Sonntag, 23. Oktober 2016

Das Mistkübelbüro

Wer immer noch denkt, dass Österreich keine Bananenrepublik ist, sei gewarnt! Sie ist es. Wer jemanden in der Stadtregierung sitzen hat, dem geht's gut, der kann walten wie er möchte.

Das nicht umgesetzte „Mülltonnenhaus“ für die MA 48 sorgt in der Architektenkammer weiter für Ärger. Gefordert werden nun klare Wettbewerbsregeln, aber kein Rücktritt von Umweltstadträtin Ulli Sima (SPÖ).


In der Fragestunde im Gemeinderat sprach Sima am Freitag von starren Richtlinien für Gestaltungswettbewerbe, über die sie diskutieren will. Problematisch sei, dass zwischen Juryentscheidung und Realisierung oft eine lange Zeit vergehe.
Christoph Maierhofer, Sektionsvorsitzender der Architekten in der Kammer, forderte am Sonntag gegenüber „Wien heute“ klare Wettbewerbsregeln: „Vergaberecht und Wettbewerbsordnungen müssen auch von der öffentlichen Hand respektiert werden. Der Auslober kann sämtliche Bedingungen für den Wettbewerb vorgeben inklusive der Maximalkosten. Allein durch die Formulierung der Ausschreibung kann sich die Stadt die Letztentscheidung vorbehalten.“

Kein Rücktritt gefordert

Der Anlass für die Diskussion war das Projekt eines Bürohauses der MA 48. Sima soll ein Haus in Form einer Mülltonne favorisiert haben, eine Jury hatte ein anderes Projekt bevorzugt. Umgesetzt wurde letztlich kein Vorschlag - mehr dazu in Sima verteidigt „Mülltonnenhaus“ (wien.ORF.at; 12.10.2016) undArchitektenprotest: Sima spricht von „Einzelfall“ (wien.ORF.at; 5.10.2016).
Einen Rücktritt der Umweltstadträtin fordert die Architektenkammer wegen des Streits nicht. Dass kein Projekt umgesetzt wurde, sorgt aber für Ärger, die Teilnahme an einem Wettbewerb ist laut Maierhofer „unter 10.000 Euro nicht machbar - wegen der hohen Anforderungen - Plandarstellungen, Renderings, Modellbau. Leider geht es oft um viel höhere Beträge.“
Die sechs Teilnehmer am Wettbewerb für das Haus der MA 48 erhielten 5.000 Euro Aufwandsentschädigung. Für Maierhofer stellt aber schon die Wettbewerbsauslobung „auch einen Vertrag dar“: „In diesem Vertrag ist vereinbart, dass der Auslober beabsichtigt, das Siegerprojekt auch umzusetzen. Das ist auch eine Frage der Fairness. Der Bereitschaft, auf Risiko zu arbeiten, muss der zu gewinnende Auftrag gegenüberstehen.“

Die Kammer will klaren Regeln

Das nicht umgesetzte Büroprojekt für die MA 48 sorgt bei der Architektenkammer weiter für Unmut, klare Regeln werden gefordert.

Reform soll größtmögliche Qualität bringen

Dass Sima in manchen Bereichen nun überhaupt auf Wettbewerbe verzichten will, sieht Maierhofer als falschen Weg: „Man sieht, wie wertvoll Wettbewerbe sein können, wenn man ihre Ergebnisse auch beachtet. Wir haben jetzt gar kein Gebäude. Ich wundere mich auch, dass die Stadt Wien einen Wettbewerb für ein Gebäude ausschreibt und dann dieses Gebäude gar nicht benötigt.“
Auch die Architektenkammer sei „für eine Reform der Wettbewerbe, aber in dem Sinn, dass die größtmögliche Qualität für das von den Steuerzahlern zur Verfügung gestellte Geld einverlangt wird. Dafür gibt es kein besseres Instrument, als das beste Projekt über einen Wettbewerb zu finden.“

Arbeitslos mit € 8700

Eine Arbeitslose mit 10 x höherem Einkommen! Das nenne ich Ungleichheit.



