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Sonntag, 20. November 2016

Da braut sich was zusammen

Wiens Langzeitbürgermeister Michael Häupl hat nicht nur Probleme mit seiner Partei. Er hat auch Probleme mit seiner Stadt.

Michael Häupl ist ein Mann mit vielen Fähigkeiten. Er regiert die Bundeshauptstadt seit nunmehr 22 Jahren. Er schafft es selbst in für seine Partei schlechten Zeiten, zum Beispiel jetzt, dass die SPÖ fast zehn Prozentpunkte Vorsprung auf die zweitplatzierte Partei hat. 
Er ist hochintelligent und charismatisch. Er schafft es selbst in für seine Partei schlechten Zeiten, zum Beispiel jetzt, Krisen mit einem Scherzwort kleinzureden. "Der hat ja nicht einmal 300 Follower auf Facebook", sagte der Bürgermeister beispielsweise über einen ehemaligen Mitstreiter, der öffentlich auf seine, Häupls, Ablöse drängte. Gelächter bei den Journalisten, Revolution abgesagt.
Dennoch: Der Richtungsstreit zwischen den Bezirksorganisationen in den bevölkerungsreichen Flächenbezirken Floridsdorf und Donaustadt sowie Simmering und Liesing gegen den Rest ist voll entflammt.Das Thema Flüchtlinge spaltet die Partei: Sozialstadträtin Sonja Wehsely hat die Entscheidung für Obergrenzen bei Flüchtlignen stark kritisiert. Das wiederum werfen ihr die Vertreter der großen Bezirke vor, die mit einer immer stärker werdenden FPÖ zu kämpfen haben.
In den Innerstädtischen Bezirken sind die Hauptgegner wiederum die Grünen, wo gerade die Leopoldstadt den Bezirksvorsteher an die Grünen abtreten musste. Weiters sehen viele die Probleme im Gesundheitswesen kritisch, wie etwa die Krise mit den Ärzten der Gemeindespitäler oder die Kostenexplosion beim Krankenhaus Nord.
Alles bestens also? Natürlich nicht. Denn abgesehen von den Flügelkämpfen, unter denen sich die Wiener SPÖ windet, hat Michael Häupl ein weiteres Problem. Und zwar Wien. Die Bundeshauptstadt ist lebens- und liebenswert. Aber die Probleme verschärfen sich, wie beispielsweise aus dem Wiener Sozialbericht für 2015 hervorgeht - eine Publikation, die keinesfalls im Geruch rechtskonservativer Gesinnung steht und die sogar ein Vorwort der Wiener Sozialstadträtin Sonja Wehsely, Exponentin des linken Parteiflügels, ziert. "Die Lage am Arbeitsmarkt verschärft sich zunehmend: Der wachsenden Anzahl von Arbeitnehmern/-innen stehen keine ausreichenden Beschäftigungsmöglichkeiten gegenüber", hält der Sozialbericht fest, und weiter: "Besonders auf dem prekären und dem Niedriglohnarbeitsmarkt wurde der Ausschluss von der Erwerbstätigkeit für diese Personengruppe Realität." - Stimmt. Wien hat österreichweit die höchste Arbeitslosenquote. Besonders hoch ist sie bei den schlecht gebildeten Personen.
In dieser Hinsicht bietet der Sozialbericht bemerkenswerte Fakten. Demnach weist Wien die höchste Akademikerquote von allen Bundesländern auf. Doch gleichzeitig leben hier (nach Vorarlberg) auch die meisten Menschen, die nur einen Pflichtschulabschluss haben. Dies deutet auf eine tiefe Spaltung der Wiener Gesellschaft hin: einerseits eine breite Schicht an Gebildeten - urban, gut verdienend, möglicherweise mit Interesse an rot-grünen Leuchtturmprojekten wie der verkehrsberuhigten Maria hilfer Straße. Und andererseits eine breite Schicht an potenziellen Modernisierungsverlierern, denen die neuesten Flaniermeilen und Radwege der grünen Vizebürgermeisterin möglicherweise nicht ganz so wichtig sind wie die Meisterung des täglichen Existenzkampfes. Diese beiden Extreme verkörpern übrigens auch die Spaltung der Wiener SPÖ: hier die Innenbezirk-Bobos um Sozialstadträtin Sonja Wehsely, da die hemdsärmeligen Arbeiterbezirkskaiser wie Michael Ludwig, Floridsdorf, und Ernst Nevrivy, Donaustadt. Michael Häupl ist mit der Aufgabe, diese beiden Parteiflügel zu koordinieren, ebenso überfordert wie die Stadtregierung mit dem Versuch, eine für beide gesellschaftlichen Extreme gleichermaßen befriedigende Politik zu machen.
Zurück zu den Sozialdaten: 56 Prozent aller österreichischen Mindestsicherungsbezieher leben in Wien. Das betreffende Budget musste jüngst um 130 Millionen Euro nachdotiert werden. Dazu heißt es im Sozialbericht lapidar: "Nur ein Drittel der BMS-Bezieher steht dem Arbeitsmarkt zur Verfügung." Jeder dritte junge männliche Wiener ist ohne regulären Job. Dass sich hier eher kurz- als langfristig ein Problem auftut, liegt auf der Hand.

