesse an nötigen Reformen auf politischer Seite rasch wieder abgeflaut.
Da ist es auch gar nicht
seltsam, dass SPÖ-Bundesrätin Inge Posch-Gruska, sich
am Mittwoch, im Bundesrat gefreut hat, dass mit dem vorliegenden Budget in
soziale Bereiche wie Pflege, Wohnen, Familienförderung und Kinderbetreuung
Geld investiert wird. "Ein Budget ist nur gut, wenn es positiv bei
der Bevölkerung ankommt. Gespart wird bei der Verwaltung, investiert in
Bereichen, wo das Geld dringend gebraucht wird. Gerade für Familien hält
das Budget einiges parat: Ausbau von Kinderbetreuung, monatliches
Auszahlen der Familienbeihilfe und Ausweiten der Bezugsmöglichkeiten. In
Summe ist das Budget sozial konzipiert und familienfreundlich." Was
laut Posch-Gruska jetzt noch fehlt, ist eine Steuerreform, um eine
gerechte Verteilung der Abgabenlast zu erwirken. "ArbeitnehmerInnen
müssen mehr von ihrem Einkommen haben, Millionäre müssen mehr zum
Gemeinwohl beitragen."
Die EU-Wahl ist vorbei
und das Aufwachen ist, war fürchterlich für die Genossen, die die ganze Zeit
über nichts gemerkt haben oder es nicht bemerken wollten. Jetzt melden sie sich
zu Wort, wieder einmal mit Parolen, unnütz wie sie selber.
Von den obersten Etagen
des DC Towers, der mit 250 Metern Höhe das neue höchste Gebäude Österreichs
ist. Das schicke Ambiente zu genießen, das Architekt Dominique Perrault in dem
Wolkenkratzer nahe der Donau geschaffen hat, ist, wie auch nicht anders zu erwarten,
kein billiges Vergnügen. So liegen die Büromieten im Hightech-Turm im
günstigsten Fall bei 17 Euro je Quadratmeter. In der Spitze werden sogar 32
Euro je Quadratmeter bezahlt. Auch die Schaffung von Wohneinheiten ist
geplant. Sicher ist, dass Spitzenpreise erzielt würden, sollten diese
Appartments auf den Markt kommen. Und auch bei Eigentumswohnungen
schießen die Preise weiter in die Höhe. Wie der von der Wirtschaftskammer
erstellte "Immobilienpreisspiegel 2014“ zeigt, ist das Preisniveau in Wien
im Vorjahr neuerlich stark gestiegen. Gar nicht so sehr in der Innenstadt: Dort
müssen zwar je Quadratmeter im Schnitt über 7.000 Euro auf den Tisch geblättert
werden, was Österreich-Rekord ist. Aber gegenüber 2012 sind die Preise in der
City um 2,4 Prozent gesunken. Ganz anders verlief die Entwicklung im Rest von
Wien. So zogen die Quadratmeterpreise neuer Eigentumswohnungen in acht der 23
Wiener Bezirke um mehr als zehn Prozent an. Noch schneller drehte sich
im Vorjahr die Preisspirale bei gebrauchten Eigentumswohnungen mit einem
Anstieg des Quadratmeterpreises um 12,8 Prozent quer über Wien. In den Bezirken
5, 6, 9 und 12 explodierten die Preise sogar um mehr als 16 Prozent. Angesichts des zwar
abgeschwächten, aber nicht gestoppten Preisauftriebs in und rund um
Ballungsräume stellt sich die Frage nach der Leistbarkeit immer drängender.
Eine Antwort darauf lässt sich über den Anteil der Wohnkosten am
Haushaltseinkommen festmachen. So mussten Mietern laut einer OeNB-Erhebung im
Jahr 2012 österreichweit schon rund ein Drittel des Haushaltseinkommens für das
Dach über dem Kopf ausgeben. Bei Wohnungseigentümern erreichte der Anteil knapp
25 Prozent. Weil die Mieten vor allem in Wien schon am Plafond angelangt sind,
haben sie im Vorjahr nur noch um durchschnittlich 0,1 Prozent zugelegt. Bei freien Mieten von rund neun
Euro je Quadratmeter ist die Leistbarkeit ein zunehmendes Problem.
Wie eine im Vorfeld des Verbandstages der gemeinnützigen Wohnungswirtschaft durchgeführte Umfrage unter den 190 Mitgliedsunternehmen ergeben hat, stellen die hohen Grundstückskosten und die Verfügbarkeit von Bauland das mit Abstand brennendste Problem für den Wohnungsbau dar. Hier gelte es durch wirksame Maßnahmen zur Baulandmobilisierung anzusetzen, um den gerade in den Ballungszentren stark nachgefragten Wohnraum anbieten zu können, erklärte Karl Wurm, Obmann des Österreichischen Verbandes gemeinnütziger Bauvereinigungen
(GBV), im Rahmen der Jahrestagung in Innsbruck. Die Grundstücksfrage stehe daher ganz oben auf der wohnungspolitischen Prioritätenliste der Gemeinnützigen. Als "Hoffnungsgebiet" für günstiges Bauland sieht Wurm u.a. ehemalige Kasernenareale. "Es ist erfreulich, dass auch die Bundesregierung in ihrem Arbeitsprogramm die Dringlichkeit grundstücksmobilisierender Maßnahmen erkannt hat, nun gilt es aber den Worten Taten folgen zu lassen und im Eigentum der öffentlichen Hand stehende Grundstücksreserven rasch für den geförderten Wohnbau zu widmen". Zusätzlich gelte es auch eine verfassungsrechtliche
Klarstellung zur Anwendung baulandmobilisierender Instrumente in den
Ländern bzw. Gemeinden herbeizuführen.
Ebenso wichtig für das Einbremsen des Kostenanstiegs im sozialen Wohnbau
ist ein Stopp der ständig steigenden Qualitätsanforderungen im bautechnischen
und energetischen Bereich. Zwischen 2005 und 2012 sind die Baukosten bei den
GBV um ein Drittel bzw. über 400 Euro/m2 angestiegen, der größte Anteil
resultiert aus Auflagen energieeffizienten Bauens und weiteren qualitativen
Bauvorschriften
wie Brandschutz, umfassender Barrierefreiheit und Stellplatzverpflichtung. Die Folge ist eine Mieterhöhung in diesem Zeitraum um einen Euro/m2 auf 7,2 Euro/m2. Die Gemeinnützigen haben einen umfassenden Katalog an Vorschlägen mit kostendämpfender Wirkung ausgearbeitet. Wurm appellierte an die Politik, der auch im Regierungsprogramm verankerten Zielvorstellung einer Sicherung leistbaren Wohnens konkrete Umsetzungsschritte folgen zu lassen.
Zur Steigerung der dringend notwendigen Neubauleistung seien auch Maßnahmen auf gesetzlicher Ebene erforderlich. GBV-Obmann Wurm: "Handlungsbedarf besteht vorrangig bei den steigenden eigenmittelfinanzierten Instandhaltungsausgaben. Zur Finanzierung immer kostenintensiverer thermischer Sanierungen und
wohnungsinnenseitiger Brauchbarmachungen müssen die GBV eine immer
größer werdende Summe an Eigenmitteln aufwenden." Dieses
"Wohnbauzweckkapital" fehle im produktiven Segment zur Errichtung
kostengünstiger Wohnungen. Vorschläge zur Abfederung zunehmender
Sanierungsausgaben und damit "Freispielen" des im wohnwirtschaftlichen Kreislauf zweckgebundenen GBV-Eigenkapitals für künftige Wohnbauvorhaben liegen seit längerem auf dem Tisch. "Jetzt gilt es Nägel mit Köpfen zu machen und mutige wohnungspolitische Reformen auf den Weg zu bringen. Der grassierende Wohnungsmangel in den Städten duldet keinen Zeitaufschub mehr", appellierte Wurm.
wie Brandschutz, umfassender Barrierefreiheit und Stellplatzverpflichtung. Die Folge ist eine Mieterhöhung in diesem Zeitraum um einen Euro/m2 auf 7,2 Euro/m2. Die Gemeinnützigen haben einen umfassenden Katalog an Vorschlägen mit kostendämpfender Wirkung ausgearbeitet. Wurm appellierte an die Politik, der auch im Regierungsprogramm verankerten Zielvorstellung einer Sicherung leistbaren Wohnens konkrete Umsetzungsschritte folgen zu lassen.
Zur Steigerung der dringend notwendigen Neubauleistung seien auch Maßnahmen auf gesetzlicher Ebene erforderlich. GBV-Obmann Wurm: "Handlungsbedarf besteht vorrangig bei den steigenden eigenmittelfinanzierten Instandhaltungsausgaben. Zur Finanzierung immer kostenintensiverer thermischer Sanierungen und
wohnungsinnenseitiger Brauchbarmachungen müssen die GBV eine immer
größer werdende Summe an Eigenmitteln aufwenden." Dieses
"Wohnbauzweckkapital" fehle im produktiven Segment zur Errichtung
kostengünstiger Wohnungen. Vorschläge zur Abfederung zunehmender
Sanierungsausgaben und damit "Freispielen" des im wohnwirtschaftlichen Kreislauf zweckgebundenen GBV-Eigenkapitals für künftige Wohnbauvorhaben liegen seit längerem auf dem Tisch. "Jetzt gilt es Nägel mit Köpfen zu machen und mutige wohnungspolitische Reformen auf den Weg zu bringen. Der grassierende Wohnungsmangel in den Städten duldet keinen Zeitaufschub mehr", appellierte Wurm.
"Es braucht ein bundesweit einheitliches, transparentes Wohnrecht",
fordert Jörg Wippel, Mastermind der Initiative "Re:Think -
Wohn.Bau.Politik" heute gemeinsam mit dem Präsidenten des Europäischen
Forums Alpbach, Franz Fischler.
Auch bei der Raumordnung sieht Wippel großes Potenzial: "Der Preisanstieg
von Immobilien und Grundstücken in innerstädtischen Lagen drängt den Wohnbau
immer weiter an die Ränder der Stadt. Dieser Wohnbau erfordert jedoch vielfach
die Schaffung neuer Infrastruktur. Neue Gebiete werden so verstädtert. Das ist
ökologisch wie wirtschaftlich problematisch. Wir müssen unseren Fokus auf die
Verdichtung innerhalb des vorhandenen Bestandes legen", sagt Wippel
weiter.
Verdichtung innerhalb des vorhandenen Bestandes legen", sagt Wippel
weiter.
Harald Frey vom Institut für Verkehrswissenschaften der TU Wien führt
dazu aus: "Seit 1950 hat sich die Wohnfläche pro Einwohner verdoppelt. Wir
versiegeln pro Tag zwei Hektar Land - doppelt so viel wie in der
Nachhaltigkeitsstrategie des Bundes eigentlich vorgesehen.". Die
Widmungskompetenz müsse von den Gemeinden auf die Länder übergehen - es brauche
eine übergeordnete Strategie und
Sanktionsmöglichkeiten bei unökologischen Projekten, führte Frey einige der Ergebnisse des Re:think-Prozesses aus.
Sanktionsmöglichkeiten bei unökologischen Projekten, führte Frey einige der Ergebnisse des Re:think-Prozesses aus.
Die dritte zentrale Forderung adressiert eine Reform der Wohnbauförderung.
Die Maxime "erhalten, verbessern und erst dann neu bauen" muss zur
Grundlage einer zeitgemäßen Wohnbauförderung werden, fordern alle drei
Experten.
Wippel und Fischler zeigten sich nach einem Gespräch mit dem für das
Wohnrecht zuständigen Bundesminister für Justiz Wolfgang Brandstetter
zuversichtlich, dass es noch bis zum Herbst zu ersten Vorschlägen für eine große
Wohnrechtsreform kommen könnte.
Im Rahmen der neuen Workshop-Events des europäischen Forum Alpbach
"Re:Think", wurden im März 2014 neue Ideen und Vorschläge für eine nachhaltige Wohnbaupolitik für Bund und Länder erarbeitet. Die Detailergebnisse der zweitägigen Veranstaltung, an der rund 60 Stakeholder teilgenommen hatten, werden im Rahmen der "Baukulturgepräche" des Europäischen Forums in Alpbach am 28. und 29.August präsentiert.