8700 Euro monatlich fürs Nichtstun - lautet der Vorwurf. Die Kritik an nicht amtsführenden Stadträten in Wien ist mit dem aktuellen Sparkurs der Stadt neu entfacht worden. "Nur Peanuts", kontert Ursula Stenzel. Im "Krone"-Interview erklärt die Stadträtin ohne Ressort, warum sie hervorragend bei der FPÖ angekommen ist und wo die Stadt den Sparstift ansetzen sollte.

Samstag, 22. Oktober 2016

Sparkurs

das der Sparkurs in die falsche Richtung führt, dürfte jetzt auch schon Regner aufgefallen sein. Kern macht was er will, völlig losgelöst von der Wählerschaft. Was Europa jetzt vom Wiener Sozialen Wohnbau lernen kann ist allerdings nicht ganz klar.
Siehe dazu: http//derdreck.blogspot.co.at

Die SPÖ-Europaabgeordnete sprach sich auch unmissverständlich für eine veränderte politische Ausrichtung in Europa aus. Investitionen für Wachstum und Beschäftigung müssten endlich wichtiger genommen werden als eine strikte Sparpolitik. „Die europäische Investitionsinitiative, die maßgeblich von der europäischen Sozialdemokratie angestoßen worden ist, soll auch auf kommunaler Ebene intensiv genutzt werden. Der Stabilitätspakt betrifft auch die Kommunen. Es ist absurd mitansehen zu müssen, dass Kommunen Geld, das sie hätten, nicht ausgeben können. Die ‚Golden Rule‘ muss endlich eingeführt werden, um nachhaltige Investitionen von den Berechnungen zum Stabilitätspakt ausnehmen zu können“, fordert Regner.
„Die Europäische Union muss viel sozialer gestaltet werden. Vor allem grenzüberschreitende Ungerechtigkeiten müssen im Sinne der Bürgerinnen und Bürger ausgeräumt werden. Probleme wie Sozial- und Steuerdumping machen nicht an der Grenze halt, hier werden ganze Länder bzw. Städte gegeneinander ausgespielt. Unternehmen wie Starbucks, Apple oder Ikea muss von politischer Seite klar ausgezeigt werden, dass auch sie sich an die Regeln halten müssen, die für jeden Handwerksbetrieb oder Kaffeehausbetreiber gelten“, so Regner, Mitglied im Steuer-Untersuchungsausschuss „Panama“ des Europäischen Parlaments.


Das soziale Europa

Die wollen das soziale Europa weiterentwickeln? In Wahrheit denken sie angestrengt nach, wie sie es abschaffen können. Reden kann man viel, handeln ist schwierig.