Dies vor allem, weil Wien nicht an Attraktivität für Zuwanderer eingebüßt hat: "Im letzten Jahrzehnt verzeichnet Wien starke Bevölkerungszuwächse, die maßgeblich auf die Zuwanderung aus dem Ausland zurückzuführen sind", liest man im Sozialbericht. In Zahlen ausgedrückt ist die Einwohnerzahl Wiens seit 2002 um rund 196.000 Personen gestiegen. Rund 24 Prozent der Bewohner Wiens haben keine österreichische Staatsbürgerschaft, rund 36 Prozent haben Migrationshintergrund.
Es brauen sich also jede Menge Probleme zusammen, und man würde sich eine Wiener SPÖ wünschen, die sich mehr der Problemlösung und weniger ihren Flügelkämpfen widmet. Wobei diese Flügelkämpfe nicht verwundern. Wie viele große Männer hat Häupl die Personalentwicklung vernachlässigt, sodass sich unter seinen Augen die Wiener SPÖ in eine geschlossene Sippe aus einigen wenigen miteinander verheirateten, verwandten, verpartnerten und verfeindeten Familien verwandelte. Wie viele große Männer hat Michael Häupl den richtigen Zeitpunkt zum Rückzug verpasst, sodass sich die Diadochen nun um den Thron streiten, obwohl dieser noch nicht vakant ist. Wie viele große Männer hat Häupl sich etliche Feinde gemacht, zuletzt die Vertrauten des ungnädig in die Wüste geschickten Werner Faymann, die dem Langzeit-Bürgermeister nun das Leben schwer machen. Michael Häupl sind die Zügel entglitten. Deshalb fällt es ihm auch so schwer, sie zu übergeben.

Samstag, 13. Juni 2015

BAWAG kürzt Wien den Kreditrahmen

Die BAWAG hat der Stadt Wien den Überziehungsrahmen um 205 Mio. Euro gekürzt, schreibt der „Standard“. Die Entscheidung auf Druck der Risikoabteilung der Bank sei kurz nach der Freigabe des Frankenkurses gefallen.
Wien habe zwar bei Moody’s die Top-Bonität Aaa, aber die Verschuldung dürfte auf 5 Mrd. Euro steigen, die Frankenaufwertung erhöhe die Verbindlichkeiten um weitere fast 300 Mio. Euro, schreibt die Zeitung. Eine BAWAG-Sprecherin wollte sich laut „Standard“ dazu nicht äußern und berief sich auf das Bankgeheimnis.

