Dienstag, 29. Juli 2014

Wien und die Werbung

Während immer mehr Wienerinnen und Wiener auf die Mindestsicherung angewiesen sind und zahlreiche bereits an der Armutsgrenze leben, verpulvert die Stadtregierung in schöner Regelmäßigkeit zig tausende Euro, um sich selbst zu beweihräuchern.

Allein vergangenen Sonntag hat die Stadt fünf Seiten in der Tageszeitung "Österreich" geschaltet - laut gültigem Anzeigentarif je Doppelseite 42.840 Euro. Die Tageszeitung "Heute" darf sich über acht Seiten "entgeltliche Druckstrecke" freuen - bei einem Preis je Doppelseite von 32.640 Euro auch keine Kleinigkeit. Zusätzlich darf man die Hochglanzbroschüren nicht vergessen, die in regelmäßigen Abständen den Wochenmagazinen beigelegt werden und auch Unsummen verschlingen. Zwar sind dies nur exemplarische Beispiele, nichts desto trotz sind sie typisch für die Geldverschleuderungspolitik der rot-grünen Verliererkoalition.

Wien ist „Welthauptstadt der Spione“

Wien ist „Welthauptstadt der Spione“

Über 7.000 Agenten und Spione sollen derzeit in Wien ihrer Arbeit nachgehen, so viele wie in keiner anderen Stadt. Verantwortlich dafür ist der „Wiener und sein Wesen“, meint Emil Bobi in seinem neuen Buch „Die Schattenstadt.“
Kennt Emil Bobi auch Str. Ludwig, was denkt er über diese Ordnungsberater, die als Blockwarte fungieren, und dann die Hausmeister, von den man nie weiß, ob sie nicht auch Spione sind. Wir haben viel mehr Spione in Wien als Emil Bobi da annimmt.
„Wenn etwas Seltsames passiert, wenn etwas nicht erklärt werden kann und wenn diplomatische Verwicklungen und Spionage im Spiel sind, dann heißt es immer, das sei der österreichische Weg“, so Emil Bobi gegenüber wien.ORF.at. Der Journalist sorgt derzeit mit seinem Buch „Die Schattenstadt“ für Aufsehen. Darin geht er der Frage nach, wie Wien - bereits lange vor 9/11 und dem damit verbundenen Aufschwung der Geheimdienste - zur internationalen Agentenhochburg wurde.
Es kommen ehemalige Polizisten, Politiker, aber auch Kabarettisten und Psychoanalytiker zu Wort. Der Grazer Spionageforscher Siegfried Beer behauptet etwa, dass in Wien mindestens 7.000 Personen damit beauftragt sind, geheime Informationen zu beschaffen und zu übermitteln. Offiziell würden sie in den Botschaften und internationalen Körperschaften arbeiten. Bobi: „Die Agenten stellen aber keine Gefahr für Wien da. Es ist mehr als Fremdenverkehrsphänomen zu verstehen.“

Bobi: „Wiener sind Naturagenten“

Die österreichische Staatspolizei hält in ihrem Verfassungsschutzbericht 2013 fest: "Auch nach dem Kalten Krieg blieb Österreich ein zentrales Land in der Welt der Nachrichtendienste.“ Für Bobi ist jedoch ein weit älteres Phänomen dafür verantwortlich, warum Wien für Agenten attraktiv ist: „Der Grund ist, weil der sogenannte echte Wiener im privaten Bereich das gleiche macht, was Geheimdienste machen.“
Für Bobi ist der Wiener ein Naturagent, der in einer Volkskultur der Spionage aufgewachsen ist. „Das hat seinen Ursprung auf den Marktplätzen der Vormoderne, wo 40 Fremdsprachen auf der Straße zu hören waren. Der Wiener war immer damit beschäftigt, Fremde kennenzulernen und abzuwägen, was sie wollen. Er hat eine hohe Menschenkenntnis im Umgang mit fremden Kulturen.“
Es sei eine Ureigenschaft der Wiener Gesellschaft, seine eigenen Verhältnisse geheimzuhalten und die des anderen herauszulocken und scheibchenweise gegen gesellschaftlichen Profit weiterzuverkaufen. Bobi: „In Wien ist der bedeutsam, der viel zu flüstern weiß. Das Geheime gehört zum Kern der Gesellschaft. Wenn die Dinge klar und bekannt sind, kann man sie nicht mehr verhandeln. In Wien zählt das Nichtfestlegen, damit man es rückblickend auch anders gemacht haben kann. Das ist ein hochintelligenter Umgang und hat mit Wiener Schmäh zu tun.“