Im Rahmen der neuen Workshop-Events des europäischen Forum Alpbach
"Re:Think", wurden im März 2014 neue Ideen und Vorschläge für eine nachhaltige Wohnbaupolitik für Bund und Länder erarbeitet. Die Detailergebnisse der zweitägigen Veranstaltung, an der rund 60 Stakeholder teilgenommen hatten, werden im Rahmen der "Baukulturgepräche" des Europäischen Forums in Alpbach am 28. und 29.August präsentiert.
Forum Alpbach Präsident Franz Fischler sieht in seinem Veranstaltungsformat
wie auch im Thema Wohnbaupolitik großes Potenzial: "Die Re:Think Events
sind sehr dicht - durchmoderiert und ergebnisorientiert. Im Thema Wohnbau
gelingt es uns, jahrelanger Tatenlosigkeit auf Seite der Verantwortlichen mit
klaren
Handlungsvorschlägen entgegenzutreten", so Fischler.
Handlungsvorschlägen entgegenzutreten", so Fischler.
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Mittwoch, 21. Mai 2014
Wiener Stadtregierung als Bauherr völlig unfähig!
Sonja
Wehsely, die kennen wir auch. Unfähig bis zum Abwinken. Aber, gerade deshalb
ist sie Gesundheitsstatdträtin.
Offener Brief: MedUni
Wien- und AKH Wien-Spitzen protestieren gegen
"profil"-Berichterstattung
(Wien, 16-02.2014) Aufgrund des in der Ausgabe vom 17. Februar 2014 erscheinenden Artikels "Totaufnahme" wehren sich die Spitzen der MedUni Wien und des AKH Wien in einem gemeinsamen offenen Brief an "profil"-Herausgeber und Chefredakteur Christian Rainer sowie alle Mitglieder der "profil"-Chefredaktion gegen die ihrer Ansicht nach darin enthaltene, bewusst irreführende Darstellung und die damit verbundene Verunsicherung von Patientinnen und Patienten.
Sehr geehrte Mitglieder der "profil"-Chefredaktion,
als Ärzte der MedUni Wien und des AKH Wien verwehren wir uns entschieden gegen den in der heutigen Ausgabe erschienenen Artikel "Totaufnahme" und die unserer Ansicht nach darin enthaltene einseitige und unsachliche Darstellung, die jeglicher journalistischen Sorgfaltspflicht fundamental widerspricht.
Ein kritischer Diskurs mit den Medien ist uns eine Selbstverständlichkeit, aber in diesem Artikel werden vielfach Fakten aus dem Zusammenhang gerissen oder bewusst einseitig interpretiert, zutiefst subjektive Wahrnehmungen als objektive Fakten dargestellt und Statistiken zu Fallzahlen in den Ambulanzen wider besseren Wissens irreführend aufbereitet. Der Artikel erzeugt so ganz bewusst den Eindruck, Patientinnen und Patienten des AKH Wien oder der Wiener Gemeindespitäler kämen aufgrund von organisatorischen Missständen oder systematischen Einsparungen zu Schaden. Unserem Verantwortungsbewusstsein als Ärzten widerspricht es, dass das Schicksal von Menschen, denen trotz bester spitzenmedizinischer Versorgung aufgrund eines schicksalshaften Krankheitsverlaufes nicht geholfen werden konnte für eine Boulevardberichterstattung instrumentalisiert wird.
Insgesamt wird durch den Artikel gezielt eine scheinbare Kausalität zwischen medizinischen Einzelfällen und organisatorischen Änderungen konstruiert. Unter anderem ist aber der im Artikel explizit hergestellte Zusammenhang zwischen angeblichen organisatorischen Mängeln und einer neuen Betriebsvereinbarung der MedUni zum Arbeitszeitgesetz falsch. Obwohl zwischen den Unterzeichnern dieses Briefes teilweise unterschiedliche Sichtweisen zu Teilen der Betriebsvereinbarung bestehen, ist es gemeinsame Meinung, dass der im Artikel geschilderte Zustand des AKH nicht den Tatsachen entspricht.
Das AKH Wien mit seinen jährlich rund 100.000 stationären Patientinnen und Patienten und 1,2 Mio. ambulanten Besuchen ist eine wesentliche Säule der medizinischen Versorgung in diesem Land und gemeinsam mit der Medizinischen Universität Wien eine Visitkarte für den Wissenschaftsstandort Österreich. Gemeinsam mit unseren engagierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern ist es Anspruch und Selbstverständnis von MedUni Wien und AKH Wien, täglich sowohl die Versorgung von Patientinnen und Patienten als auch Forschung und Lehre auf Spitzenniveau zu gewährleisten.
Wir treten daher der in dieser Form einzigartigen reißerischen Berichterstattung und der damit verbundenen Rufschädigung des AKH Wien entschieden entgegen - im Interesse unserer Kolleginnen und Kollegen, aber auch zum Wohle unserer Patientinnen und Patienten, die durch die einseitige und tendenzielle Berichterstattung massiv verunsichert werden.
Unterzeichner:
Reinhard Krepler, Ärztlicher Direktor des AKH Wien und Mitglied des Lenkungsausschusses des Projekts Universitätsmedizin Wien 2020
Wolfgang Schütz, Rektor der Medizinischen Universität Wien und Mitglied des Lenkungsausschusses des Projekts Universitätsmedizin Wien 2020
Eduard Auff, Leiter der Universitätsklinik für Neurologie und Teilprojektleiter Medizinischer Masterplan des Projekts Universitätsmedizin Wien 2020
Michael Gnant, stv. Leiter der Universitätsklinik für Chirurgie und Mitglied des Lenkungsausschusses des Projekts Universitätsmedizin Wien 2020
Jörg Michael Hiesmayr, Leiter der Klinischen Abteilung für Herz-Thorax-Gefäßchirurgische Anästhesie und Intensivmedizin und Curriculumdirektor für Universitätslehrgänge
Ihor Huk, Stellvertretender Leiter der Klinischen Abteilung für Gefäßchirurgie der
Universitätsklinik für Chirurgie
Raimund Jakesz, Leiter der Klinischen Abteilung für Allgemeine Chirurgie der Universitätsklinik für Chirurgie
Siegfried Kasper, Leiter der Universitätsklinik für Psychiatrie und Psychotherapie
Walter Klepetko, Leiter der klinischen Abteilung für Thoraxchirurgie an der Universitätsklinik für Chirurgie
Engelbert Knosp, Leiter der Universitätsklinik für Neurochirurgie
Anton Laggner, Leiter der Universitätsklinik für Notfallmedizin
Günther Laufer, Leiter der Klinischen Abteilung für Herzchirurgie an der Universitätsklinik für Chirurgie
Klaus Markstaller, Leiter der Universitätsklinik für Anästhesie, Allgemeine Intensivmedizin und Schmerztherapie
Gerald Maurer, Leiter der Klinischen Abteilung für Kardiologie der Universitätsklinik für Innere Medizin II
Ferdinand Mühlbacher, Leiter der Universitätsklinik für Chirurgie
Markus Müller, Leiter der Universitätsklinik für Klinische Pharmakologie und Vizerektor für Forschung der MedUni Wien
Hubert Pehamberger, Leiter der Universitätsklinik für Dermatologie und Teilprojektleiter des Projekts Universitätsmedizin Wien 2020
Arnold Pollak, Leiter der Universitätsklinik für Kinder- und Jugendheilkunde
Shahrokh Shariat, Leiter der Universitätsklinik für Urologie
Josef Smolen, Leiter der Klinischen Abteilung für Rheumatologie der Universitätsklinik für Innere Medizin III
Oswald Wagner, Leiter des Klinischen Instituts für Labormedizin und Vorsitzender des Senats der MedUni Wien
Johannes Wancata, Leiter der Klinischen Abteilung für Sozialpsychiatrie an der Universitätsklinik für Psychiatrie und Psychotherapie
Reinhard Windhager, Leiter der Universitätsklinik für Orthopädie
Christoph Zielinski, Leiter der Universitätsklinik für Innere Medizin I und stellvertretender Ärztlicher Direktor des AKH Wien
Ich bin gerade aus dem AKH entlassen worden. Aufgenommen wurde ich am 4.4, entlassen am 29.4, nach einer Herzoperation am 22.4. Also nach einer Wartezeit von 16 Tagen.
Nicht nur mir ging es so, auch anderen Patienten erging es nicht anders. Da wurden Patienten abgeholt zur Operation, nach 1 Stunde wurden sie wieder zurückgebracht. So ging es fast täglich. Die erste Woche war ich noch im Spital, die zweite Woche ging ich dann immer auf Ausgang, so sah ich kaum einen Arzt. Ich wurde ja auch nicht behandelt.
Meine Nichte hat sich dann beschwert:
Sehr geehrter Herr Minister Stöger,
sehr geehrte Damen und Herren!
Betrifft: Zustand Herzchirurgie AKH Wien!!!!!!!!!!!!!!
Da sich mein Onkel seit Wochen!!! wegen einer lebensnotwendigen Herzoperation
im AKH Wien auf einer WARTELISTE?????!!! befindet, täglich vertröstet wird, stellt sich mir die Frage ob es für Sie , sehr geehrter Herr Minister, vertretbar ist, dass man notwendige Personalmittelkürzungen vernantworten kann??
Lt. telefonischer Auskunft von heute 17.4.2014 von Hr. Dr. Laufer (Herzchirurgie) befindet man sich offensichtlich im AKH Wien in einer aussichtslosen Lage, respektive Kampf gegen Sparmaßnahmen der Politik.
Es kann doch nicht sein, dass man auf eine Operation am Herzen, die unbedingt erforderlich ist dermaßen lange Wartezeiten in kauf nehmen muss.
Wie würde es Ihnen gefallen wenn sie eine solche lebensnotwendige Operation benötigen und seit Wochen nicht drankommen können, da Personalmiesstände auftreten, Bettensperre herrscht und keine Schwestern zur Verfügung stehen.
Eine Stellungnahme Ihrerseits wäre wünschenswert: SKANDAL IM AKH WIEN - Patient musste zu lange auf Herz-OP warten - TOT !!!
Von den Ärzten wurde den Patienten gesagt, dass das ganze Problem nicht im AKH liegen würde, sondern von der Gesundheitsstadträtin Sonja Wehsely ausgehen würde, denn diese hat die Intensivbetten kontengiert und operiert kann nur werden, wenn auch ein Intensivbett zur Verfügung stehen würde. Weiters wurde kolportiert, dass die Herzchirurgie sehr viel mehr Patienten operieren könnte, aber es gibt eben keine Intensivbetten.
Ich weiß nicht was stimmt, aber wer Sonja Wehsely kennt, der kann es sich schon vorstellen, dass sie mit unseren Leben spielt. Mit ihrer Intelligenz ist es auch nicht gerade weit her, denn ein Tag im AKH kosten mehr als 1000.- Euro. So habe ich 16.000.- Euro gekostet ohne das etwas geschehen wäre. Wie viele Tage hätte ich da in der Intensivstation bleiben können? Wehsely weiß es nicht. Der Spardruck ist nachvollziehbar und die Ärzte sind nur Vasallen auf deren Rücken sich die Politik, die SPÖ, Häupl, Wehsely abreagieren.
Todesfalle Krankenhaus: Gefährdet steigender Spardruck die Notfallmedizin?
profil dokumentiert dramatische Todesfälle in den Spitälern. Ist die Notfallversorgung wegen Geldmangels gefährdet? Oder war die Situation früher nicht anders? Für Patienten in einer medizinischen Akutlage sind beide Szenarien nicht sonderlich beruhigend.