Harte Kritik hagelt es heute von SP-Gemeinderat Ernst Woller für die Abgeordneten von FPÖ und ÖVP im Rahmen des Wiener Gemeinderats zum Thema Europapolitik. 
Der FPÖ gehe es nur darum, zu polemisieren und zu hetzen. Tiraden gegen Sozialstaat und Sozialleistungen seien die Art, wie FPÖ und ÖVP prinzipiell Politik – auch Europapolitik – betreiben. In Richtung ÖVP sagt Woller, dass sich diese längst von ihren christlich-sozialen Werten verabschiedet habe und nur noch Oppositionspolitik wie die FPÖ betreibe. 
„Polemische Aussagen sind wichtiger, als eigene konstruktive Vorschläge vorzubringen“, so Woller. „Für uns jedenfalls ist diese Art der Politik kein Thema“, hält Woller weiter fest und verspricht, den Sozialstaat im Interesse aller, die Hilfe benötigen und auf soziale Leistungen angewiesen sind, zu verteidigen.
In Europa braucht es gemeinsame Allianzen – zwischen den Europäischen Institutionen und den Städten Europas, um bestmöglich funktionieren zu können. „Wir sind überzeugt, dass Europapolitik Innenpolitik und damit selbstverständlich Teil unserer Wiener Kommunalpolitik ist. Und auch unsere Kommunalpolitik ist Teil der Europapolitik. Der Erfolg oder Nichterfolg der Städtepolitik ist entscheidend für die positive Entwicklung und Akzeptanz der europäischen Integration.“
Mehr als 75 Prozent der Bürgerinnen und Bürger Europas leben und arbeiten in Städten. Daher müsse auch die Europäische Union die Städte viel stärker in die europäische Politik einbeziehen und deren innovative Kraft nutzen. So sei es aber auch Aufgabe der Städte, sich entsprechend Gehör zu verschaffen. Wien mache das seit mehr als 20 Jahren. „Wien hat viele Europadeklarationen erarbeitet, diskutiert und beschlossen. So wurde beispielsweise das Rederecht für Europaabgeordnete eingeführt, Wien ist aktiv im Eurocities-Netzwerk und in der neuen ‚Urban Agenda’. Wien hat auch einen eigenen Ausschuss für europäische und internationale Angelegenheiten im Gemeinderat geschaffen“, nennt Woller einige der vielen Beispiele. Generell würde Wien, insbesondere der Wiener Bürgermeister Dr. Michael Häupl, viel Lobbyarbeit betreiben, um Wien bestmöglich in politische Entscheidungen der EU einzubinden.
„Für uns gehört europäische Politik zur täglichen Arbeit“, zeigt sich Woller stolz und hebt in diesem Zusammenhang auch die hervorragende Arbeit der MA27 sowie des Wien Hauses in Brüssel hervor. „Europapolitik findet nicht nur in Straßburg oder Brüssel statt, sondern auch in vielen weiteren Büros. Mit der MA27 wurde eine Fachabteilung für europäische Angelegenheiten in Wien geschaffen, die viele Erfolge verzeichnet. Durch die zahlreichen grenzüberschreitenden Programme nimmt Wien auch Mittel von EU-Fördertöpfen in Anspruch. Darauf sind wir stolz. Mit dem Wien Haus in Brüssel haben wir eine starke Stimme in Europa und ein waches Ohr am Puls der Europäischen Union.“

Sozialer Wohnbau ist Kernkompetenz Wien=

Die Stadt Wien hat in der neuen Urban Agenda den Vorsitz in der Städtepartnerschaft "Housing" übernommen, das ist kein Zufall, weil der soziale Wohnbau seit fast 100 Jahren eine Kernkompetenz Wiens ist. Mit der Städtepartnerschaft „Housing“ ist eine Initiative für den Erhalt und Ausbau des sozialen und nachhaltigen Wohnbaus in Europa gegründet worden. Ziel dieser Initiative ist es, eine soziale Durchmischung zu erreichen und die Bildung von Ghettos zu verhindern. „Mehr als 30 Bürgermeister haben diese Initiative, die von Bürgermeister Michael Häupl und Wohnbaustadtrat Michael Ludwig gegründet wurde, mittlerweile unterschrieben. Sozialer Wohnbau muss für alle Schichten zugänglich sein und leistbar bleiben - nicht nur für Einkommensschwache. Wohnen ist ein Grundrecht für alle und das wollen wir durch die Städtepartnerschaft 'Housing' erreichen“, erklärt Woller.
"Wir brauchen nicht nur ein Europa der Wirtschaftsinteressen, sondern auch der sozialen Interessen. Europa kann nur gemeinsam mit den Städten weiterentwickelt werden, denn in den Städten entscheidet sich die Zukunft der EU und unseres Kontinents“, so Woller abschließend.

Donnerstag, 13. Oktober 2016

Die teuren „eigenen vier Wände“

Der freie Markt dominiert und der Soziale Wihnbau ist da nicht ausgenommen.

Die Wohnkosten explodieren gegenüber den Einkommen. Ein Trend, bei dem Österreich im Vergleich zu anderen Ländern noch gut dasteht, macht sich auch hierzulande immer stärker bemerkbar. Unter Preisdruck steht vor allem das Leben in den Städten. Sozialer Wohnbau wäre gefragt, doch an vielen Orten dominiert der freie Wohnungsmarkt.
Seit 2011 sind die Mieten in Österreich um 15 Prozent gestiegen. Das klingt moderat. Tatsächlich verbirgt sich hinter dieser Statistik ein alarmierendes soziales Gefälle: Ärmere Haushalte haben deutlich höhere Wohnkosten als Durchschnittsverdiener und Wohlhabende. Der Grund: Gutverdiener können sich eher Eigentum leisten, schlechter verdienende Menschen sind auf Mietverhältnisse und die ständig steigenden Mietpreise angewiesen. Gerade beim Thema Wohnen geht die soziale Schere deutlich auseinander.