Spionage ist in Wien nicht strafbar

Ein wesentlicher Punkt ist auch ein Urteil des Obersten Gerichtshof aus dem Jahr 1956, nachdem Spionage in Osterreich nur dann strafbar ist, wenn sie sich direkt gegen Österreich richtet. Wenn in Wien also ausländische Staaten andere ausländische Staaten ausspionieren, ist das völlig legal.
Ex-Innenminister Karl Blecha soll das Urteil wie folgt übersetzt haben: „Kummt’s alle her, mocht jo nix. Tummelt’s eich, tauscht’s eich aus.“ Blecha hob jedoch auch den Zeigefinger: „Nur ans: Umbringen dürft’s eich net bei uns. Ihr dürft’s bei uns keine Gesetze verletzen. Net dass glaubt’s, ihr könnt’s do Leit kidnappen und außezahn. Weil dann is aus.“
Welche Folgen das OHG-Urteil in der Praxis hat, zeigte sich erst kürzlich, als bekannt wurde, wie intensiv der amerikanische Geheimdienst Deutschland ausspioniert. „Wenn die Amerikaner in Wien die Deutschen ausspionieren, ist das bei uns nicht nur alltäglich, sondern auch legal. Wien ist für die Amerikaner so etwas wie das europäische Guantanamo. Der Vergleich trifft es insofern, dass Guantanamo für die Amerikaner ein rechtsneutraler Raum ist, auf dem sie Dinge tun dürfen, die auf ihrem Territorium illegal wären. Auch in Wien dürfen sie in puncto Spionage Dinge tun, die sie woanders nicht tun dürfen“, so Bobi.

Tuschelkultur beliebt bei Agenten

Ein Beleg dafür, dass der Wiener ein guter Vermittler ist, sind die vielen internationalen Organisationen wie UNO, OPEC, OECD, IAEA oder OSZE, die in Wien ansässig sind. Entscheidend sind auch die geografische Lage, die Neutralität und die hohe Lebensqualität. „Es ist für Spione die größte Auszeichnung, wenn sie von ihren Organisationen nach Wien geschickt werden. Manche kommen nach ihrer Pension sogar hierher zurück. Das liegt am Wiener Milieu, an der Geheimniskrämerei und Tuschelkultur“, ist Bobi überzeugt.
Im Spionagegeschäft spielt Österreich selbst eher eine Gastgeberrolle. Bobi: „Wir haben nur das Heeresnachrichtenamt, das von den Amerikanern mitfinanziert wird, und das Bundesamt für Verfassungsschutz und Terrorismusbekämpfung, das unterautorisiert ist und keine ernstzunehmende Spionageabwehr betreibt. Das liegt daran, weil Spionage toleriert wird, dem Land Geld bringt und Wien eine Wichtigkeit verleiht.“

Wiener Flughafen als Schutzzone

Auch die Wiener Polizei sei machtlos gegen Spionage, wenn es sich um politisch relevante Fälle handelt. Bobi: „Denn dann ist sofort das Bundesamt für Verfassungsschutz und Terrorismusbekämpfung zuständig. Die Polizei bekommt oft Prügel, wenn es zu rechtsstaatlichen Auffälligkeiten kommt, wenn Leute außer Landes geschafft werden, damit nicht zu viele Fragen gestellt werden. Dann steht Korruption und Amtsmissbrauch im Raum. Dabei gibt es meist andere Gründe, die das Erfolgsprinzip dieses Landes sind - der österreichische Weg.“
Als im Vorjahr der Verdacht bestand, dass sich Edward Snowden auf dem Flugzeug des bolivischen Präsidenten Evo Morales befinden könnte, sperrten zahlreiche europäische Staaten ihren Luftraum. Schlussendlich landete das Flugzeug ausgerechnet in Wien. Was dann passierte, bleibt laut Bobi die "Wiener Wahrheit“ - eine Spielform der „ganzen Wahrheit“. Am Boden kam es jedenfalls zu keiner Verhaftung, sondern Bundespräsident Heinz Fischer traf seinen Freund Evo Morales.
Bobi: „An diesem Beispiel sieht man, wie Fischer diese Situaton virtuos löst. Am Ende waren alle zufrieden und niemand hat gemerkt, dass Fischer an diesem Vormittag als erster westlicher Politiker nicht mehr auf der amerikanischen Seite war. “