Am 3. Jänner wollte der 62-jährige Wiener Harald L. seinen alten Fernseher in den Keller tragen. Er hatte zu Weihnachten ein neues Flachbildgerät bekommen und der klobige Vorgänger sollte endlich entsorgt werden. Plötzlich fühlte er einen stechenden Schmerz in der Brust, und das Atmen fiel ihm schwer. Als die Symptome nicht abklangen, bestand seine Frau darauf, den Notarzt zu rufen. Dieser hatte sofort den Verdacht auf ein sogenanntes rupturiertes Aortenaneurysma – eine lebensbedrohliche Diagnose. Harald L. wurde um 22.15 Uhr an diesem Freitag in die Notfallambulanz des Allgemeinen Krankenhaues Wien gebracht. Klinikleiter Anton Laggner kann sich genau an den Fall erinnern: „Die Gattin des Patienten ist Krankenschwester, die hier arbeitet, und sie wollte, dass ihr Mann zu uns gebracht wird. Alle Mitarbeiter haben ihr Möglichstes gegeben.“
Doch kaum war der Krankenwagen mit Herrn L. eingetroffen, erhielt die Abteilung eine schlimme Nachricht: Der einzige Gefäßchirurg, der die Notoperation hätte durchführen können, war zum Zweck einer Organentnahme in Amstetten. profil liegt ein Gedächtnisprotokoll der diensthabenden Oberärztin vor, das belegt, wie verzweifelt sie nach einem verfügbaren Gefäßchirurgen suchte.
Erstes Telefonat um 22.18 Uhr, der Professor war „nicht erreichbar, keine Nachricht möglich“.
Zweiter Anruf um 22.20 Uhr, Arzt „erreicht, ist aber derzeit in München“.
Dritter Versuch 22.24 Uhr: „Nicht erreicht, Nachricht hinterlassen und SMS.“
Nummer vier, 22.27 Uhr: „Nachricht per SMS geschickt.“
Dann, um 22.29 Uhr: „Erreicht, kann nicht kommen (Kind).“
Schließlich, 22.31 Uhr: „Nicht erreicht, Nachricht hinterlassen.“
Im AKH, Österreichs größtem Spital, einer Klinik von Weltrang, war es nicht möglich, einen einzigen Mediziner aufzutreiben, der die Notoperation hätte durchführen können.
Schließlich rief die diensthabende Oberärztin den Chef der Chirurgie an, Ferdinand Mühlbacher, der zwar kein Gefäßexperte ist, jedoch für diesen Notfall ins AKH gekommen wäre. Allerdings: Er hätte erst anreisen müssen, weshalb beschlossen wurde, den Patienten ins Wiener Wilhelminenspital zu verlegen. Weitere lebenswichtige Minuten verstrichen, bis Harald L. um 23.20 Uhr abgeholt wurde.
Laggner sagt: „Er war leider alles andere als stabil, aber wir sahen keine andere Möglichkeit.“
Dass ein Patient in akuter Lebensgefahr im größten Krankenhaus Österreichs nicht versorgt werden kann, war tagelang Hauptgesprächsthema im AKH.
Ein Anästhesist erklärt: „Die Überlebenschance bei so einem Fall ist ohnehin gering. Es zählt jede Minute. Einen solchen Patienten noch weiter zu transferieren, kommt eigentlich einem Todesurteil gleich.“ Wie durch ein Wunder überlebte Harald L. den Transport, verstarb jedoch einige Tage später.
Noch schockierender ist nur noch die Tatsache, dass es sich nicht um ein tragisches Einzelschicksal handelte. Laut Chefchirurg Mühlbacher kommt es aufgrund der hohen Auslastung „mindestens zwei Mal pro Woche zu solch unglücklichen Konstellationen“. Auch die Akutfälle, die untertags eintreffen, könnten oft erst in der Nacht operiert werden, so Mühlbacher. „Neulich mussten wir sieben Operationen in die Nacht verschieben.“
Von chronischer Überlastung berichtet auch der Chirurg Andreas Salat: „Kürzlich operierte ein Kollege im Tagdienst zehn Stunden durch und war danach völlig am Ende. Zum Glück hatte er keinen Nachtdienst.“ Während früher die Chirurgie in der Nacht zu 80 Prozent ausgelastet war und Ruhepausen eingelegt werden konnten, würden die Kapazitäten nun völlig ausgereizt. Engpässe seien da vorprogrammiert.
profil liegen weitere Fälle und Arztberichte vor, die ein dramatisches Bild der österreichischen Notfallversorgung zeichnen – wobei das Wiener AKH am stärksten betroffen scheint. Eine mögliche Ursache benennt eine Studie des Österreichischen Bundesinstituts für Gesundheit. Demnach wird der Bedarf an Medizinern bis zum Jahr 2030 um 16 Prozent steigen. Die optimistischste Prognose geht davon aus, dass bis dahin bundesweit 3300 Arztstellen unbesetzt bleiben. Die pessimistischere Schätzung geht von 7700 fehlenden Ärzten bereits nach einer großen Pensionierungswelle im Jahr 2020 aus. Für junge Ärzte sei ein Arbeitsplatz in Österreich nicht mehr attraktiv genug, viele würden bereits ihren Turnus im Ausland machen. Vor allem auf den Westen Österreichs treffe dies zu, wie Ärztekammerpräsident Artur Wechselberger erklärt: „Viele wandern in die Schweiz oder nach Deutschland ab, da sie dort mehr verdienen.“ Doch bereits jetzt zeichnet sich in manchen medizinischen Bereichen ein eklatanter Ressourcenmangel ab. Die Wiener Berufsrettung sucht seit Längerem 20 Notärzte, das Landeskrankenhaus Feldkirch nach Unfallchirurgen. Die Kinder- und Jugendpsychiatrie wurde ohnehin bereits zum Mangelfach erklärt.
Was das Wiener AKH betrifft, führte eine Verkettung von strukturellen Änderungen zu der prekären aktuellen Situation ...
Todesfalle Krankenhaus II. Teil - Systemdiagnose: ausgeblutet
Spitäler, Teil 2. Die profil-Titelgeschichte über Todesfälle und Engpässe in der Akutmedizin zeitigte massive Proteste der AKH-Führung – und eine Welle des Zuspruchs vonseiten der Ärzte, die weitere Missstände aufzeigen: drastische Einsparungen, chronische Überforderung, unterversorgte Patienten. Systemdiagnose: ausgeblutet.
Dietmar Erlacher wirkt alles andere als schwer krank. Als von Medien ernannter Rauchsheriff kämpft der 64-jährige Tischlermeister, mit hunderten Sympathisanten, für ein absolutes Rauchverbot in Lokalen. Über 20.000 Anzeigen gegen Wirte, die sich nicht an die Gesetze halten, hat seine Initiative in den letzten fünf Jahren getätigt. Doch Erlacher muss seit einigen Monaten auch gegen einen Feind im eigenen Körper kämpfen: Ein vor über zehn Jahren erfolgreich therapierter Blasenkrebs setzt ihm neuerlich zu.
Als er nach all diesen Jahren wieder ins Allgemeine Krankenhaus Wien (AKH) zur Behandlung kam, fand er eine wesentlich schlechtere Betreuung vor, wie er sagt. Nicht nur, dass die seit Jahren geforderte psychotherapeutische Unterstützung für Krebspatienten auf etlichen Stationen noch immer nicht existierte: „Die Ärzte sind mittlerweile so überlastest, dass sie sich kaum mehr ausreichend mit ihren Patienten beschäftigen können. Auch wurde die Abteilung Komplementärmedizin gegen den Willen der absoluten Mehrheit der Krebspatienten quasi eingestellt. Somit treibt man Schwerstkranke in die Fänge von Scharlatanen.“ Erlacher ist auch als Obmann des Vereins und der Selbsthilfegruppen „Krebspatienten für Krebspatienten“ tätig. Da viele Betroffene ähnliche Beobachtungen machten, verfassten sie im vergangenen Oktober einen Brief, den sie an Entscheidungsträger, darunter Gesundheitsstadträtin Sonja Wehsely, schickten. Entsprechend reagiert sei darauf bis heute nicht worden. Die Krebspatienten orten den Grund für die Missstände vor allem in der Personalnot. In ihrem Schreiben halten sie unter anderem fest:„Professoren und Oberärzte sind schon lange zu Hilfsarbeitern degradiert, denn sie müssen selbst Patientenakten suchen sollen x-Sprachen können müssen selbst unsaubere Hilfsmittel vom Boden aufsammeln und stehen dadurch unter enormem Stress, was die Krebspatienten meist sehen und teils spüren, obwohl man trotzdem versucht, freundlich und aufklärend zu sein.“
Vielen Ärzten des AKH Wien spricht dieser Brief aus der Seele. Auf völliges Unverständnis stieß daher ein Schreiben, das Wolfgang Schütz, Rektor der Medizinischen Universität Wien, zusammen mit dem ärztlichen Direktor und zahlreichen Klinikchefs vergangenes Wochenende veröffentlichte. In dem offenen Brief an profil-Herausgeber Christian Rainer wird gegen die letztwöchigeprofil-Titelgeschichte „Totaufnahme“ (profil Nr. 8/2014) protestiert. Die darin aufgezeigten Engpässe in der Notfallversorgung mit speziellem Augenmerk auf das AKH sei eine „bewusst irreführende Darstellung“ und eine „Verunsicherung von Patienten“.
Überraschenderweise wurde der Brief auch von Klinikchefs unterzeichnet, die in der Titelgeschichte selbst die Zustände im AKH kritisierten, allerdings nicht in der ursprünglichen Fassung, sondern erst im Laufe der Woche. Rückschlüsse auf politischen und internen Druck sind zulässig. So hatte Chirurgie-Chef Mühlbacher bestätigt, dass durch die Engpässe ständig Akutoperationen verschoben werden müssen und es zwei Mal pro Woche zu „unglücklichen Konstellationen“ käme. Auch Anton Laggner, Chef der Notfallklinik, beklagte Überlastungen und meinte: „Wenn die Patienten noch mehr werden, schaffen wir es wirklich langsam nicht mehr.“
„Da waren wohl die Machtnetzwerke der MedUni aktiv"
Das Schreiben wurde weiters auch von dem Onkologiechef und stellvertretenden ärztlichen Direktor Christoph Zielinski unterzeichnet. Noch wenige Wochen davor hatte er jedoch selbst bei einer Pressekonferenz der Österreichischen Krebshilfe erklärt, dass die Journalnachtdienstreduktionen, die Schütz durchgesetzt hatte, schmerzhaft spürbar seien. Auch er habe immer wieder versucht, dagegen anzukämpfen, und unterstütze die Proteste. Warum all diese Klinikchefs nun dieses „Beschwichtigungsschreiben“ unterzeichneten, verblüfft viele Kollegen. „Da waren wohl wieder die Machtnetzwerke der Medizinischen Universität aktiv. Ich blicke da selbst nicht durch, obwohl ich schon seit Jahren hier bin“, erklärt ein Arzt gegenüber profil.
Ärgerlicher fand die Belegschaft das profil-Interview von Wolfgang Schütz, das ebenfalls im Rahmen dieser Berichterstattung erschienen war. Darin meinte der Rektor unter anderem, dass die Proteste der Ärzte gegen weitere Einsparungen „unehrlich“ seien, denn „in Wahrheit geht es ihnen um ihr Gehalt“.
Thomas Perkmann, Labormediziner und Betriebsrat des wissenschaftlichen Personals, kann seinen Zorn ob dieser Aussage kaum unterdrücken: „Der Einzige, der in diesem Artikel schlecht über uns Ärzte spricht, ist unser eigener Rektor, der uns Geldgier vorwirft.“ Tatsächlich liefen in der profil-Redaktion die Telefone heiß, und auch zahlreiche Mails von Ärzten trafen ein, die Perkmann beipflichten. Das Spektrum reichte dabei vom Klinik-leiter bis zum Turnusarzt. Entgegen den Beschwichtigungen ihrer Führungsriege berichten sie weitere Missstände und betonen alle vehement: Lange halten wir das alles nicht mehr durch. Den Brief von Schütz und seinen Kollegen fand auch Gynäkologie-Chef Peter Husslein unfassbar: „Ich verstehe überhaupt nicht, warum man die Wahrheit nicht aussprechen kann. Ohne zusätzliche Ressourcen wird das System zusammenbrechen.“
Thomas Szekeres, Labormediziner und Humangenetiker, empfindet die Aussagen des Rektors ebenfalls als Affront: „Er tut so, als seien die gestrichenen Nachtdienste völlig überflüssig gewesen. Glaubt er, wir hätten nur Däumchen gedreht?“ Genau das Gegenteil sei der Fall. Durch vermehrte Rettungswagenanfahrten, steigende Patientenzahlen bei geringerer Liegezeit und die immer aufwendigere Dokumentationspflicht sei die Belastung ohnehin fast unerträglich geworden. „Da auch immer mehr Hilfskräfte eingespart wurden, muss das Pflegepersonal deren Aufgaben zusehends übernehmen, während wir Ärzte wiederum die Tätigkeiten der Schwestern und Pfleger ausüben müssen“, sagt Szekeres. Zusätzlich wären sogar noch ärztliche Stellen in administrative Posten umgewidmet worden. Trotzdem mangelt es an Personal, das bei der Schreibarbeit hilft.