Studie belegt deutliche Unterschiede

Erst im Frühsommer machte eine Studie der Immoplattform Immoscout24 deutlich, dass das Wohnen in Österreich gegenüber Deutschland deutlich teurer sei, und das trotz des höheren Mietniveaus etwa einer Stadt wie München gegenüber Wien. Der Grund: Die Kaufkraft der Einkommen in Deutschland ist größer.
Gemessen am verfügbaren Einkommen waren die Mieten in österreichischen Städten wesentlich höher als in vergleichbaren deutschen Orten. Der Anteil der Mietkosten für eine 80-Quadratmeter-Wohnung am verfügbaren Jahreseinkommen liegt in Innsbruck (mit 52,9 Prozent), Wien (46,74 Prozent) und Salzburg (46,2 Prozent) deutlich über deutschen Städten wie München (45,93 Prozent), Hamburg (38,5 Prozent) oder Berlin (38,32 Prozent).

Luxus ohne Grenzen?

20.000 Euro für den Quadratmeter. Die Wiener Maklerin Elisabeth Rohr führt durch eine Luxusimmobilie in der Hauptstadt, inklusive „Panikraum“. Gegenstimmen erinnern an das Grundrecht auf Wohnen.
Obwohl die Mietpreise in Wien 2015 mit durchschnittlich 10,8 Euro pro Quadratmeter deutlich günstiger sind als in München (mit 13,6 Euro pro Quadratmeter), macht die unterschiedliche Kaufkraft den Unterschied. Denn die der Wiener erreicht laut Marktforschungsinstitut GfK im Schnitt nur 22.246 Euro pro Jahr, in München liegt das verfügbare Durchschnittseinkommen laut deutschem Geomarketingunternehmen Nexiga bei jährlich 28.320 Euro.

TV-Hinweis

Die Dokumentation „Wohnen: ein Luxus“ am Donnerstag um 22.30 Uhr in ORF2 zeigt auch anhand von Rechenbeispielen, wie die Wohnkosten gegenüber den Einkommen explodieren. Die Dokumentation entstand in Zusammenarbeit mit der Plattform Dossier, die dafür gezielte Datenanalysen durchgeführt hat.

Von finanzierbar bis Luxus

Bei bestimmten Immobilien sind die Kosten ohnedies weit entfernt von jedem Durchschnittsgehalt. Im ersten Wiener Gemeindebezirk präsentiert die Immobilienmaklerin Elisabeth Rohr eines der luxuriösen Appartements der Wiener Innenstadt: Kaufpreis: 7,4 Mio. Euro. Finanzierbar ist diese Wohnung, nur eben für vermögende Menschen oder Immobilieninvestoren. Ebenfalls in Wien, aber in einer ganz anderen sozialen Welt lebt die 51-jährige Gabriele Rad mit ihren zwei Kindern. Sie lebt von der Mindestsicherung, geriet in Mietrückstände und wurde schließlich delogiert. Wohnungsnot ist aber längst nicht mehr nur ein klassisches Armutsproblem.
Das Modell eines Mittelstandsangestellten, man nenne ihn Michael, mag als Beispiel dienen. Zahlte er Ende der 1990er Jahre für seine 75 Quadratmeter große Wohnung pro Jahr noch 4.200 Euro, so muss er im Jahr 2014 dafür schon 6.650 Euro aufwenden. Die Entwicklung seines Lohnniveaus konnte dabei mit der Entwicklung der Wohnungskosten nicht mithalten. Seit 2004 geht die Schere zwischen Einkommenszuwachs und Preissteigerung beim Wohnen deutlich auseinander.

Die Wohnen-Einkommen-Schere

Ab 2004 gehen die Entwicklungen der Wohnkosten und die Lohnsteigerung deutlich auseinander. 2015 muss man einen deutlich höheren Anteil des Gehalts für das Wohnen aufwenden als noch Ende der 1990er Jahre.