Sonntag, 27. Juli 2014

"trend"-Erhebung: Wiens Innere Stadt, Wien-Josefstadt und Eisenstadt sind die lebenswertesten Bezirke Österreichs

Check aller österreichischen Bezirke nach 16 Lebensqualitäts-Kriterien - Lienz, Zell am See und Voitsberg sind Schlusslichter


Wien (OTS) - Immobilienpreise, Einkommen, Arbeitslosigkeit, Sonnenstunden, Kriminalität, Kindergarten-Öffnungszeiten, Ärzteversorgung, Lebenserwartung,- das sind nur 8 von 16 Kriterien, nach denen das Wirtschaftsmagazin "trend" in seiner aktuellen, am Montag erscheinenden Ausgabe die Lebensqualität in allen 117 österreichischen Bezirken untersuchte. Spitzenreiter im trend-Ranking sind der erste und achte Wiener Gemeindebezirk - Innere Stadt und Josefstadt - sowie die burgenländische Landeshauptstadt Eisenstadt. Die ostösterreichischen Regionen, insbesondere die Wiener Bezirke Donaustadt und Favoriten, das Wiener Umland und das Burgenland sowie die Landeshauptstädte und ihre Umlandbezirke sind laut der trend-Titelgeschichte auch die Gegenden mit den höchsten Zuzugsraten in Österreich. Dagegen schneidet das strukturschwache Osttirol besonders schlecht ab: Der Bezirk Lienz liegt knapp hinter dem steirischen Bezirk Voitsberg und dem Salzburger Bezirk Zell am See an letzter Stelle des trend-Rankings. Agrar- und Umweltminister Andrä Rupprechter erklärt in einem Interview angesichts fortwährender Landflucht als "unser politisches Ziel, die Besiedlung des ländlichen Raums zu erhalten und den Wegzug zu bremsen." Rupprechter sieht "das Tauziehen zwischen Stadt und Land" als großes Thema bei den Finanzausgleichsverhandlungen 2015."
Die Zahlen für jeden Bezirk sowie Detailergebnisse zu den einzelnen Kategorien des Rankings sind ab Montag auf trend.at abrufbar.

Außer Spesen nichts gewesen

Innsbruck - Zehn Monate nach der Nationalratswahl hat die Bundesregierung wenig Zählbares vorzuweisen. Vor allem die Steuerreform drängt.

Bundespräsident Heinz Fischer wählte deutliche Worte: Die Kenntnis der vier Grundrechnungsarten würde ausreichen, um sich ausrechnen zu können, wohin der derzeitige Regierungskurs führe, erklärte er: Die Bundesregierung werde ihre Produktivität erhöhen und an ihrem Außenauftritt arbeiten müssen. Seit der Wahl Ende September 2013 hat das Kabinett Werner Faymann II tatsächlich nicht viel Zählbares aufzuweisen – einzelne persönliche Erfolge, wie sie etwa die Neo-Minister Sebastian Kurz oder Andrä Rupprechter erzielt haben, ausgenommen.
Umso wichtiger ist es jetzt, dass die beiden Koalitionsparteien SPÖ und ÖVP rasch in die Gänge kommen. Die ersten zwei Jahre einer Legislaturperiode sind für Reformen da, so heißt es, der Rest zur Vorbereitung auf die nächsten Wahlen. Reformen? Diesen Begriff kennen Frau und Herr Österreicher nur noch vom Hörensagen. Und weil sie immer Streitthema sind. Auf die Steuerreform zum Beispiel wartet die Bevölkerung nicht erst, seit die kalte Progression jede Lohnerhöhung frisst. Die Menschen können nicht mehr hören, wie gut es ihnen im Vergleich zu anderen Staaten geht, obwohl immer mehr mit dem Geld, das sie verdienen, kein Auslangen mehr finden. Sie haben nichts davon, dass sich die ÖVP hinter dem Nulldefizit verschanzt: Große Teile der Bevölkerung brauchen jetzt Unterstützung und nicht erst, wenn der Staatshaushalt saniert ist.
Wenn es nach Bundeskanzler Faymann geht, soll das Parlament im Juli 2015 eine Steuerreform beschließen, die diesen Namen auch verdient. Er will die Bundesländer miteinbeziehen, den Finanzausgleich neu regeln und ist erstmals bereit, auch über eine Verländerung der Steuerhoheit in Einzelbereichen zu reden. Was jetzt noch fehlt, ist die Umsetzung dieser Pläne.