Zeitung: „Kürzung nicht aus Jux und Tollerei“

Dabei mache die BAWAG mit dem Zahlungsverkehr viel Geschäft mit der Stadt. Außerdem seien Kredite an die öffentliche Hand begünstigt, weil sie nicht mit knappem Eigenkapital unterlegt werden müssen.
Auch dieser Aspekt zeigt in den Augen von Branchenkennern, dass die BAWAG die Kürzung nicht aus Jux und Tollerei vorgenommen habe“, schreibt die Zeitung. Die dem „Standard“ vorliegende Stellungnahme des Risikomanagements zeige aber auch, dass es sich eher um eine Vorsichtsmaßnahme handle. Mit Minus versehen die Risikowächter das hohe Franken-Exposure und den Umstand, dass der „Wien-Komplex“ bei der BAWAG bereits über ein Limit von 1,45 Mrd. Euro verfüge. Neben der Stadt (1,074 Mrd. Euro) sind beispielsweise auch die Stadtwerke und die Holding Bankkunden.

Schuldenstopp in Wien wackelt

Laut Stabilitätspakt hätte die Stadt Wien im nächsten Jahr keine neuen Schulden machen sollen. Laut Finanzstadträtin Renate Brauner (SPÖ) könnte nun - je nach wirtschaftlicher Lage - doch eine Neuverschuldung möglich sein.
Brauner präsentierte am Dienstag den Wiener Rechnungsabschluss für das Jahr 2014. Die Schulden der Stadt Wien wuchsen im Vorjahr um etwas mehr als 258 Millionen Euro an. Der Schuldenstand erhöhte sich auf rund 4,9 Milliarden Euro. Die Gesamtausgaben bzw. -einnahmen beliefen sich auf 12,344 Mrd. Euro - mehr dazu in Schuldenstopp in Wien wackelt.

Scheinbar habe die Bank dazugelernt. Nicht so die Wiener Verlierer-Koalition. Durch den Optimierungsprozess, in dem die Bawag sich momentan befindet, muss sie sich genau anschauen, wer noch kreditwürdig ist - auf die Stadt Wien trifft das offenbar nicht mehr zu. Durch die jahrelang vollkommen verpatzte Finanzpolitik der SPÖ-Stadträtin Renate Brauner steht Wien kurz vor der Pleite. Wien hat Rekord-Schulden von mittlerweile mehr als fünf Milliarden Euro, den Rekord-Gebührenwucher, der den Bürgern kaum noch Luft zum Atmen lässt, und die verunglückten Währungsspekulationen, die größtenteils unbeirrt weitergeführt werden. Das Gesundheitssystem steht vor dem Kollaps. Polizeistationen werden dichtgemacht. Die Bürger verarmen zusehends. 400.000 müssen ihr Leben mittlerweile unter der Armutsgrenze fristen - darunter 100.000 Kinder!