Ein ärztlicher Abteilungsleiter, der anonym bleiben möchte, pflichtet ihm bei: „Viele Patienten beschweren sich über die langen Wartezeiten. Ich verstehe das. Sie sehen jedoch nicht, wie unterbesetzt wir sind und unter welchem Druck wir stehen.“ Alleine die Beantwortung der Beschwerden hält auf.
Als regelrecht „kränkend“ empfindet der chirurgische Oberarzt Anton Stift die Statements des Rektors. „Ich führe mehr als 300 Operationen jährlich durch. Jeder dieser Patienten begleitet mich in meinen Gedanken, bis er hoffentlich gesund das Haus wieder verlassen kann“, erklärt Stift. Sein Nettostundenlohn betrage durchschnittlich 20 Euro, Überstunden – von denen er alleine im vergangenen Jahr 1000 ansammelte – werden mit 15 Euro abgegolten. „Und ich darf in dieser Zeit Patienten mit perforierten Gedärmen, Lebern, Speiseröhren und akuten Blutungen behandeln. Ich frage mich, wo auf diesem Globus man sich sonst noch eine Niere operieren lassen kann – und für den Chirurgen 30 Euro netto herausspringen“, schreibt Stift.
profil vorliegende Gehaltsschlüssel belegen, dass das Salär der „Götter in Weiß“ tatsächlich bescheiden ist. So kommt ein frischgebackener Arzt auf ein Grundgehalt von 1900 Euro netto exklusive Nachtdienste. Ein Klinikchef verdient die verhältnismäßig geringe Summe von knapp über 4000 Euro netto im Monat – manche deutsche Kollegen bekommen das Dreifache. Der Grund für das geringe Nettogehalt liegt unter anderem in der hohen Kammerumlage, die jeder Arzt bezahlen muss. Der Pensionsfonds der Wiener Ärztekammer war Anfang der 1990er-Jahre sogar pleite. Der Kredit, der damals aufgenommen werden musste, wurde gleichsam den Ärzten weiterverrechnet.
„Vor allem in Wien klagen viele Turnusärzte"
Husslein möchte sich jedoch nicht an einer „Neiddebatte“ um das Gehalt beteiligen, sondern lieber auf ein ganz anderes Problem hinweisen: „Die jungen Ärzte und Ärztinnen werden als Systemerhalter missbraucht und unter anderem deshalb zu wenig ausgebildet.“ Untermauert wird seine Aussage durch eine aktuelle Umfrage unter Fachärzten in Ausbildung, die mit ihrer Situation alles andere als zufrieden sind: So klagen etwa 80 Prozent der Befragten über zu wenig Personal angesichts der Patientenzahlen.
„Der Turnus ist in Österreich unbeliebt“, erklärt Ursula Traunfellner, Obfrau der Wiener Turnusärztekonferenz, und weiters: „Vor allem in Wien klagen viele Turnusärzte über sogenannte Stehzeiten, die ihren Abschluss oft lange hinauszögern. Das heißt, dass sie die nötige Fächerrotation nicht abschließen können und in Abteilungen festsitzen, die sie für ihre Ausbildung nicht mehr benötigen. Aufgrund dieser schlechten Erfahrung wird der Beruf des Spitalsarztes noch unattraktiver.“
Zwei Turnusärztinnen, die ihre Facharztausbildung im AKH abbrachen und nach Dänemark gingen, bemängeln gegenüber profil die schlechte Ausbildungsqualität: „Wir haben eigentlich nur die Arbeit von Krankenschwestern gemacht, wie Blutabnehmen.“ Für eine weitere Ärztin, die ihren Turnus gerade abgeschlossen hat, stellen die Stehzeiten eine „reine Ausbeutung“ dar. Gelehrt werde kaum etwas, dafür würden die „billigen“ Turnusärzte die Patientenversorgung aufrechterhalten. profil gegenüber legt die junge Frau eine Art Geständnis ab: „Wir sind Ärzte geworden, weil wir Menschen helfen wollten. Aber irgendwann waren wir so ausgelaugt, dass wir kein Verständnis mehr für deren Leid hatten. Wir sind sogar so sadistisch geworden, dass wir als Rache besonders fordernden Patienten extra dicke Nadeln in die dünnsten Venen gestochen haben.“ Sie selbst sei nach kurzer Zeit ausgebrannt gewesen, schlitterte in eine Depression und musste deshalb ihren Turnus unterbrechen.
Die Ärztekammer beklagt seit Jahren die Situation der Jungärzte und befürchtet einen baldigen Ärztemangel, den wohl auch die neue Medizinische Universität in Linz nicht lösen wird (siehe Artikel hier).
Durch die permanente Überforderung stoße jeder an seine Grenzen, ist auch ein AKH-Notarzt überzeugt: „Die Belastung ist hier vor allem im Nachtdienst enorm. Mindestens einmal im Monat arbeite ich 25 Stunden ohne Unterbrechung durch.“ Und wenn es zu Schlafpausen kommt, dann nur zu sehr kurzen von etwa einer halben Stunde. Doch auch ein halbwegs „normaler“ Nachtdienst würde noch zwei Tage lang körperlich und psychisch nachwirken. „Die jüngeren sind demotiviert und sehen keine Perspektiven, die Älteren wissen nicht, wie sie die Dienste mit steigendem Alter durchstehen sollen“, erklärt der Notarzt.
Die Engpässe, die profil bereits in der letzten Ausgabe beschrieb, kann der Notarzt ebenfalls bestätigen. „Ich hatte auch schon einmal einen Patienten mit einem lebensbedrohlichen Aortenaneurysma, und kein Gefäßchirurg war im Haus. Erst in St. Pölten wäre das nächste freie Bett gewesen, wir hätten ihn dorthin fliegen müssen.“ In letzter Minute konnte in diesem Fall noch ein Gefäßchirurg gefunden werden.
Die profil-Berichterstattung nahmen auch zwei Chirurgen zum Anlass, anhand des Dienstrades auszurechnen, wie oft es alleine in diesem Monat zu chirurgischen Engpässen kommen könnte. Das Ergebnis: An 18 Tagen im Februar sei nachts nur ein Gefäßchirurg im AKH anwesend. Brenzlige Situationen seien damit vorprogrammiert, da in ganz Ostösterreich in der Nacht nur noch im AKH und im Wiener Wilhelminenspital gefäßchirurgische Abteilungen besetzt seien. Nur an sechs Tagen im Februar würde der ideale Fall eintreten, dass in den Nachtstunden zwei gefäßchirurgische Oberärzte im Dienst seien.
Auch andere Mediziner meldeten profil Missstände. Ein Psychiater berichtet: „Es ist eine Schande, wie die Psychiatrie ausgerechnet in Sigmund Freuds Heimatstadt Wien heruntergewirtschaftet wurde.“ So gibt es seit einem Jahr keine ADHS-Spezialambulanz, die Schlafdiagnostik ist nur noch extrem eingeschränkt möglich, das Sucht- und Drogenzentrum darf nur noch drei Mal wöchentlich Patienten betreuen. Jüngst fiel jedoch auch noch der mobile psychiatrische Dienst weg, weshalb nun kein Psychiater mehr Patienten auf Stationen und Ambulanzen aufsuchen kann. Notfälle könnten oft nur noch telefonisch abgeklärt werden. „Tobende Patienten müssen nun mitunter ans Bett gefesselt werden, bis sie endlich an unsere Klinik überwiesen werden können. So fallen wir langsam zurück in mittelalterliche Behandlungsweisen“, warnt der Psychiater. Die Klinik für Strahlentherapie wiederum musste bereits letzten Juli aus Mangel an Ressourcen für zwei Wochen geschlossen werden und veranlasste einen Patientenstopp.
Freilich meldeten sich Patienten oder deren Angehörige nicht nur aus Wien, sondern aus ganz Österreich bei profil und beklagten Missstände in der Behandlung von Akutpatienten. So musste der 80-jährige Salzburger Landwirt Hermann F. nach zwei Schlaganfällen so lange auf einen Termin für eine Magnetresonanztomografie und ein freies Bett in einer Salzburger neurologischen Abteilung warten, bis er einen dritten Schlaganfall erlitt – dann wurde er allerdings sofort behandelt.
Die Begründung der Verantwortlichen, warum der Mann nicht gleich behandelt wurde: Er wäre bereits nach seinen ersten beiden Schlaganfällen als Akutpatient aufgenommen worden, hätte jedoch einen Revers unterschrieben. Seine Tochter Christiane F. verteidigt ihn: „Mein Vater hört sehr schlecht und hat einfach nicht verstanden, wie kritisch sein Zustand ist. Er wollte nur nach Hause gehen und seine Sachen packen. Das kann man ihm doch nicht zum Vorwurf machen.“
Einen bedenklichen Fall schildert auch die Wiener Gynäkologin Brigitte Benesch. Sie schickte eine 54-jährige Patientin mit Verdacht auf eine Lungenembolie in die Notfallambulanz des AKH. Als die Gynäkologin später anrief und sich nach der Patientin erkundigte, fragte sie auch, welches Ergebnis das Herzecho gezeigt hätte. Dieses wird normalerweise bei Lungenembolien routinemäßig durchgeführt, da bei solchen Patienten auch das Herzinfarktrisiko hoch ist. Ein solches wurde jedoch nicht gemacht, die Patientin an einen niedergelassenen Arzt verwiesen. Man könne sich hier in der Notfallambulanz nur um die Erstdiagnose kümmern. Benesch ist erschüttert über diese Methodik: „Hätte man bei dieser Patientin als Erstes einen Fußpilz gefunden, wäre dann nur dieser behandelt und sie mit der lebensbedrohlichen Pulmonalembolie nach Hause geschickt worden?“
Würde sich die Gynäkologin Aussagen der dort Arbeitenden anhören, hätte sie vielleicht mehr Verständnis für derartige Vorgehensweisen. Ein Notarzt zu profil: „Das einzige Positive an einem Job im AKH ist, dass dir der Blick auf dieses hässliche Gebäude erspart bleibt.“
Infobox
Chronische Leiden
Das profil und das AKH: über eine lange und wechselvolle Beziehung.
Noch vor der Fertigstellung sorgte das AKH für einen der größten Skandale der Zweiten Republik. Veranschlagt wurde das Anfang der 1970er-Jahre begonnene Projekt mit einer Milliarde Schilling. Tatsächlich kostete es rekordverdächtige 45 Milliarden Schilling (3,3 Milliarden Euro). Der damalige profil-Redakteur Alfred Worm bekam ab 1975 Beweise zugespielt, die belegten, dass Beamte von Unternehmen Schmiergeldzahlungen erhalten hatten. Als Hauptschuldiger entpuppte sich Adolf Winter, der technische Direktor des Krankenhauses. Er hatte fast 40 Millionen Schilling auf ein Konto nach Liechtenstein verfrachtet. Der damalige Finanzminister Hannes Androsch war an einer Beratungsfirma beteiligt, die am AKH-Bau mitverdiente.
Justizminister Christian Broda wiederum wies die Staatsanwaltschaft an, auf Hausdurchsuchungen und Kontoöffnungen der Verdächtigen zu verzichten – was die Untersuchungsrichterin und spätere FPÖ-Nationalratsabgeordnete Helene Partik-Pablé ignorierte. So konnte den Verantwortlichen der Prozess gemacht werden. Worm wurde als AKH-Aufdecker berühmt und schrieb 18 Titelgeschichten über die Causa.