Samstag, 26. Juli 2014

Wiener Wohnen ist Hoheitsverwaltung

Und jetzt wissen wir auch warum Wiener Wohnen nicht klagbar ist: weil es zur Wiener Hoheitsverwaltung gehört. Ganz klar, dass Wiener Wohnen das ausnützt und die Justiz ganz blöd dreinschaut. Die Geschädigten von Wiener Wohnen dürfen sich bedanken.

Die Idee klingt einleuchtend: Statt den in Klosterneuburg anfallenden Müll Tag für Tag nach Hagenbrunn (Bezirk Korneuburg) zu transportieren, wo er für den Transport zu verschiedenen Müllverbrennungsanlagen (MVA) verladen wird, könnte man ihn auch in die nahe Wiener MVA Spittelau bringen. 
BSU focht diese Entscheiddung beim Unabhängigen Verwaltungssenat Niederösterreich (UVS) an. Das Argument der Müllentsorger: Klosterneuburg hatte den Vertrag mit der Stadt Wien ohne vorherige Ausschreibung abgeschlossen. Der UVS schloss sich dieser Rechtsmeinung an und erklärte den Vertrag für nichtig.
Dagegen erhob wiederum die Stadtgemeinde Beschwerde beim Verwaltungsgerichtshof. Jetzt gaben die Höchstrichter der Klosterneuburger Stadtverwaltung recht und hoben den UVS-Bescheid wegen Rechtswidrigkeit des Inhalts auf. Da die Wiener MA48 kein Gewerbebetrieb, sondern eine Abteilung der Wiener Hoheitsverwaltung ist, handle es sich um eine interkommunale Zusammenarbeit zweier Gemeinden – und diese bedarf keiner vorherigen Ausschreibung.

Entsorgungsstadtrat Karl Hava rechnet bis zu 300.000 Euro Ersparnis pro Jahr

Wohnen ist zu teuer - auch in Tirol - Frauen von Wohnungslosigkeit betroffen

Wohnen in Tirol – Warum ist das Leben in Innsbruck so teuer?


Innsbruck: Innenstadt | Der Wahlkampf liegt nun bald ein Jahr zurück. Vor allem eher links ausgerichtete Parteien haben sich den Wohnungspreisen und Mietpreisen gewidmet. Das Wohnen muss wieder leistbar werden. Die Entwicklung der letzten Jahre ist erschreckend. Jahr für Jahr wurden neue Rekordpreise in Innsbruck erzielt. Im Jahre 2012 wurde die Landeshauptstadt sogar als teuerste Wohnstadt der Alpenrepublik bezeichnet. Innsbruck ist inzwischen hinter Wien, Graz und Salzburg zurückgefallen, was jedoch nicht zu bedeuten hat, dass die Wohnungs- und Mietpreise zurückgegangen sind.

Wie sieht die Entwicklung der letzten Jahre aus?

Im Jahre 2007 nahm die Wirtschaftskrise ihren Lauf. Eine große Immobilienblase in Amerika war geplatzt, die weltweit für Furore sorgte. Die Auswirkungen waren auch schnell in Europa und Österreich zu spüren. Das Wachstum ging zurück, der Optimismus sank und die EU geriet in einen wahrhaftigen Strudel der Hiobsbotschaften. Irland, Spanien, Portugal, Griechenland, Italien und Zypern dienen dabei als aussagekräftige Beispiele. Was passierte aber mit dem Immobilienmarkt? Die Preise für das Wohnen gingen in Innsbruck munter hinauf. Konnte man 2007 im Schnitt noch für um die 10 Euro pro Quadratmeter eine Wohnung mieten, sieht die Realität im Juli 2014 gänzlich differenziert aus. Je nach Wohnungsgröße sind im Schnitt 13-15 Euro pro Quadratmeter zu zahlen. Auch bei Wohnungskäufen ist ein Anstieg zu verzeichnen, wenn auch nicht derart dramatisch. Aktuell müssen im Durchschnitt zumindest 4.000 Euro pro Quadratmeter gelöhnt werden.