Samstag, 8. November 2014

Das "saubere" Österreich

Dabei sollten die österreichischen Politiker beim Thema Steuersparen ganz still sein. Und die Rede ist jetzt nicht von Ex-Politikern wie dem früheren SPÖ-Bundeskanzler Alfred Gusenbauer und der früheren FPÖ-Vizekanzlerin Susanne Riess, die beide im Beirat der Signa-Holding des Immobilien-Tycoons René Benko sitzen. Die Signa bediente sich ebenfalls des Luxemburgischen Steuervermeidungs-Modells.
Still sollten auch die Wiener SPÖ und Bürgermeister Michael Häupl sein. In seiner Ära wickelte die Stadt Wien Cross-Border-Leasinggeschäfte ab. Das Kanalsystem und Straßenbahn-Garnituren wurden an US-Konzerne verkauft und sofort wieder zurückgemietet. Sale-and-lease-back-Geschäfte nennt man das. Dahinter steckt nichts anderes als ein Steuervermeidungsmodell. Die US-Milliardäre und Firmen nützten bei diesem Deal eine Lücke im US-amerikanischen Steuersystem – und Wien schnitt dabei ordentlich mit – es kassierte rund 100 Millionen Euro. Mit anderen Worten: Nicht genug, dass die Stadt immer tiefer in die Taschen der eigenen Bürger greift, zockte sie auch die US-Steuerbehörden ab. Alles legal, wenn auch hochriskant – wie sich später herausstellen sollte. Bundeskanzler Werner Faymann trug damals als Wiener Wohnbaustadtrat genauso die SPÖ-Steuerschlupfloch-Politik mit wie der frühere Gemeinderat Andreas Schieder, der später als Staatssekretär im Finanzministerium und nun als EU-Parlamentarier den Steuer-Moralapostel mimt.
Seit knapp zwei Monaten bekleidet Hans Jörg Schelling das Amt des Finanzministers. Ein Goldgriff des VP-Obmanns Reinhold Mitterlehner, wie viele Kommentatoren meinen. Mit Schelling zog endlich ein Mann aus der Wirtschaft in der Johannesgasse ein. Mit seinem Namen verbindet man vor allem den Aufstieg der Möbel-Kette Lutz. Hinter der Erfolgsstory Lutz steckt allerdings auch eine interessante Steuer-Story. Unter Schellings Führung gründete der Möbel-Riese einst eine Gesellschaft im Steuerparadies Malta. Die dortige XXXLutz Marken GmbH mit kaum mehr als einer Handvoll Mitarbeitern verwaltet Lizenzen im Wert von 340 Millionen Euro. Durch die Konstruktion erspart sich der Möbelriese in Österreich richtig viel an Steuern.
Die Steuermoral der österreichischen Finanzminister ist ohnehin ein eigenes Kapital. Hannes Androsch, in den 1970er-Jahren SPÖ-Finanzminister unter Bruno Kreisky, wurde 1991 rechtskräftig wegen Steuerhinterziehung verurteilt. Und Karl-Heinz Grasser, einst Finanz-Sonnyboy der Regierung Schüssel, rechtfertigte sich in seinem Finanzstrafverfahren, dass er doch „steuerlich so ungebildet“ sei.

Finanzminister: Viktor Klima. Bevor Klima 1992 in Franz Vranitzkys Regierungsteam wechselte und diesen später als Kanzler beerbte, saß er im Vorstand der OMV, die sich kaum eine Steueroase entgehen ließ. Isle of Man, Virgin Islands, Cayman, Jersey, Gibraltar, Malta. Der Ölkonzern war dabei. Völlig legal selbstverständlich.

Samstag, 11. Oktober 2014

Auf 16 Quadratmetern durchs Studium

Wien. Ein Regal, ein Bett, eine zweite Matratze und eine kleine Ablage. Viel mehr Platz ist in dem kleinen Zimmer mit Rückwandfenster nicht. Die Kaffeemaschine thront auf einer Ecke des Schreibtischs. Ina präsentiert ihr gerade mal 16 Quadratmeter großes Reich. Darauf angesprochen meint sie nur schmunzelnd: "Je kleiner das Zimmer, desto weniger hat man zu putzen." Vor etwas mehr als drei Jahren ist sie von Steyr nach Wien gekommen. Aber wer ist Ina? Die Antwort ist einfach: Ina ist Studentin.