Fragwürdige Auftragsverfahren rund um das AKH sorgten auch später für Medienwirbel. So beklagte 2010 eine Reinigungsfirma, bei Vergaben grob benachteiligt und unter Druck gesetzt worden zu sein. Auch ein Personaldienstleister monierte, dass sein Vertrag nach langer und reibungsloser Zusammenarbeit mit dem AKH gekündigt wurde. Der Druckereibesitzer Alfred Novotny erhob ebenfalls in profil Vorwürfe gegen das AKH und beschuldigte den ärztlichen Direktor Reinhard Krepler. In einem Schreiben hieß es, dass „aufgrund einer persönlichen und unsachlichen Intervention des ärztlichen Leiters des AKH“ plötzlich für dieselbe Leistung „60.000 bis 80.000 Euro mehr“ pro Jahr bezahlt werden müssten. Krepler bestritt die Vorwürfe und meinte, dass die Zuschläge vergaberechtskonform erfolgt seien.
Zwei Jahre später der nächste Skandal: Das Wissenschaftsministerium beauftragte den Wirtschaftsprüfer Deloitte mit einer Untersuchung, weil es zu drastischen Verzögerungen und Kostenexplosionen bei der Implementierung des 36 Millionen Euro teuren IT-Systems AKIM gekommen war. Im Endbericht wurde das Versagen am AKH-Management festgemacht. Die Ursachen für die Probleme lägen daran, dass „so ein komplexes Projekt ohne eine adäquate Organisations- und Controllingstruktur“ abgewickelt worden sei. Der ärztliche Direktor des AKH, Reinhard Krepler, mied seither weitgehend die Öffentlichkeit. Ein erstes Lebenszeichen seit Langem erhielt die Belegschaft erst durch seine Unterzeichnung des offenen Briefs, den er gemeinsam mit Med-Uni-Rektor Wolfgang Schütz und anderen als Reaktion auf die letztwöchige profil-Titelgeschichte paraphierte. Ob die in der Coverstory beschriebenen Engpässe der letzte Skandal sind, der das AKH erschüttern wird, sei dahingestellt. In den nächsten fünf Jahren muss mit der Generalsanierung des Gebäudes begonnen werden. Sie ist mit 1,5 Milliarden Euro veranschlagt.
(Wien, 16-02.2014) Aufgrund des in der Ausgabe vom 17. Februar 2014 erscheinenden Artikels "Totaufnahme" wehren sich die Spitzen der MedUni Wien und des AKH Wien in einem gemeinsamen offenen Brief an "profil"-Herausgeber und Chefredakteur Christian Rainer sowie alle Mitglieder der "profil"-Chefredaktion gegen die ihrer Ansicht nach darin enthaltene, bewusst irreführende Darstellung und die damit verbundene Verunsicherung von Patientinnen und Patienten.
Sehr geehrte Mitglieder der "profil"-Chefredaktion,
als Ärzte der MedUni Wien und des AKH Wien verwehren wir uns entschieden gegen den in der heutigen Ausgabe erschienenen Artikel "Totaufnahme" und die unserer Ansicht nach darin enthaltene einseitige und unsachliche Darstellung, die jeglicher journalistischen Sorgfaltspflicht fundamental widerspricht.
Ein kritischer Diskurs mit den Medien ist uns eine Selbstverständlichkeit, aber in diesem Artikel werden vielfach Fakten aus dem Zusammenhang gerissen oder bewusst einseitig interpretiert, zutiefst subjektive Wahrnehmungen als objektive Fakten dargestellt und Statistiken zu Fallzahlen in den Ambulanzen wider besseren Wissens irreführend aufbereitet. Der Artikel erzeugt so ganz bewusst den Eindruck, Patientinnen und Patienten des AKH Wien oder der Wiener Gemeindespitäler kämen aufgrund von organisatorischen Missständen oder systematischen Einsparungen zu Schaden. Unserem Verantwortungsbewusstsein als Ärzten widerspricht es, dass das Schicksal von Menschen, denen trotz bester spitzenmedizinischer Versorgung aufgrund eines schicksalshaften Krankheitsverlaufes nicht geholfen werden konnte für eine Boulevardberichterstattung instrumentalisiert wird.
Insgesamt wird durch den Artikel gezielt eine scheinbare Kausalität zwischen medizinischen Einzelfällen und organisatorischen Änderungen konstruiert. Unter anderem ist aber der im Artikel explizit hergestellte Zusammenhang zwischen angeblichen organisatorischen Mängeln und einer neuen Betriebsvereinbarung der MedUni zum Arbeitszeitgesetz falsch. Obwohl zwischen den Unterzeichnern dieses Briefes teilweise unterschiedliche Sichtweisen zu Teilen der Betriebsvereinbarung bestehen, ist es gemeinsame Meinung, dass der im Artikel geschilderte Zustand des AKH nicht den Tatsachen entspricht.
Das AKH Wien mit seinen jährlich rund 100.000 stationären Patientinnen und Patienten und 1,2 Mio. ambulanten Besuchen ist eine wesentliche Säule der medizinischen Versorgung in diesem Land und gemeinsam mit der Medizinischen Universität Wien eine Visitkarte für den Wissenschaftsstandort Österreich. Gemeinsam mit unseren engagierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern ist es Anspruch und Selbstverständnis von MedUni Wien und AKH Wien, täglich sowohl die Versorgung von Patientinnen und Patienten als auch Forschung und Lehre auf Spitzenniveau zu gewährleisten.
Wir treten daher der in dieser Form einzigartigen reißerischen Berichterstattung und der damit verbundenen Rufschädigung des AKH Wien entschieden entgegen - im Interesse unserer Kolleginnen und Kollegen, aber auch zum Wohle unserer Patientinnen und Patienten, die durch die einseitige und tendenzielle Berichterstattung massiv verunsichert werden.
Unterzeichner:
Reinhard Krepler, Ärztlicher Direktor des AKH Wien und Mitglied des Lenkungsausschusses des Projekts Universitätsmedizin Wien 2020
Wolfgang Schütz, Rektor der Medizinischen Universität Wien und Mitglied des Lenkungsausschusses des Projekts Universitätsmedizin Wien 2020
Eduard Auff, Leiter der Universitätsklinik für Neurologie und Teilprojektleiter Medizinischer Masterplan des Projekts Universitätsmedizin Wien 2020
Michael Gnant, stv. Leiter der Universitätsklinik für Chirurgie und Mitglied des Lenkungsausschusses des Projekts Universitätsmedizin Wien 2020
Jörg Michael Hiesmayr, Leiter der Klinischen Abteilung für Herz-Thorax-Gefäßchirurgische Anästhesie und Intensivmedizin und Curriculumdirektor für Universitätslehrgänge
Ihor Huk, Stellvertretender Leiter der Klinischen Abteilung für Gefäßchirurgie der
Universitätsklinik für Chirurgie
Raimund Jakesz, Leiter der Klinischen Abteilung für Allgemeine Chirurgie der Universitätsklinik für Chirurgie
Siegfried Kasper, Leiter der Universitätsklinik für Psychiatrie und Psychotherapie
Walter Klepetko, Leiter der klinischen Abteilung für Thoraxchirurgie an der Universitätsklinik für Chirurgie
Engelbert Knosp, Leiter der Universitätsklinik für Neurochirurgie
Anton Laggner, Leiter der Universitätsklinik für Notfallmedizin
Günther Laufer, Leiter der Klinischen Abteilung für Herzchirurgie an der Universitätsklinik für Chirurgie
Klaus Markstaller, Leiter der Universitätsklinik für Anästhesie, Allgemeine Intensivmedizin und Schmerztherapie
Gerald Maurer, Leiter der Klinischen Abteilung für Kardiologie der Universitätsklinik für Innere Medizin II
Ferdinand Mühlbacher, Leiter der Universitätsklinik für Chirurgie
Markus Müller, Leiter der Universitätsklinik für Klinische Pharmakologie und Vizerektor für Forschung der MedUni Wien
Hubert Pehamberger, Leiter der Universitätsklinik für Dermatologie und Teilprojektleiter des Projekts Universitätsmedizin Wien 2020
Arnold Pollak, Leiter der Universitätsklinik für Kinder- und Jugendheilkunde
Shahrokh Shariat, Leiter der Universitätsklinik für Urologie
Josef Smolen, Leiter der Klinischen Abteilung für Rheumatologie der Universitätsklinik für Innere Medizin III
Oswald Wagner, Leiter des Klinischen Instituts für Labormedizin und Vorsitzender des Senats der MedUni Wien
Johannes Wancata, Leiter der Klinischen Abteilung für Sozialpsychiatrie an der Universitätsklinik für Psychiatrie und Psychotherapie
Reinhard Windhager, Leiter der Universitätsklinik für Orthopädie
Christoph Zielinski, Leiter der Universitätsklinik für Innere Medizin I und stellvertretender Ärztlicher Direktor des AKH Wien
Ich bin gerade aus dem AKH entlassen worden. Aufgenommen wurde ich am 4.4, entlassen am 29.4, nach einer Herzoperation am 22.4. Also nach einer Wartezeit von 16 Tagen.
Nicht nur mir ging es so, auch anderen Patienten erging es nicht anders. Da wurden Patienten abgeholt zur Operation, nach 1 Stunde wurden sie wieder zurückgebracht. So ging es fast täglich. Die erste Woche war ich noch im Spital, die zweite Woche ging ich dann immer auf Ausgang, so sah ich kaum einen Arzt. Ich wurde ja auch nicht behandelt.
Meine Nichte hat sich dann beschwert:
Sehr geehrter Herr Minister Stöger,
sehr geehrte Damen und Herren!
Betrifft: Zustand Herzchirurgie AKH Wien!!!!!!!!!!!!!!
Da sich mein Onkel seit Wochen!!! wegen einer lebensnotwendigen Herzoperation
im AKH Wien auf einer WARTELISTE?????!!! befindet, täglich vertröstet wird, stellt sich mir die Frage ob es für Sie , sehr geehrter Herr Minister, vertretbar ist, dass man notwendige Personalmittelkürzungen vernantworten kann??
Lt. telefonischer Auskunft von heute 17.4.2014 von Hr. Dr. Laufer (Herzchirurgie) befindet man sich offensichtlich im AKH Wien in einer aussichtslosen Lage, respektive Kampf gegen Sparmaßnahmen der Politik.
Es kann doch nicht sein, dass man auf eine Operation am Herzen, die unbedingt erforderlich ist dermaßen lange Wartezeiten in kauf nehmen muss.
Wie würde es Ihnen gefallen wenn sie eine solche lebensnotwendige Operation benötigen und seit Wochen nicht drankommen können, da Personalmiesstände auftreten, Bettensperre herrscht und keine Schwestern zur Verfügung stehen.
Eine Stellungnahme Ihrerseits wäre wünschenswert: SKANDAL IM AKH WIEN - Patient musste zu lange auf Herz-OP warten - TOT !!!
Von den Ärzten wurde den Patienten gesagt, dass das ganze Problem nicht im AKH liegen würde, sondern von der Gesundheitsstadträtin Sonja Wehsely ausgehen würde, denn diese hat die Intensivbetten kontengiert und operiert kann nur werden, wenn auch ein Intensivbett zur Verfügung stehen würde. Weiters wurde kolportiert, dass die Herzchirurgie sehr viel mehr Patienten operieren könnte, aber es gibt eben keine Intensivbetten.
Ich weiß nicht was stimmt, aber wer Sonja Wehsely kennt, der kann es sich schon vorstellen, dass sie mit unseren Leben spielt. Mit ihrer Intelligenz ist es auch nicht gerade weit her, denn ein Tag im AKH kosten mehr als 1000.- Euro. So habe ich 16.000.- Euro gekostet ohne das etwas geschehen wäre. Wie viele Tage hätte ich da in der Intensivstation bleiben können? Wehsely weiß es nicht. Der Spardruck ist nachvollziehbar und die Ärzte sind nur Vasallen auf deren Rücken sich die Politik, die SPÖ, Häupl, Wehsely abreagieren.
Todesfalle Krankenhaus: Gefährdet steigender Spardruck die Notfallmedizin?
profil dokumentiert dramatische Todesfälle in den Spitälern. Ist die Notfallversorgung wegen Geldmangels gefährdet? Oder war die Situation früher nicht anders? Für Patienten in einer medizinischen Akutlage sind beide Szenarien nicht sonderlich beruhigend.