Preistreiber Immospekulation

Als wirksamer Preistreiber auf dem Wohnungsmarkt gilt nicht nur in Österreich die Immobilienspekulation. In Hamburg hat in den letzten Jahren der Streit um die Esso-Häuser für Schlagzeilen gesorgt. Eine jahrelange Auseinandersetzung um den Abriss einer hauptsächlich von einkommensschwachen Mietern bewohnten Anlage hat den bayerischen Investor und den Bezirk St. Pauli in Hamburg zusammen an den Tisch gebracht. Für eine Neuwidmung der Anlage und Baukubatur mussten Betroffene und Errichter zusammen an den Tisch. Demonstrationen, Straßenschlachten und Polizeieinsätze hatten sich zu einem Imageschaden für den „Kiez“ St. Pauli und die gesamte Hansestadt Hamburg ausgewachsen.
Straßenschlacht in St. Pauli in Hamburg
ORF
Krawall im Kiez: Der Abriss des Esso-Blocks im Hamburger Stadtteil St. Pauli brachte die Wohndebatte auf die Straße. Die Stadt Hamburg wollte solche Bilder für die Zukunft vermeiden und lud die Betroffenen an den Tisch.

Großbritannien und das „Right to Buy“

In Großbritannien ist man, wie Beispiele der Doku zeigen, weit davor entfernt, den Mangel an erschwinglichem Wohnraum kompensieren zu können. Das „Right to Buy“, ursprünglich eine alte Labour-Losung, wonach sich Arbeiter ihre geförderten Wohnungen und Häuser einmal erwerben können, hat über Jahrzehnte zur Verknappung von gefördertem Wohnraum geführt. Michael Heseltine war als Minister treibende Kraft unter Premierministerin Margret Thatcher bei der Umsetzung des Planes, die „Council Houses“ in Privateigentum überzuführen. Das Projekt wurde zu einem der Hauptmerkmale des „Thatcherismus“.
„Wir haben sehr lange keine Wohnungen gebaut“, konstatiert Gavin Smart von der Interessenplattform Chartered Institute of Housing, das die Aktion „Help to buy“ (eine Beratung für Erstkäufer) ins Leben gerufen hat, gegenüber dem ORF: „Als Konsequenz sind Haus- und Wohnungspreise in den letzten Jahren dramatisch gestiegen. Und diese Steigerungen gehen deutlich über die Einkommenssteigerung der Bevölkerungen raus. Wir haben, wie wir es nennen, eine ‚Leistbarkeitskrise‘.“
Demo für leistbares Wohnen in Manchester
ORF
Wohnen als Menschenrecht: Demonstranten in Manchester artikulieren ihren Unmut
Das „Right to Buy“ habe dem Mietmarkt einen Großteil der Wohnungen entzogen, kritisiert auch Ian Munro vom Bauträger New Charter Housing. „Wo bekommen wir einen Ersatz für erschwingliche Mietwohnungen, die alle Privateigentum sind?“, fragt er. Allein in den kommenden fünf Jahren würden in Großbritannien 370.000 solcher Wohnungen fehlen, rechnet er gegenüber dem ORF vor.

Verstecktes „Right to Buy“ in Österreich

Ganz ausgestorben ist das „Right to Buy“-Prinzip auch in Österreich nicht. Robert Temel, Sprecher der Plattform Baukulturpolitik, erinnert auf Anfrage von ORF.at in diesem Zusammenhang an den Mietkauf im geförderten Wohnungsbau, der mittlerweile häufig sogar verpflichtend sei. Die Bauträger bieten hier nach zehn Jahren den Mietern die Wohnung zum Kauf an. „Solche Maßnahmen sind dem Ziel leistbaren Wohnens genau entgegengesetzt, weil diese Wohnungen damit zu dem Marktobjekt gemacht werden, welches sie im Besitz eines gemeinnützigen Bauträgers nicht sind. Beim Bauträger wird die Miete nicht durch den Markt, sondern durch die Grundstücks- und Baukosten bestimmt“.

Neue Bauten, aber wo?

Die größte Anforderung an den sozialen Wohnbau bleibt der Errichtungspreis für einen Quadratmeter Neubauwohnung. Um diesen zu erreichen, gilt es, nicht nur bei den technischen und baulichen Maßnahmen ökonomisch effizient zu kalkulieren. Die Frage der Lage und der Grundstückspreis sind weitere zentrale Aspekte bei der Kalkulation. In Berlin muss man für einen errichteten Quadratmeter deutlich sparsamer kalkulieren als in Wien, ist doch schon das Grundmietniveau in Berlin deutlich niedriger als in Wien.