Allein im vergangenen Wintersemester studierten mehr als 170.000 Menschen in Wien, von denen knapp 23.000 neu zugelassen wurden. Viele ziehen dafür in die Stadt. Über 90 Studentenwohnheime bieten Platz für mehr als 12.000 angehende Akademiker. Ina wohnt im Haus Oberösterreich im 7. Bezirk. "Hier sind viele Leute aus Oberösterreich, gerade aus meiner Heimatstadt", erklärt sie im Gespräch mit der "Wiener Zeitung". "Es wohnen auch Freunde von mir hier, aber man ist einander auch schon verbunden, wenn man aus derselben Stadt oder demselben Bundesland ist."
Gebühr für Suche
Eine Wohnmöglichkeit zu finden, ist nicht einfach. "Das erste Problem ist, dass man überhaupt mal einen Wohnheimplatz oder eine WG findet", weiß Julia Freidl, Generalsekretärin der Österreichischen HochschülerInnenschaft (ÖH). "Auch in Wien sind die Wartelisten für Studentenwohnheime irre lang." Manche Wohnheimbetreiber verlangen sogar eine Gebühr, um Studenten überhaupt erst auf die Warteliste zu setzen. "Eigentlich ist das ja vollkommen absurd, vor allem, wenn ich mich bei mehreren Heimen bewerben will, um die Chance zu haben, einen Platz zu bekommen", meint Freidl. Auf ihrem "Schwarzen Brett" bietet die ÖH online neben Jobangeboten auch eine Liste freier Wohnheimplätze und kostenlose WG-Inserate an. Studenten können auch kostenlose Mietvertragsprüfungen in Anspruch nehmen. Ina hatte mit ihrem Heimplatz Glück. "Meine Stadt hat hier auch Zimmer angemietet, dadurch hab ich eines bekommen."
Neben ihren Freunden und Annehmlichkeiten wie einem Billardraum, einer Heimbar, Arbeitszimmern für Musik- und Architekturstudenten und einem Fitnessraum ist Ina aber auch mit Schwierigkeiten im Wohnheimleben konfrontiert. "Man kann hier nur wohnen, wenn man pro Semester eine gewisse Anzahl an ECTS-Punkten aus dem Studium für abgeschlossene Kurse abgibt. Vor allem gegen Ende des Studiums, wenn man nur wenige Kurse hat oder an seiner Meisterarbeit schreibt, muss man um seinen Heimplatz verhandeln." Auch kann man sich seine Zimmerkollegen nicht aussuchen. "Im ersten Semester musste ich in einem Doppelzimmer wohnen. Meine Mitbewohnerin war sehr unordentlich, hat nichts abgewaschen und hat es im Zimmer sogar schimmeln lassen", erinnert sie sich.
Große Mietpreisspannen
Die Preise in den einzelnen Heimen können stark variieren. Ina zahlt für ihr Heimzimmer etwa 220 Euro im Monat. "Es ist echt leistbar, man kann daneben gut sparen, wenn man beispielsweise arbeitet, und muss nicht alles Geld in ein Zimmer stecken, für Möbel, Internet oder Heizkosten", meint sie. Dafür hat sie weder eine eigene Küche noch ein Badezimmer - Toiletten und getrennte Duschkabinen werden vom gesamten Stockwerk geteilt.