Am 3. Jänner wollte der 62-jährige Wiener Harald L. seinen alten Fernseher in den Keller tragen. Er hatte zu Weihnachten ein neues Flachbildgerät bekommen und der klobige Vorgänger sollte endlich entsorgt werden. Plötzlich fühlte er einen stechenden Schmerz in der Brust, und das Atmen fiel ihm schwer. Als die Symptome nicht abklangen, bestand seine Frau darauf, den Notarzt zu rufen. Dieser hatte sofort den Verdacht auf ein sogenanntes rupturiertes Aortenaneurysma – eine lebensbedrohliche Diagnose. Harald L. wurde um 22.15 Uhr an diesem Freitag in die Notfallambulanz des Allgemeinen Krankenhaues Wien gebracht. Klinikleiter Anton Laggner kann sich genau an den Fall erinnern: „Die Gattin des Patienten ist Krankenschwester, die hier arbeitet, und sie wollte, dass ihr Mann zu uns gebracht wird. Alle Mitarbeiter haben ihr Möglichstes gegeben.“
Doch kaum war der Krankenwagen mit Herrn L. eingetroffen, erhielt die Abteilung eine schlimme Nachricht: Der einzige Gefäßchirurg, der die Notoperation hätte durchführen können, war zum Zweck einer Organentnahme in Amstetten. profil liegt ein Gedächtnisprotokoll der diensthabenden Oberärztin vor, das belegt, wie verzweifelt sie nach einem verfügbaren Gefäßchirurgen suchte.
Erstes Telefonat um 22.18 Uhr, der Professor war „nicht erreichbar, keine Nachricht möglich“.
Zweiter Anruf um 22.20 Uhr, Arzt „erreicht, ist aber derzeit in München“.
Dritter Versuch 22.24 Uhr: „Nicht erreicht, Nachricht hinterlassen und SMS.“
Nummer vier, 22.27 Uhr: „Nachricht per SMS geschickt.“
Dann, um 22.29 Uhr: „Erreicht, kann nicht kommen (Kind).“
Schließlich, 22.31 Uhr: „Nicht erreicht, Nachricht hinterlassen.“
Im AKH, Österreichs größtem Spital, einer Klinik von Weltrang, war es nicht möglich, einen einzigen Mediziner aufzutreiben, der die Notoperation hätte durchführen können.
Schließlich rief die diensthabende Oberärztin den Chef der Chirurgie an, Ferdinand Mühlbacher, der zwar kein Gefäßexperte ist, jedoch für diesen Notfall ins AKH gekommen wäre. Allerdings: Er hätte erst anreisen müssen, weshalb beschlossen wurde, den Patienten ins Wiener Wilhelminenspital zu verlegen. Weitere lebenswichtige Minuten verstrichen, bis Harald L. um 23.20 Uhr abgeholt wurde.
Laggner sagt: „Er war leider alles andere als stabil, aber wir sahen keine andere Möglichkeit.“
Dass ein Patient in akuter Lebensgefahr im größten Krankenhaus Österreichs nicht versorgt werden kann, war tagelang Hauptgesprächsthema im AKH.
Ein Anästhesist erklärt: „Die Überlebenschance bei so einem Fall ist ohnehin gering. Es zählt jede Minute. Einen solchen Patienten noch weiter zu transferieren, kommt eigentlich einem Todesurteil gleich.“ Wie durch ein Wunder überlebte Harald L. den Transport, verstarb jedoch einige Tage später.
Noch schockierender ist nur noch die Tatsache, dass es sich nicht um ein tragisches Einzelschicksal handelte. Laut Chefchirurg Mühlbacher kommt es aufgrund der hohen Auslastung „mindestens zwei Mal pro Woche zu solch unglücklichen Konstellationen“. Auch die Akutfälle, die untertags eintreffen, könnten oft erst in der Nacht operiert werden, so Mühlbacher. „Neulich mussten wir sieben Operationen in die Nacht verschieben.“
Von chronischer Überlastung berichtet auch der Chirurg Andreas Salat: „Kürzlich operierte ein Kollege im Tagdienst zehn Stunden durch und war danach völlig am Ende. Zum Glück hatte er keinen Nachtdienst.“ Während früher die Chirurgie in der Nacht zu 80 Prozent ausgelastet war und Ruhepausen eingelegt werden konnten, würden die Kapazitäten nun völlig ausgereizt. Engpässe seien da vorprogrammiert.
profil liegen weitere Fälle und Arztberichte vor, die ein dramatisches Bild der österreichischen Notfallversorgung zeichnen – wobei das Wiener AKH am stärksten betroffen scheint. Eine mögliche Ursache benennt eine Studie des Österreichischen Bundesinstituts für Gesundheit. Demnach wird der Bedarf an Medizinern bis zum Jahr 2030 um 16 Prozent steigen. Die optimistischste Prognose geht davon aus, dass bis dahin bundesweit 3300 Arztstellen unbesetzt bleiben. Die pessimistischere Schätzung geht von 7700 fehlenden Ärzten bereits nach einer großen Pensionierungswelle im Jahr 2020 aus. Für junge Ärzte sei ein Arbeitsplatz in Österreich nicht mehr attraktiv genug, viele würden bereits ihren Turnus im Ausland machen. Vor allem auf den Westen Österreichs treffe dies zu, wie Ärztekammerpräsident Artur Wechselberger erklärt: „Viele wandern in die Schweiz oder nach Deutschland ab, da sie dort mehr verdienen.“ Doch bereits jetzt zeichnet sich in manchen medizinischen Bereichen ein eklatanter Ressourcenmangel ab. Die Wiener Berufsrettung sucht seit Längerem 20 Notärzte, das Landeskrankenhaus Feldkirch nach Unfallchirurgen. Die Kinder- und Jugendpsychiatrie wurde ohnehin bereits zum Mangelfach erklärt.
Was das Wiener AKH betrifft, führte eine Verkettung von strukturellen Änderungen zu der prekären aktuellen Situation ...
Todesfalle Krankenhaus II. Teil - Systemdiagnose: ausgeblutet
Spitäler, Teil 2. Die profil-Titelgeschichte über Todesfälle und Engpässe in der Akutmedizin zeitigte massive Proteste der AKH-Führung – und eine Welle des Zuspruchs vonseiten der Ärzte, die weitere Missstände aufzeigen: drastische Einsparungen, chronische Überforderung, unterversorgte Patienten. Systemdiagnose: ausgeblutet.
Dietmar Erlacher wirkt alles andere als schwer krank. Als von Medien ernannter Rauchsheriff kämpft der 64-jährige Tischlermeister, mit hunderten Sympathisanten, für ein absolutes Rauchverbot in Lokalen. Über 20.000 Anzeigen gegen Wirte, die sich nicht an die Gesetze halten, hat seine Initiative in den letzten fünf Jahren getätigt. Doch Erlacher muss seit einigen Monaten auch gegen einen Feind im eigenen Körper kämpfen: Ein vor über zehn Jahren erfolgreich therapierter Blasenkrebs setzt ihm neuerlich zu.
Als er nach all diesen Jahren wieder ins Allgemeine Krankenhaus Wien (AKH) zur Behandlung kam, fand er eine wesentlich schlechtere Betreuung vor, wie er sagt. Nicht nur, dass die seit Jahren geforderte psychotherapeutische Unterstützung für Krebspatienten auf etlichen Stationen noch immer nicht existierte: „Die Ärzte sind mittlerweile so überlastest, dass sie sich kaum mehr ausreichend mit ihren Patienten beschäftigen können. Auch wurde die Abteilung Komplementärmedizin gegen den Willen der absoluten Mehrheit der Krebspatienten quasi eingestellt. Somit treibt man Schwerstkranke in die Fänge von Scharlatanen.“ Erlacher ist auch als Obmann des Vereins und der Selbsthilfegruppen „Krebspatienten für Krebspatienten“ tätig. Da viele Betroffene ähnliche Beobachtungen machten, verfassten sie im vergangenen Oktober einen Brief, den sie an Entscheidungsträger, darunter Gesundheitsstadträtin Sonja Wehsely, schickten. Entsprechend reagiert sei darauf bis heute nicht worden. Die Krebspatienten orten den Grund für die Missstände vor allem in der Personalnot. In ihrem Schreiben halten sie unter anderem fest:„Professoren und Oberärzte sind schon lange zu Hilfsarbeitern degradiert, denn sie müssen selbst Patientenakten suchen sollen x-Sprachen können müssen selbst unsaubere Hilfsmittel vom Boden aufsammeln und stehen dadurch unter enormem Stress, was die Krebspatienten meist sehen und teils spüren, obwohl man trotzdem versucht, freundlich und aufklärend zu sein.“
Vielen Ärzten des AKH Wien spricht dieser Brief aus der Seele. Auf völliges Unverständnis stieß daher ein Schreiben, das Wolfgang Schütz, Rektor der Medizinischen Universität Wien, zusammen mit dem ärztlichen Direktor und zahlreichen Klinikchefs vergangenes Wochenende veröffentlichte. In dem offenen Brief an profil-Herausgeber Christian Rainer wird gegen die letztwöchigeprofil-Titelgeschichte „Totaufnahme“ (profil Nr. 8/2014) protestiert. Die darin aufgezeigten Engpässe in der Notfallversorgung mit speziellem Augenmerk auf das AKH sei eine „bewusst irreführende Darstellung“ und eine „Verunsicherung von Patienten“.
Überraschenderweise wurde der Brief auch von Klinikchefs unterzeichnet, die in der Titelgeschichte selbst die Zustände im AKH kritisierten, allerdings nicht in der ursprünglichen Fassung, sondern erst im Laufe der Woche. Rückschlüsse auf politischen und internen Druck sind zulässig. So hatte Chirurgie-Chef Mühlbacher bestätigt, dass durch die Engpässe ständig Akutoperationen verschoben werden müssen und es zwei Mal pro Woche zu „unglücklichen Konstellationen“ käme. Auch Anton Laggner, Chef der Notfallklinik, beklagte Überlastungen und meinte: „Wenn die Patienten noch mehr werden, schaffen wir es wirklich langsam nicht mehr.“
„Da waren wohl die Machtnetzwerke der MedUni aktiv"
Das Schreiben wurde weiters auch von dem Onkologiechef und stellvertretenden ärztlichen Direktor Christoph Zielinski unterzeichnet. Noch wenige Wochen davor hatte er jedoch selbst bei einer Pressekonferenz der Österreichischen Krebshilfe erklärt, dass die Journalnachtdienstreduktionen, die Schütz durchgesetzt hatte, schmerzhaft spürbar seien. Auch er habe immer wieder versucht, dagegen anzukämpfen, und unterstütze die Proteste. Warum all diese Klinikchefs nun dieses „Beschwichtigungsschreiben“ unterzeichneten, verblüfft viele Kollegen. „Da waren wohl wieder die Machtnetzwerke der Medizinischen Universität aktiv. Ich blicke da selbst nicht durch, obwohl ich schon seit Jahren hier bin“, erklärt ein Arzt gegenüber profil.
Ärgerlicher fand die Belegschaft das profil-Interview von Wolfgang Schütz, das ebenfalls im Rahmen dieser Berichterstattung erschienen war. Darin meinte der Rektor unter anderem, dass die Proteste der Ärzte gegen weitere Einsparungen „unehrlich“ seien, denn „in Wahrheit geht es ihnen um ihr Gehalt“.