Wo liegen die Gründe?

Auf den ersten Blick mag dieser Trend kaum nachzuvollziehen sein. Die Wirtschaft erlebt einen Knick und der Immobilienmarkt in Innsbruck nimmt an Fahrt auf. Mehrere Faktoren erklären diesen Trend jedoch sehr gut. Zum einen muss betrachtet werden, dass Innsbruck nur bedingt expandieren kann. Die Tallage sorgt dafür, dass nur eine Erweiterung im Westen oder Osten möglich ist. Im Westen stellt der Flughafen ein Problem dar und im Osten ist die Stadt ohnehin schon großzügig ausgebaut. Neuer Wohnraum kann also nur bedingt geschaffen werden. Das nächste Problem stellt ein globales Problem dar. Der moderne Mensch will urban leben. Das Leben auf dem Land hat ausgedient. Erschreckend niedrige Immobilienpreise sorgen für immer mehr Geisterstädte in Mitteleuropa. Auf dem Land hat die Wertanlage Immobilie ausgedient. In der Stadt ist sie lukrativer denn je.

Wo befindet sich Sparpotential?

Es ist nachvollziehbar, dass für viele Verbraucher das Leben auf dem Land nicht in Frage kommt. Lange Wege hin zur Arbeit und kaum Freizeitangebote. Das Leben pulsiert in der Stadt. Doch dieser Luxus muss teuer bezahlt werden. So stellt sich an dieser Stelle die Frage, wo der Verbraucher überhaupt einsparen kann. Als Beispiel kann die Einrichtung dienen. Nicht immer muss es handgefertigte Ware vom Tischler sein. Vor allem für Verbraucher, die wenig Zeit haben, sind Onlineshops wie z.B. Universal, zu empfehlen.

Immer mehr Frauen von Wohnungslosigkeit betroffen


Mit steigender Armut steigt auch die Zahl der von Wohnungslosigkeit bedrohten Menschen. Dabei betrifft Wohnungslosigkeit nicht mehr nur Randgruppen. Aufgrund extrem hoher Mieten sind immer mehr Frauen betroffen. Der Anteil an Frauen in der Delogierungsprävention beträgt bereits mehr als die Hälfte, nämlich 58 Prozent.

"Genügend und ausreichend bezahlte Arbeitsplätze sind der beste Kampf gegen Armut. Armutsbekämpfung muss aber auch breit gedacht werden. Von der Bildungs- über die Steuer- bis zur Lohn- und Beschäftigungspolitik", so Soziallandesrätin Gertraud Jahn.

Das Land habe zur Prävention von Delogierungen und zur Wohnungssicherung das flächendeckende Angebot "Netzwerk  Wohnungssicherung" installiert. Es baut auf leicht erreichbare und möglichst frühzeitige Hilfestellung auf.
Ziel des „Netzwerk Wohnungssicherung“ war und ist, von Wohnungsverlust bedrohten Menschen eine rasche und wirkungsvolle Hilfestellung durch die Zusammenarbeit von Sozialberatungsstellen, Gemeinden und Trägern der Wohnungslosenhilfe zukommen zu lassen. 2013 wurden für Obdachloseneinrichtungen 3,1 Millionen Euro im Sozialbudget abgerechnet. Der Voranschlag für 2014 liegt bei 3,4 Millionen Euro.

5260 Personen wurden beraten


Im Jahr 2013 wurden 5260 Personen vom Netzwerk Wohnungssicherung beraten. Auffällig ist die Tatsache, dass bereits 39 Prozent der betroffenen Personen unter 18 Jahren sind. Neun Prozent sind zwischen 18 und 25 Jahren alt und 51 Prozent mehr als 25 Jahre alt.