Kostspieliger hingegen sind beispielsweise die Zimmer der gemeinnützigen Studentenwohnbau Aktiengesellschaft (Stuwo AG). Sie betreibt in Wien neun Häuser mit insgesamt 1950 Wohnheimplätzen. In den 20 Jahren seit der Gründung hat sie mehr als 9000 Studenten beherbergt. Ein möbliertes Einzelzimmer mit Wohnküche, Badezimmer und WC in einem Stuwo-Haus kostet ungefähr 400 Euro im Monat. Damit liegen die Mieten im oberen Drittel der Durchschnittspreise Wiens. Das ist unter anderem dadurch bedingt, dass die Häuser der Stuwo AG größtenteils neu gebaut sind.
Die Zimmerpreise liegen auch deutlich unter jenen von privat finanzierten Wohnheimen wie dem Milestone beim neuen WU-Campus, wo ein vollmöbliertes Zimmer 590 Euro im Monat kostet. "Unsere Vision ist es, ,Wohnen für Studenten‘ ganz neu zu definieren. High Class Wohnqualität kombiniert mit den unvergleichlichen Vorteilen eines lebendigen Community-Lifestyles", wirbt der Betreiber auf seiner Homepage. Julia Freidl steht den hohen Mietpreisen privater Studentenwohnheime skeptisch gegenüber: "Das entspricht nicht mehr dem sozialen Gedanken der Studentenwohnheime."
ÖH fordert Mietsenkungen
Seit die Förderungen für Studentenwohnheime vom Bund im Sparpaket 2010 gestrichen wurden, müssen sich Wiener Studentenheimbetreiber auf die Gemeindeunterstützung verlassen. Laut Wohnbaumagistrat werden dafür Förderdarlehen in Höhe von 510 Euro pro Quadratmeter vergeben. Für eine 16 Quadratmeter große Wohnung wie die von Ina wären das 8160 Euro. Die Darlehen haben mit 35 Jahren eine ungewöhnlich lange Laufzeit und sind fix mit 1 Prozent p.a. verzinst. Seit 2008 wurden so etwa 2400 Wohnheimzimmer gesichert.
Laut der Studierenden-Sozialerhebung 2011 stehen Studenten im Durchschnitt knapp 1000 Euro im Monat zur Verfügung, mit denen sie ihren gesamten Lebensunterhalt bestreiten müssen - Unterkunft inklusive. Wohnheimförderungen sind daher wichtig, da Studenten die "angespannte Situation" am Wiener Wohnungsmarkt stärker spüren als andere, meint Julia Freidl und fordert mehr leistbares Wohnen für Studenten: "Es soll wieder Realität werden, dass es wieder mehr Heimplätze um 200 Euro gibt." Seitens der Stuwo AG sieht man in einer Übernahme der Möblierungskosten in Studentenwohnheimen durch den Bund eine Entlastungsmöglichkeit für Studenten. Diese müssen die Kosten zwischen 36 und 45 Euro monatlich als Teil der Wohnheimmiete selbst tragen. Auch Julia Freidl steht diesem Vorschlag positiv gegenüber. "Hauptsache, die Preise sinken wieder."
Ina möchte die Erfahrung im Studentenwohnheim nicht missen. "Ich habe sehr schöne Erinnerungen an meine Zeit hier. Einmal haben wir sogar einen Polterabend im Gemeinschaftsraum gefeiert", erzählt sie. Nächstes Jahr wird sie nach Abschluss ihres Studiums ausziehen. An Nachmietern mangelt es nie.