Thomas Perkmann, Labormediziner und Betriebsrat des wissenschaftlichen Personals, kann seinen Zorn ob dieser Aussage kaum unterdrücken: „Der Einzige, der in diesem Artikel schlecht über uns Ärzte spricht, ist unser eigener Rektor, der uns Geldgier vorwirft.“ Tatsächlich liefen in der profil-Redaktion die Telefone heiß, und auch zahlreiche Mails von Ärzten trafen ein, die Perkmann beipflichten. Das Spektrum reichte dabei vom Klinik-leiter bis zum Turnusarzt. Entgegen den Beschwichtigungen ihrer Führungsriege berichten sie weitere Missstände und betonen alle vehement: Lange halten wir das alles nicht mehr durch. Den Brief von Schütz und seinen Kollegen fand auch Gynäkologie-Chef Peter Husslein unfassbar: „Ich verstehe überhaupt nicht, warum man die Wahrheit nicht aussprechen kann. Ohne zusätzliche Ressourcen wird das System zusammenbrechen.“
Thomas Szekeres, Labormediziner und Humangenetiker, empfindet die Aussagen des Rektors ebenfalls als Affront: „Er tut so, als seien die gestrichenen Nachtdienste völlig überflüssig gewesen. Glaubt er, wir hätten nur Däumchen gedreht?“ Genau das Gegenteil sei der Fall. Durch vermehrte Rettungswagenanfahrten, steigende Patientenzahlen bei geringerer Liegezeit und die immer aufwendigere Dokumentationspflicht sei die Belastung ohnehin fast unerträglich geworden. „Da auch immer mehr Hilfskräfte eingespart wurden, muss das Pflegepersonal deren Aufgaben zusehends übernehmen, während wir Ärzte wiederum die Tätigkeiten der Schwestern und Pfleger ausüben müssen“, sagt Szekeres. Zusätzlich wären sogar noch ärztliche Stellen in administrative Posten umgewidmet worden. Trotzdem mangelt es an Personal, das bei der Schreibarbeit hilft.
Ein ärztlicher Abteilungsleiter, der anonym bleiben möchte, pflichtet ihm bei: „Viele Patienten beschweren sich über die langen Wartezeiten. Ich verstehe das. Sie sehen jedoch nicht, wie unterbesetzt wir sind und unter welchem Druck wir stehen.“ Alleine die Beantwortung der Beschwerden hält auf.
Als regelrecht „kränkend“ empfindet der chirurgische Oberarzt Anton Stift die Statements des Rektors. „Ich führe mehr als 300 Operationen jährlich durch. Jeder dieser Patienten begleitet mich in meinen Gedanken, bis er hoffentlich gesund das Haus wieder verlassen kann“, erklärt Stift. Sein Nettostundenlohn betrage durchschnittlich 20 Euro, Überstunden – von denen er alleine im vergangenen Jahr 1000 ansammelte – werden mit 15 Euro abgegolten. „Und ich darf in dieser Zeit Patienten mit perforierten Gedärmen, Lebern, Speiseröhren und akuten Blutungen behandeln. Ich frage mich, wo auf diesem Globus man sich sonst noch eine Niere operieren lassen kann – und für den Chirurgen 30 Euro netto herausspringen“, schreibt Stift.
profil vorliegende Gehaltsschlüssel belegen, dass das Salär der „Götter in Weiß“ tatsächlich bescheiden ist. So kommt ein frischgebackener Arzt auf ein Grundgehalt von 1900 Euro netto exklusive Nachtdienste. Ein Klinikchef verdient die verhältnismäßig geringe Summe von knapp über 4000 Euro netto im Monat – manche deutsche Kollegen bekommen das Dreifache. Der Grund für das geringe Nettogehalt liegt unter anderem in der hohen Kammerumlage, die jeder Arzt bezahlen muss. Der Pensionsfonds der Wiener Ärztekammer war Anfang der 1990er-Jahre sogar pleite. Der Kredit, der damals aufgenommen werden musste, wurde gleichsam den Ärzten weiterverrechnet.
„Vor allem in Wien klagen viele Turnusärzte"
Husslein möchte sich jedoch nicht an einer „Neiddebatte“ um das Gehalt beteiligen, sondern lieber auf ein ganz anderes Problem hinweisen: „Die jungen Ärzte und Ärztinnen werden als Systemerhalter missbraucht und unter anderem deshalb zu wenig ausgebildet.“ Untermauert wird seine Aussage durch eine aktuelle Umfrage unter Fachärzten in Ausbildung, die mit ihrer Situation alles andere als zufrieden sind: So klagen etwa 80 Prozent der Befragten über zu wenig Personal angesichts der Patientenzahlen.
„Der Turnus ist in Österreich unbeliebt“, erklärt Ursula Traunfellner, Obfrau der Wiener Turnusärztekonferenz, und weiters: „Vor allem in Wien klagen viele Turnusärzte über sogenannte Stehzeiten, die ihren Abschluss oft lange hinauszögern. Das heißt, dass sie die nötige Fächerrotation nicht abschließen können und in Abteilungen festsitzen, die sie für ihre Ausbildung nicht mehr benötigen. Aufgrund dieser schlechten Erfahrung wird der Beruf des Spitalsarztes noch unattraktiver.“
Zwei Turnusärztinnen, die ihre Facharztausbildung im AKH abbrachen und nach Dänemark gingen, bemängeln gegenüber profil die schlechte Ausbildungsqualität: „Wir haben eigentlich nur die Arbeit von Krankenschwestern gemacht, wie Blutabnehmen.“ Für eine weitere Ärztin, die ihren Turnus gerade abgeschlossen hat, stellen die Stehzeiten eine „reine Ausbeutung“ dar. Gelehrt werde kaum etwas, dafür würden die „billigen“ Turnusärzte die Patientenversorgung aufrechterhalten. profil gegenüber legt die junge Frau eine Art Geständnis ab: „Wir sind Ärzte geworden, weil wir Menschen helfen wollten. Aber irgendwann waren wir so ausgelaugt, dass wir kein Verständnis mehr für deren Leid hatten. Wir sind sogar so sadistisch geworden, dass wir als Rache besonders fordernden Patienten extra dicke Nadeln in die dünnsten Venen gestochen haben.“ Sie selbst sei nach kurzer Zeit ausgebrannt gewesen, schlitterte in eine Depression und musste deshalb ihren Turnus unterbrechen.
Die Ärztekammer beklagt seit Jahren die Situation der Jungärzte und befürchtet einen baldigen Ärztemangel, den wohl auch die neue Medizinische Universität in Linz nicht lösen wird (siehe Artikel hier).
Durch die permanente Überforderung stoße jeder an seine Grenzen, ist auch ein AKH-Notarzt überzeugt: „Die Belastung ist hier vor allem im Nachtdienst enorm. Mindestens einmal im Monat arbeite ich 25 Stunden ohne Unterbrechung durch.“ Und wenn es zu Schlafpausen kommt, dann nur zu sehr kurzen von etwa einer halben Stunde. Doch auch ein halbwegs „normaler“ Nachtdienst würde noch zwei Tage lang körperlich und psychisch nachwirken. „Die jüngeren sind demotiviert und sehen keine Perspektiven, die Älteren wissen nicht, wie sie die Dienste mit steigendem Alter durchstehen sollen“, erklärt der Notarzt.
Die Engpässe, die profil bereits in der letzten Ausgabe beschrieb, kann der Notarzt ebenfalls bestätigen. „Ich hatte auch schon einmal einen Patienten mit einem lebensbedrohlichen Aortenaneurysma, und kein Gefäßchirurg war im Haus. Erst in St. Pölten wäre das nächste freie Bett gewesen, wir hätten ihn dorthin fliegen müssen.“ In letzter Minute konnte in diesem Fall noch ein Gefäßchirurg gefunden werden.
Die profil-Berichterstattung nahmen auch zwei Chirurgen zum Anlass, anhand des Dienstrades auszurechnen, wie oft es alleine in diesem Monat zu chirurgischen Engpässen kommen könnte. Das Ergebnis: An 18 Tagen im Februar sei nachts nur ein Gefäßchirurg im AKH anwesend. Brenzlige Situationen seien damit vorprogrammiert, da in ganz Ostösterreich in der Nacht nur noch im AKH und im Wiener Wilhelminenspital gefäßchirurgische Abteilungen besetzt seien. Nur an sechs Tagen im Februar würde der ideale Fall eintreten, dass in den Nachtstunden zwei gefäßchirurgische Oberärzte im Dienst seien.
Auch andere Mediziner meldeten profil Missstände. Ein Psychiater berichtet: „Es ist eine Schande, wie die Psychiatrie ausgerechnet in Sigmund Freuds Heimatstadt Wien heruntergewirtschaftet wurde.“ So gibt es seit einem Jahr keine ADHS-Spezialambulanz, die Schlafdiagnostik ist nur noch extrem eingeschränkt möglich, das Sucht- und Drogenzentrum darf nur noch drei Mal wöchentlich Patienten betreuen. Jüngst fiel jedoch auch noch der mobile psychiatrische Dienst weg, weshalb nun kein Psychiater mehr Patienten auf Stationen und Ambulanzen aufsuchen kann. Notfälle könnten oft nur noch telefonisch abgeklärt werden. „Tobende Patienten müssen nun mitunter ans Bett gefesselt werden, bis sie endlich an unsere Klinik überwiesen werden können. So fallen wir langsam zurück in mittelalterliche Behandlungsweisen“, warnt der Psychiater. Die Klinik für Strahlentherapie wiederum musste bereits letzten Juli aus Mangel an Ressourcen für zwei Wochen geschlossen werden und veranlasste einen Patientenstopp.
Freilich meldeten sich Patienten oder deren Angehörige nicht nur aus Wien, sondern aus ganz Österreich bei profil und beklagten Missstände in der Behandlung von Akutpatienten. So musste der 80-jährige Salzburger Landwirt Hermann F. nach zwei Schlaganfällen so lange auf einen Termin für eine Magnetresonanztomografie und ein freies Bett in einer Salzburger neurologischen Abteilung warten, bis er einen dritten Schlaganfall erlitt – dann wurde er allerdings sofort behandelt.
Die Begründung der Verantwortlichen, warum der Mann nicht gleich behandelt wurde: Er wäre bereits nach seinen ersten beiden Schlaganfällen als Akutpatient aufgenommen worden, hätte jedoch einen Revers unterschrieben. Seine Tochter Christiane F. verteidigt ihn: „Mein Vater hört sehr schlecht und hat einfach nicht verstanden, wie kritisch sein Zustand ist. Er wollte nur nach Hause gehen und seine Sachen packen. Das kann man ihm doch nicht zum Vorwurf machen.“
Einen bedenklichen Fall schildert auch die Wiener Gynäkologin Brigitte Benesch. Sie schickte eine 54-jährige Patientin mit Verdacht auf eine Lungenembolie in die Notfallambulanz des AKH. Als die Gynäkologin später anrief und sich nach der Patientin erkundigte, fragte sie auch, welches Ergebnis das Herzecho gezeigt hätte. Dieses wird normalerweise bei Lungenembolien routinemäßig durchgeführt, da bei solchen Patienten auch das Herzinfarktrisiko hoch ist. Ein solches wurde jedoch nicht gemacht, die Patientin an einen niedergelassenen Arzt verwiesen. Man könne sich hier in der Notfallambulanz nur um die Erstdiagnose kümmern. Benesch ist erschüttert über diese Methodik: „Hätte man bei dieser Patientin als Erstes einen Fußpilz gefunden, wäre dann nur dieser behandelt und sie mit der lebensbedrohlichen Pulmonalembolie nach Hause geschickt worden?“
Würde sich die Gynäkologin Aussagen der dort Arbeitenden anhören, hätte sie vielleicht mehr Verständnis für derartige Vorgehensweisen. Ein Notarzt zu profil: „Das einzige Positive an einem Job im AKH ist, dass dir der Blick auf dieses hässliche Gebäude erspart bleibt.“
Infobox
Chronische Leiden
Das profil und das AKH: über eine lange und wechselvolle Beziehung.
Noch vor der Fertigstellung sorgte das AKH für einen der größten Skandale der Zweiten Republik. Veranschlagt wurde das Anfang der 1970er-Jahre begonnene Projekt mit einer Milliarde Schilling. Tatsächlich kostete es rekordverdächtige 45 Milliarden Schilling (3,3 Milliarden Euro). Der damalige profil-Redakteur Alfred Worm bekam ab 1975 Beweise zugespielt, die belegten, dass Beamte von Unternehmen Schmiergeldzahlungen erhalten hatten. Als Hauptschuldiger entpuppte sich Adolf Winter, der technische Direktor des Krankenhauses. Er hatte fast 40 Millionen Schilling auf ein Konto nach Liechtenstein verfrachtet. Der damalige Finanzminister Hannes Androsch war an einer Beratungsfirma beteiligt, die am AKH-Bau mitverdiente.