Laut Oberlandesgericht Linz gab es im Jahr 2013 1337 eingereichte Räumungsklagen – dies sind 0,2 Prozent der 599.000 Privathaushalte in Oberösterreich. Das entspricht einem Rückgang von 1,2 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

VinziRast - 1 Jahr

Vor kurzem feierte das Projekt „VinziRast mittendrin" seinen ersten Geburtstag. ­Mitten im neunten Wiener Gemeinde­bezirk wohnen hier seit zirka einem Jahr ­ehemals obdachlose Menschen gemeinsam mit Studenten in gemischten Wohngemeinschaften. Wichtiges Bindeglied zur innerstädtischen Umgebung ist das Lokal „mittendrin" im Erdgeschoß, das sich mit gutem und gesundem Essen in angenehmer Atmosphäre ­bereits bei einem breiten Publikum etabliert hat. Den Beigeschmack eines Sozialprojekts sucht man vergebens.
Die Vorgeschichte des Projekts begann 2002, als sich eine kleine Gruppe Menschen rund um den Grazer Pfarrer Pucher das Ziel setzte, in Wien eine niederschwellige Notschlafstelle nach dem Beispiel des Vinzidorfs in Graz umzusetzen, und dafür einen Verein gründete. Architekt Alexander Hagner erfuhr von der Idee über eine Zeitungsmeldung. „Das war das, was ich eigentlich schon immer machen wollte", erzählt er heute, „wenn ich jemandem, der auf der Straße lebt, ein bisschen Geld gegeben habe, fühlte ich mich danach oft noch schlechter, weil es mir dadurch nur leichter fiel wegzuschauen. Ab dem Moment, wo man etwas macht, konfrontiert man sich hingegen damit. Mit meiner Nachricht an Pfarrer Pucher gelang mir der Schritt von einer gefühlten Hilflosigkeit hin zu einem Bewusstsein, dass ich etwas ändern kann. Ich habe gelernt Häuser zu bauen, und hier geht es um Menschen, die keines haben. Ich habe mich also bei Pfarrer Pucher gemeldet und ihn gefragt, ob er Architekten brauchen kann. Seine Antwort lautete schlicht und einfach: Wir brauchen alle." Am ersten Infoabend lernte Hagner dann auch Cecily Corti kennen, die sich ebenso für das Projekt engagierte und durch ihr Netzwerk vieles ermöglichte.

Zwölf Jahre zum Erfolg
Die Umsetzung gestaltete sich dennoch schwieriger als vermutet. Das liegt zunächst daran, dass es die Bauordnung unmöglich macht, eine Architektur anzubieten, die so niederschwellig ist, dass sie – so meint gaupenraub–als erster Schritt weg von der Obdachlosigkeit von den Nutzern auch angenommen wird. „Würde es sich in Wien um 30.000 und nicht ‚nur‘ um zirka 3.000 Obdachlose handeln, würde man sofort eine Notstandsregelung in Kraft treten lassen. Nur weil es nicht ganz so viele sind, akzeptieren alle, die für diese Gesetzgebung verantwortlich sind, dass Menschen in Isolation sterben und erst fünf Tage später gefunden werden oder von einem Hund aufgestöbert werden. Eine Tatsache, die in Wien Fakt ist", ärgert sich Hagner. Ein weiteres Hindernis stellen Anrainer dar. Zwei Jahre lang wurden Pläne für verschiedenste Grundstücke erstellt, woraufhin jedes Mal tausende Unterschriften dagegen gesammelt wurden.

Das Feedback lautete meist: Superprojekt, nur bitte nicht bei uns. 2004 wurde dem Verein ein leerstehendes Lokal in der Wilhelmstraße im zwölften Bezirk angeboten, wo Alexander Hagner ehrenamtlich die Notschlafstelle VinziRast für 60 Menschen plant. Ein erneuter Anlauf füre eine Notschalfstelle in Hetzendorf 2007 scheiterte. 2009/2010 realisierte gaupenraub eine Wohngemeinschaft für alkoholkranke Obdachlose, die einen Entzug hinter sich hatten – sozusagen der Prototyp von VinziRast-mittendrin. Doris Kerbler war hier die Bauherrnvertreterin und Böhm Stadtbaumeister (zu 100 Prozent Strabag-Tochter) die ausführende Firma. Hans Peter Haselsteiner, damals noch Vorstand der Strabag, der neben anderen bedeutenden Persönlichkeiten wie etwa auch Heide Schmid Mitglied des Vereins ist, finanzierte die Projekte (zu einem großen Teil) über seine Familienstiftung.