Dienstag, 13. Mai 2014

Die "smarte" Vassilakou

"G’scheit, also smart"


"Wenn man wissen will, wie es geht, schaut man nach Wien", dass stimmt. Aber niemand hat definiert was das bedeuten soll, wie es geht. Ich definiere es in meiner Weise: http://derdreck.blogspot.co.at/, eben so. Vassilakou hat schon Recht, wenn sie smart mit schlau übersetzt, denn schlau ist dies Stadt, allen voran Häupl, Ludwig, Neumayer und Brandstaetter.
Wien. Das Wörtchen "smart" ist schon längst in aller Munde und lässt bekanntlich viele Definitionen zu. Und so gab es am Dienstag im Rahmen der Präsentation der "Smart City Strategie" Wiens auch gleich drei: Nach "g‘scheiten, also smarten" Lösungen will Bürgermeister Michael Häupl für die Zukunft der Stadt suchen. Vizebürgermeisterin Maria Vassilakou setzte smart mit "schlau" gleich. Eine "schlaue Stadt" sei Wien und solle es bleiben. Und Planungsdirektor Thomas Madreiter definierte smart mit "sozialer und technischer Intelligenz".
Um wohl nicht in den Verdacht zu geraten, dass vor dem Vokabular "smart" etwa dumme Lösungen gefunden worden sind, wurde auch sogleich festgehalten, dass Wien schon immer schlau gewesen sei - mit der Entscheidung der Hochquellwasserleitung seit 1873 etwa oder der Idee der Gemeindebauten in den 1920er Jahren, wie Häupl und Vassilakou sagten. Eine "g’scheite" City-Strategie soll es also sein, die am 24. Juni im Wiener Gemeinderat beschlossen werden wird. Die Stadt will gemeinsam mit Steakholdern aus dem politischen, wirtschaftlichen und wissenschaftlichen Umfeld Ziele formulieren, Pläne umsetzen und bis zum Jahr 2050 messbare Ziele erreichen.
Allen voran steht Häupls und Vassilakous Vision zur Stadt, die sie am Dienstag zur Diskussion stellten: weniger Autos, gute Luft, viele Grünflächen, weniger Energieverbrauch, sicheres und friedliches Zusammenleben und eine gesicherte medizinische Versorgung für alle. "Ihr könnt danach sagen, wir hatten blöde Ideen, aber ihr könnt uns nicht vorwerfen, dass wir gar keine hatten", so Häupl zu seinen Zielen.
Im Konkreten hält die Smart City Wien Rahmenstrategie folgende Ziele fest:
·                       Reduktion der CO2-Emmissionen von derzeit 3,1 Tonnen pro Kopf auf 1 Tonne. Das sind um 80 Prozent weniger von 1990 bis 2050.
·                       Senkung des motorisierten Individualverkehrs von derzeit 28 auf 15 Prozent bis 2030. Bis 2050 soll der gesamte motorisierte Individualverkehr innerhalb der Stadtgrenzen ohne konventionelle Antriebstechnologien erfolgen.
·                       Reduktion des Energieverbrauchs für Heizen, Kühlen und Warmwasser um 1 Prozent pro Kopf pro Jahr.
·                       50 Prozent der Energie kommen bis 2050 aus erneuerbaren Quellen. Der Primärenergieeinsatz sinkt von 3000 auf 2000 Watt pro Kopf.
·                       Der 50-Prozent-Grünanteil soll erhalten bleiben.
·                       Der Anteil der technologieintensiven Produkte am Export steigt von derzeit 60 auf 80 Prozent. Wien ist im Jahr 2050 eines der 5 Top-Forschungszentren Europas.
·                       In Wien leben alle Menschen unabhängig von ihrer Herkunft, sexuellen Orientierung und geschlechtlicher Identität friedlich und sicher zusammen. Sicherstellung der medizinischen Versorgung auf höchstem Niveau.

Wie die Umsetzung dieser Ziele zu bewerkstelligen ist, beantwortete Vassilakou für den Bereich der Mobilität, wo der Autoverkehr um die Hälfte reduziert werden soll. "Jeder kann für sich selbst entscheiden, ob er mit dem Auto fährt oder ob er die öffentlichen Verkehrsmittel benutzen will. Entscheidend ist am Ende, dass das Angebot im öffentlichen Verkehrsnetz passt", sagte sie. Ein "attraktives Öffi-Angebot" sei der Schlüssel und "schwuppdiwupp das Wunder ist vollbracht".
Wien soll aber nicht nur eine Smart City, sondern "die" Smart City überhaupt werden, so die Vizebürgermeisterin. Planungsdirektor Madreiter fügte ein großes Ziel hinzu: "Wenn man wissen will, wie es geht, schaut man nach Wien", sagte er. Es gehe darum, die Lebensqualität in einer stark wachsenden Stadt zu erhalten. So würde etwa das Wohnbauressort gemeinsam mit der Universität für Bodenkultur zum Thema Wohnbau-Sanierung forschen. Auch die Bürger-Photovoltaikanlagen seien gut in der Bevölkerung angekommen. Und die Seestadt Aspern sei ohnehin ein Vorzeigeprojekt. Sogar die flächendeckende Umsetzung von Ganztags- und Gesamtschule findet sich in der Rahmenstrategie: Bildung sei eine Grundlage für Wien als smart City, heißt es dort. Bleibt nur noch hinzuzufügen, dass der Bürger in diesem Zusammenhang auf eine "smarte" Politik hofft.