Justizminister Christian Broda wiederum wies die Staatsanwaltschaft an, auf Hausdurchsuchungen und Kontoöffnungen der Verdächtigen zu verzichten – was die Untersuchungsrichterin und spätere FPÖ-Nationalratsabgeordnete Helene Partik-Pablé ignorierte. So konnte den Verantwortlichen der Prozess gemacht werden. Worm wurde als AKH-Aufdecker berühmt und schrieb 18 Titelgeschichten über die Causa.
Fragwürdige Auftragsverfahren rund um das AKH sorgten auch später für Medienwirbel. So beklagte 2010 eine Reinigungsfirma, bei Vergaben grob benachteiligt und unter Druck gesetzt worden zu sein. Auch ein Personaldienstleister monierte, dass sein Vertrag nach langer und reibungsloser Zusammenarbeit mit dem AKH gekündigt wurde. Der Druckereibesitzer Alfred Novotny erhob ebenfalls in profil Vorwürfe gegen das AKH und beschuldigte den ärztlichen Direktor Reinhard Krepler. In einem Schreiben hieß es, dass „aufgrund einer persönlichen und unsachlichen Intervention des ärztlichen Leiters des AKH“ plötzlich für dieselbe Leistung „60.000 bis 80.000 Euro mehr“ pro Jahr bezahlt werden müssten. Krepler bestritt die Vorwürfe und meinte, dass die Zuschläge vergaberechtskonform erfolgt seien.
Zwei Jahre später der nächste Skandal: Das Wissenschaftsministerium beauftragte den Wirtschaftsprüfer Deloitte mit einer Untersuchung, weil es zu drastischen Verzögerungen und Kostenexplosionen bei der Implementierung des 36 Millionen Euro teuren IT-Systems AKIM gekommen war. Im Endbericht wurde das Versagen am AKH-Management festgemacht. Die Ursachen für die Probleme lägen daran, dass „so ein komplexes Projekt ohne eine adäquate Organisations- und Controllingstruktur“ abgewickelt worden sei. Der ärztliche Direktor des AKH, Reinhard Krepler, mied seither weitgehend die Öffentlichkeit. Ein erstes Lebenszeichen seit Langem erhielt die Belegschaft erst durch seine Unterzeichnung des offenen Briefs, den er gemeinsam mit Med-Uni-Rektor Wolfgang Schütz und anderen als Reaktion auf die letztwöchige profil-Titelgeschichte paraphierte. Ob die in der Coverstory beschriebenen Engpässe der letzte Skandal sind, der das AKH erschüttern wird, sei dahingestellt. In den nächsten fünf Jahren muss mit der Generalsanierung des Gebäudes begonnen werden. Sie ist mit 1,5 Milliarden Euro veranschlagt.
"Wann immer die Stadt Wien als Bauherr
agiert, endet das in einem finanziellen und organisatorischen Fiasko",
sagt heute, Mittwoch, der Landesparteiobmann der ÖVP Wien, Stadtrat Manfred
Juraczka angesichts des bekanntgewordenen Missmanagements der Stadt Wien beim
Spital Nord sowie bei Bauprojekten im Wiener AKH (Garagensanierung kostet statt
3,2 Millionen bis jetzt 31,5 Millionen!). Die Gesundheitssprecherin der ÖVP
Wien, Ingrid Korosec, unterstreicht die Aussagen und ergänzt: "Management
heißt auch Verantwortung übernehmen. Vor allem im Sinne der Bürgerinnen und
Bürger Wiens!"
Fassungslos zeigte sich Juraczka ob der explodierten Kosten bei der Sanierung der AKH-Tiefgarage. Von 2010 bis 2013 haben sich die prognostizierten Kosten von 3,2 Millionen auf 31,5 (!!) Millionen erhöht. Auch beim Spital Nord sollen die finanziellen Reserven für Baukostenüberschreitungen zwei Jahre vor Fertigstellung bereits aufgebraucht sein. "Die Wiener Stadtregierung ist als Bauherr nicht brauchbar", so Juraczka.
Verantwortungsloser Umgang mit Steuergeldern!
"Es ist unglaublich, dass Stadträtin Wehsely in einem heute stattgefundenen Fototermin noch immer davon spricht, dass eigentlich alles 'in bester Ordnung' sei. Frau Stadträtin, Sie hantieren mit Ihnen anvertrauten Steuergeldern der Wienerinnen und Wiener! Für diese Misswirtschaft in Ihrem Haus müssen Sie Verantwortung übernehmen!" so Korosec weiter. Es sei offensichtlich, dass in Wien kein öffentliches Spital ohne Skandal erbaut werden könne. "Warum müssen die Wienerinnen und Wiener wieder und wieder dabei zusehen, wie die Wiener Stadtregierung als Bauherr grandios scheitert und uns damit einmal mehr in ein weiteres Schuldenfiasko treibt?"
Wo bleiben die Lerneffekte aus den Bauskandalen der letzten Jahre, wie Stadthallenbad, Ronacher, Pratervorplatz, Zentralfeuerwache, Hauptbahnhof, Albert Schultz Eishalle etc.?" stellt Juraczka die Frage. "Lernen Sie endlich Baumanagement oder lassen Sie es", so Juraczka in Richtung Wiener Stadtregierung. "Das einzige, was die Stadt Wien aus ihren Bauskandalen gelernt hat, ist, wie man die vernichteten Millionen mittels Gebührenerhöhungen bei den Wienerinnen und Wienern wieder eintreibt", so Juraczka. "Damit muss endlich Schluss sein!"
Fassungslos zeigte sich Juraczka ob der explodierten Kosten bei der Sanierung der AKH-Tiefgarage. Von 2010 bis 2013 haben sich die prognostizierten Kosten von 3,2 Millionen auf 31,5 (!!) Millionen erhöht. Auch beim Spital Nord sollen die finanziellen Reserven für Baukostenüberschreitungen zwei Jahre vor Fertigstellung bereits aufgebraucht sein. "Die Wiener Stadtregierung ist als Bauherr nicht brauchbar", so Juraczka.
Verantwortungsloser Umgang mit Steuergeldern!
"Es ist unglaublich, dass Stadträtin Wehsely in einem heute stattgefundenen Fototermin noch immer davon spricht, dass eigentlich alles 'in bester Ordnung' sei. Frau Stadträtin, Sie hantieren mit Ihnen anvertrauten Steuergeldern der Wienerinnen und Wiener! Für diese Misswirtschaft in Ihrem Haus müssen Sie Verantwortung übernehmen!" so Korosec weiter. Es sei offensichtlich, dass in Wien kein öffentliches Spital ohne Skandal erbaut werden könne. "Warum müssen die Wienerinnen und Wiener wieder und wieder dabei zusehen, wie die Wiener Stadtregierung als Bauherr grandios scheitert und uns damit einmal mehr in ein weiteres Schuldenfiasko treibt?"
Wo bleiben die Lerneffekte aus den Bauskandalen der letzten Jahre, wie Stadthallenbad, Ronacher, Pratervorplatz, Zentralfeuerwache, Hauptbahnhof, Albert Schultz Eishalle etc.?" stellt Juraczka die Frage. "Lernen Sie endlich Baumanagement oder lassen Sie es", so Juraczka in Richtung Wiener Stadtregierung. "Das einzige, was die Stadt Wien aus ihren Bauskandalen gelernt hat, ist, wie man die vernichteten Millionen mittels Gebührenerhöhungen bei den Wienerinnen und Wienern wieder eintreibt", so Juraczka. "Damit muss endlich Schluss sein!"
Montag, 19. Mai 2014
"Ich lebe aus dem Reisekoffer"
Sascha P. musste am 10. April wegen
Einsturzgefahr aus seiner Wohnung in der Alserbachstraße raus.
"Am 10. April standen fünf, sechs Leute vor dem Haustor
und sagten, ich solle notdürftig ein paar Sachen zusammenpacken. Ich könne
nicht mehr in meiner Wohnung übernachten und müsse sofort raus", erzählt
Sascha P.
Keine Ersatzwohnung
Man hat ihn gefragt, ob er eine Ersatzunterkunft bräuchte und ihn gebeten, sich ein paar Tage zu gedulden. "Ich dachte mir, das wäre nicht so schlimm, die vier Tage abzuwarten. Ich war voller Hoffnung, eine Ersatzwohnung zu bekommen, aber ich bin bis heute obdachlos und lebe aus dem Reisekoffer."
Sascha schläft zeitweise bei Freunden oder Kollegen. "Ich habe den ersten Vorschlag von der Hausverwaltung Moeller Real erst Anfang Mai bekommen – drei Wohnungen vom Wohnservice."
Nicht adäquat
"Das sind alles Wohnungen am Gürtel, straßenseitig. Man muss bedenken, ich wohne seit 25 Jahren hofseitig und höre keinen Straßenlärm. Es ist für mich ein Ding der Unmöglichkeit, am Gürtel straßenseitig zu wohnen. Die Wohnungen, die mir angeboten wurden, sind Zumutungen und keine Wohnungen", ist P. enttäuscht.
Anfangs durfte der Mieter zweimal die Woche für zwei bis drei Stunden sein bisheriges Heim aufsuchen. Seit Beginn der Sicherheitsmaßnahmen Ende April herrscht ein absolutes Zutrittsverbot. "Ich weiß derzeit nicht, wann ich wieder in meine Wohnung kann."
Warten auf Gutachter
Aktuell heißt es, dass in drei Wochen die ersten Arbeiten erledigt seien und dann Gutachter entscheiden, ob die Mieter zurück dürfen. Auch seitens der Bezirksvertretung kommen ähnliche Worte: "Die Untersuchungen am Fundament haben ergeben, dass die Pfähle, auf denen das Haus steht, gefährdet sind. Die Hausverwaltung musste evakuieren, da das Haus einzufallen drohte", so Büroleiter Sascha Göbel.
"In ein paar Wochen sollte feststehen, wie es weitergeht. Rechtlich ist aber die Hausverwaltung verantwortlich", so Göbel. Diese möchte die Gutachten abwarten und zerstreut die Sorge mancher Mieter, dass es sich bei dem Objekt um ein Spekulationshaus handelt.
Keine Ersatzwohnung
Man hat ihn gefragt, ob er eine Ersatzunterkunft bräuchte und ihn gebeten, sich ein paar Tage zu gedulden. "Ich dachte mir, das wäre nicht so schlimm, die vier Tage abzuwarten. Ich war voller Hoffnung, eine Ersatzwohnung zu bekommen, aber ich bin bis heute obdachlos und lebe aus dem Reisekoffer."
Sascha schläft zeitweise bei Freunden oder Kollegen. "Ich habe den ersten Vorschlag von der Hausverwaltung Moeller Real erst Anfang Mai bekommen – drei Wohnungen vom Wohnservice."
Nicht adäquat
"Das sind alles Wohnungen am Gürtel, straßenseitig. Man muss bedenken, ich wohne seit 25 Jahren hofseitig und höre keinen Straßenlärm. Es ist für mich ein Ding der Unmöglichkeit, am Gürtel straßenseitig zu wohnen. Die Wohnungen, die mir angeboten wurden, sind Zumutungen und keine Wohnungen", ist P. enttäuscht.
Anfangs durfte der Mieter zweimal die Woche für zwei bis drei Stunden sein bisheriges Heim aufsuchen. Seit Beginn der Sicherheitsmaßnahmen Ende April herrscht ein absolutes Zutrittsverbot. "Ich weiß derzeit nicht, wann ich wieder in meine Wohnung kann."
Warten auf Gutachter
Aktuell heißt es, dass in drei Wochen die ersten Arbeiten erledigt seien und dann Gutachter entscheiden, ob die Mieter zurück dürfen. Auch seitens der Bezirksvertretung kommen ähnliche Worte: "Die Untersuchungen am Fundament haben ergeben, dass die Pfähle, auf denen das Haus steht, gefährdet sind. Die Hausverwaltung musste evakuieren, da das Haus einzufallen drohte", so Büroleiter Sascha Göbel.
"In ein paar Wochen sollte feststehen, wie es weitergeht. Rechtlich ist aber die Hausverwaltung verantwortlich", so Göbel. Diese möchte die Gutachten abwarten und zerstreut die Sorge mancher Mieter, dass es sich bei dem Objekt um ein Spekulationshaus handelt.
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