Die Idee hinter Vinzi­Rast-mittendrin entstand jedoch während der Audimax-Besetzung 2009. Viele Obdachlose suchten dort während der kalten Zeit Zuflucht und holten sich eine warme Mahlzeit ab. Manche beteiligten sich dafür bei anfallenden Tätigkeiten wie kochen oder Flyer kopieren. Durch das gemeinsame Tun und die Tatsache, dass leistbares Wohnen sowohl für die einen als auch für die anderen ein Problem darstellt, kamen einige Studenten auf die Idee der gemischten Wohngemeinschaften. Sie entdeckten das leerstehende Haus in der Währinger Straße und wendeten sich an Haselsteiner, von dem Sie wussten, dass er sich für die Ute-Bock-Stiftung engagiert. Dieser verwies an Cecily Corti und ihren Verein VinziRast, stellte aber seine finanzielle Unterstützung in Aussicht. Kurz darauf ermöglichte die Haselsteiner-Familienstiftung den Hauskauf. für alles Übrige musste jedoch der Verein aufkommen.

Mittendrin
Laut Alexander Hagner hat Obdachlosigkeit ihre Ursache in der Gesellschaft und soll auch dort behandelt werden. Umso mehr freut er sich, dass das Projekt VinziRast mitten in der Stadt einen Platz gefunden hat. Nicht nur, dass das Gebäude an einer der Haupteinfallstraßen liegt, es handelt sich dabei auch noch um ein Eckhaus aus der Biedermeierzeit, das wegen der damals geringeren Straßenquerschnittsprofile seine Nase mitten in den Stadtraum steckt. Dass es sich um ein Biedermeierhaus mit Bauklasse 2 handelte – noch dazu in einer Schutzzone – war der Grund dafür, dass sich Investoren bisher nicht für das Objekt interessiert haben. Auch für gaupenraub+/– stellten die hohen Auflagen eine Herausforderung dar.

Einmal mehr war hier eine der Kernkompetenzen des Büros gefragt, nämlich das Aufweichen, Dehnen und Durchbrechen von räumlichen Grenzen und manchmal auch von gesetzlichen Rahmenbedingungen. Bauklasse 2 bedeutet normalerweise: Traufhöhe 10,50 Meter, dann 45 Grad zurück und eine entsprechende Anzahl an Gaupen. Um sich hier etwas Spielraum zu verschaffen, studierten Ulrike Schartner und Alexander Hagner Biedermeierhäuser in der Bernardgasse, einer der am besten erhaltenen Straßen dieser Zeit. Sie stellten fest, dass man damals, um die Gebäude höher wirken zu lassen, jedes Geschoß 0,75-mal so hoch wie das darunterliegende baute. Wendet man diese Formel auf das Eckgebäude in der Währinger Straße an, kommt man auf eine Traufhöhe von 11,5 Metern, womit im obersten Geschoß ganz ohne Gaupen Fenster auf Augenhöhe möglich wurden. Mit diesen Argumenten und einem überzeugenden Entwurf rannten die Architekten beim Bezirksbauausschuss jedoch offene Türen ein. Vor allem die Idee der gemischten Wohngemeinschaften von Studierenden und ehemals Obdachlosen führte zu einem einstimmig positiven Ergebnis.

Die Wichtigkeit des Vertikalen Kontakts
Noch während man auf die Bewilligung wartete, wurde das Haus in Zusammenarbeit mit Obdachlosen leergeräumt. Hag­ner war es wichtig, die zukünftigen Nutzer von Anfang an miteinzubeziehen. Auch die „Innenarchitektur" wurde gemeinsam mit ihnen und ehrenamtlichen Mitarbeitern aus eigener Kraft umgesetzt. Von Worthülsen wie Partizipation und Nachhaltigkeit hält der Architekt dennoch wenig. Dass vieles selbstgebaut und wiederverwertet wurde, hat weniger damit zu tun als einfach mit den zur Verfügung stehenden Ressourcen. Erstmals war es hier so, dass Arbeitskraft ausreichend vorhanden war und kein Problem darstellte, doch das Geld für Material war trotz zahlreicher Geld- und Materialspenden knapp.