Exportmodell sozialer Wohnbau

Der österreichische Architekt Otto Höller erläutert die Idee des sozialen Wohnbaus und seine Anwendung in Berlin, wo man sich bei der Schaffung günstigen Wohnraums zuletzt zunehmend an Wiener Modellen orientiert.
Asyl, Flucht und Migration verschärfen die Wohnungsfrage zusätzlich und dramatisch: Wie Lösungen aussehen könnten, zeigt die Dokumentation anhand eines Wohnprojektes in Berlin. Wie erschwinglicher Wohnraum für Asylsuchende und die einheimische Bevölkerung entstehen kann, ist nicht zuletzt eine Herausforderung für Planer und Architekten.

Vorbild für Europa?

Im europäischen Vergleich zeigt sich, dass das Wiener Modell des geförderten Wohnbaus durchaus vorbildlich für Europa sein kann, wie Experte Temel gegenüber ORF.at bestätigt. „Das österreichische und speziell das Wiener Modell des geförderten Wohnbaus ist zweifellos in vieler Hinsicht vorbildhaft, selbst wenn es auch hier noch einiges Entwicklungspotenzial gibt“, analysiert er.
Goethehof in Wien
ORF
Wien als historisches Vorbild für den sozialen Wohnbau? Manchmal fehle der Gegenwart der städtebauliche Gesamtblick, bemängelt Experte Temel.
Das Spezielle am heimischen Modell sei, dass die Akteure wie die gemeinnützigen Bauträger nicht ohne Markt, aber in einem geschützten Markt operieren. Durch die gesetzlich fixierte Gewinnbeschränkung und einen gesetzlichen Auftrag für gemeinnütziges Wohnungswesen sei es möglich, langfristig kostengünstige Mieten anzubieten.
Hinzu komme, erinnert Temel, die Wohnbauförderung, die in Österreich vergleichsweise hohe Budgets besitze. Wien etwa gibt jährlich etwa 600 Mio. Euro für Wohnbauförderung aus; das ist wesentlich mehr als vergleichbar große deutsche Städte. Mit der Förderung seien auch Qualitätsanforderungen verbunden. „Das heißt“, so Temel, „die Förderung erhält man nur, wenn man bessere Wohnhäuser baut als ohne Förderung.“

Auch Österreich kann sich verbessern

Dennoch sieht er auch in Österreich deutlichen Verbesserungsbedarf in der Schaffung finanzierbaren Wohnraums. Entscheidend sei die Bodenpolitik, denn etwa auch in Wien seien die Preise massiv im Steigen begriffen: „Es braucht neue Ansätze der Bodenpolitik, um preiswerte Grundstücke für leistbaren Wohnbau durchzusetzen.“
Entscheidend für Temel ist am Ende aber auch der städtebauliche Ansatz, bei dem man auch in Wien lange Zeit wenig innovativ gewesen sei. Mittlerweile gebe es mit Projekten wie Aspern aber gute Ansätze. Gestaltung des öffentlichen Raums, die Stadt der kurzen Wege mit Nahversorgung im Wohnumfeld, Nutzungsmischung, neue Mobilitätsangebote - das sieht er als Kernelemente für eine städtebauliche Entwicklung rund um das geförderte Wohnen.
Wichtig ist für Temel die Beteiligung der Zivilgesellschaft. Noch immer baue die Wohnbaupolitik auf eine Kooperation zwischen Stadtpolitik und großen gemeinnützigen Wohnbauträgern. Das wäre gerade vor dem Hintergrund neuer Herausforderungen zu erweitern, etwa durch den Ausbau von Baugemeinschaftsprojekten.

Mittwoch, 12. Oktober 2016

Wie gefährlich ist Wien?

http://www.krone.at/videos/wien-1100-wie-gefaehrlich-ist-favoriten-wirklich-schlimmster-bezirk-video-534066

Siehe auch: https://derdreck.blogspot.co.at