Die Firma Wilhelm Schmidt Stahlbau aus Schwechat stellte sogar für eine Woche zwei Mitarbeiter zur Verfügung und half so, die alte Dachkonstruktion im Hof zu einem identitätsstiftenden Rankgerüst zu adaptieren. Die Bar wurde aus den Dachsparren gefertigt und die alten Dachbodenziegel für die Böden der Werkstätten wiederverwendet. Ein Design-Highlight stellen die Wände des Restaurants dar, die als Gemeinschaftswerk von unzähligen Beteiligten aus Unmengen von Obstkisten gestaltet wurden. Alexander Hagner fühlte sich bei der VinziRast wie bei keinem anderen Projekt in die Pflicht genommen.

„Ich hatte das Gefühl, die Gestaltung ist in diesem Fall nicht nur entscheidend dafür, ob das Resultat mehr oder weniger schön ist, sondern für den Erfolg oder Misserfolg", so Hagner. Die Architektur sollte es den Menschen erleichtern, daran teilzunehmen. Diesen Schluss zog er aus einem persönlichen Erlebnis. Im Zuge seiner Beschäftigung mit dem Thema wollte Hagner die Wiener Gruft besuchen. Kurz vor dem Eingang drehte er jedoch wieder um. Erst beim zweiten Anlauf gelang es ihm, seine Hemmschwelle zu überwinden. Es war also klar, dass die Grenze zwischen drinnen und draußen möglichst transparent sein musste und keinesfalls entlang einer geraden Linie verlaufen durfte, auch wenn dies bis heute zu dauernden Streitigkeiten mit der Stadt führte, da die passenden Fußabstreifer zu den schräg gesetzten Eingängen in öffentliches Gut hineinragen würden. Besonders bewährt hat sich der über Winkel geführte außenliegende Laubengang im Hof.

Hagner ist davon überzeugt, dass dieser maßgeblich zur extrem guten Beziehng zwischen den Bewohnern der einzelnen Stockwerke beiträgt. Die Idee dahinter war eigentlich, das Konfliktpotenzial möglichst gering zu halten und Ausweichmöglichkeiten anzubieten. Jede Gemeinschaftsküche wurde mit drei Türen ausgestattet: eine direkt ins Freie auf den Laubengang, eine ins Stiegenhaus und eine in den Nachbarraum. Zudem gibt es vier Varianten, sich im Haus auf- und abwärts zu bewegen: zwei alte und ein neues Stiegenhaus und den Lift. Wichtige Bestandteile des Raumprogramms waren außerdem die gemeinsame Dachterrasse und das Dachatelier ohne fixe Nutzung, das den genau definierten 1.500 restlichen Quadratmetern im Haus etwas entgegenstellt und für Feiern, Meetings, Yoga und Veranstaltungen zur freien Verfügung steht, aber auch durch Vermietung eine dankbare Einnahmequelle darstellt, um langsam die Kredite abzuzahlen.

Hatte gaupenraub+/– ursprünglich geplant, 35 Prozent des errechneten Honorars zu schenken, sind es am Ende dann doch eher 60 Prozent geworden, was dazu führte, dass sich das Büro erst einmal wieder finanziell erholen muss, um nicht selbst in die VinziRast einziehen zu müssen, wie Hagner scherzt. Trotzdem verdankt er der Arbeit für den Verein sein bisher größtes Erfolgserlebnis. Damit meint er nicht einen der inzwischen zahlreichen Preise wie etwa den Urban Living Award 2013, sondern die erste Nacht, in der 2004 die Notschlafstelle in der Wilhelmstraße eröffnet wurde und 60 Menschen durch seine Arbeit nicht auf der Straße schlafen mussten. Was das ursprüngliche Vinzidorf-Projekt betrifft, gibt es seit 2007 zwar ein konkretes Grundstück, aber immer noch keine Baubewilligung. Mit vielen Kompromissen sei dies inzwischen jedoch nur noch eine Formsache.

VeranstaltungStipp
Im Rahmen der Reihe Lectures and Debates der New Design University (NDU) sprach Alexander Hagner kürzlich über das Thema „Architektur als soziales Handlungsfeld". Die Vortragsreihe greift regelmäßig relevante Themen rund um Architektur, Design und Business auf und findet in Kooperation mit der HYPO NOE Gruppe und mit Unterstützung des Landes Niederösterreich statt. 
von Gertrud Purdeller