Montag, 21. Oktober 2013

Wiener Wohnungslosenhilfe rüstet für den Winter auf

Wiener Wohnungslosenhilfe rüstet für den Winter auf

Von winterlichem Wetter sind obdachlose Menschen besonders betroffen. Die Wiener Wohnungslosenhilfe plant zusätzliche Schlaf- und Tagesbetreuungsplätze für 2013 zu schaffen.
“Im Winter muss in Wien niemand die Nacht auf der Straße verbringen. Dafür nehmen wir heuer zusätzliche 700.000 Euro in die Hand. So wie in den letzten Jahren sind alle NGOs in die Vorbereitungen eingebunden. Bei einem Runden Tisch mit FSW, NGOs und Polizei werden diese Gespräche in den kommenden Wochen intensiviert”, so Sozialstadträtin Sonja Wehsely
Insgesamt werden für die Wiener Wohnungslosenhilfe jährlich über 48 Millionen Euro aufgewendet. Dafür werden rund 5.000 Wohn- und Schlafplätze in 90 Einrichtungen sowie eine Vielfalt von Beratungs- und Unterstützungsangeboten finanziert.

Schlafplätze für Obdachlose im Winter

“Der Runde Tisch ist den Grünen ein besonderes Anliegen, damit Vorfälle wie im Stadtpark nicht mehr passieren. In Wien sind wir stolz darauf, dass wir im letzten Winter gemeinsam 2.300 obdachlose Menschen versorgt haben, egal woher sie kommen”, so Birgit Hebein, Sozialsprecherin der Grünen Wien.
Für diesen Winter hat der Fonds Soziales Wien (FSW) erneut gemeinsam mit den Betreuungsorganisationen einen Etappenplan erstellt, um nach und nach mehr Menschen versorgen zu können. Ab dem 1. November können beim Roten Kreuz, dem Arbeitersamariterbund Wien, “wieder wohnen” und Caritas schrittweise zwischen 300 und 400 weitere Schlafplätze sowie zusätzliche Tagesaufenthaltsplätze und Wärmestuben bereitgestellt werden. Den Anfang macht das Rote Kreuz mit Erweiterung der Nachtquartiere “Haus Hermes” in der Gänsbachergasse und “Haus Otto” auf dem Gelände des Otto-Wagner-Spitals, dessen Gesamtkapazität momentan von 70 auf 100 Plätze aufgestockt wird.

Obdachlose in Wien: Wer hat Anspruch?

Einen Anspruch auf die Leistungen der Wiener Wohnungslosenhilfe haben an sich nur Menschen, die in Wien niedergelassen sind. Das können österreichische Staatsangehörige sein oder Gleichgestellte, also z.B. anerkannte Flüchtlinge (Asylberechtigte), Menschen mit anderweitigem dauerhaften Aufenthaltstitel und EWR-BürgerInnen, sofern sie in Wien niedergelassen sind und eine Anmeldebescheinigung haben – die Einzelheiten werden durch das Niederlassungs- und Aufenthaltsgesetz (NAG) geregelt.
Die meisten niederschwelligen, ambulanten Angebote wie Straßensozialarbeit, Tageszentren und der LouiseBus stehen grundsätzlich allen Menschen offen. Die im Rahmen der Wiener Wohnungslosenhilfe geförderten Nachtquartiere hingegen sind im Regelfall Wienerinnen und Wienern vorbehalten. In den kalten Wintermonaten sei diese Unterscheidung allerdings zweitrangig, wird betont: “Bei Minusgraden muss in Wien niemand auf der Straße nächtigen”, heißt es vom Fonds Soziales Wien.
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Akt.: 21. Oktober 2013 13:44


Nur ein Traum: Traumhafter Gemeindebau

Nur ein Traum: Traumhafter Gemeindebau
Soho in Ottakring, Notizen von einer Führung durch die Sandleiten – und ein Traum, den ich Ula Schneider verdanke: Geh bitte, der Ärmste, muss am Spittelberg wohnen, Downtown Vienna, kein Vogerl zwitschert dort vor seinem Fenster. Geweckt wird er von Motoren, und dafür zahlt er drei Mal so viel Miete wie wir. Und bei uns im Gemeindebau? Das pralle Leben! Künstler, Kreative, Studenten – alle bemühen sie sich hier um Wohnung oder Atelier. Auch fein: Die Immobilienhaie können nicht zuschnappen!
(KURIER) ERSTELLT AM 21.10.2013, 05:00


Sonntag, 20. Oktober 2013

Obdachlose: Ein Drittel ist unter 30

Obdachlose: Ein Drittel ist unter 30

Immer mehr junge Menschen schlittern in die Obdachlosigkeit. Die Caritas fordert politische Maßnahmen und kritisiert den Umgang mit Betroffenen, die aus dem Stadtpark vertrieben wurden.
   (Die Presse)
Wien. Obdachlosigkeit hat bekanntlich viele Gesichter – in Wien sind davon immer öfter junge Menschen betroffen. „Das Bild des klassischen Sandlers hat ausgedient, rund ein Drittel der Obdachlosen ist unter 30 Jahre alt“, sagt Klaus Schwertner, Generalsekretär der Caritas Wien. Besonders deutlich werde diese Entwicklung im Juca im 16. Bezirk, einem Wohnhaus für junge Obdachlose. Lag das Durchschnittsalter dort bei den 18- bis 30-jährigen Klienten im Jahr 2000 noch bei 27 Jahren, ist es heuer auf 20 Jahre gesunken.

„Das Problem leistbarer Mieten hat die Mittelschicht längst erreicht – und zwar in ganz Österreich“, so Schwertner. „Die nächste Bundesregierung wird umsetzen müssen, was eigentlich bereits für die Zeit vor der Wahl versprochen wurde. Das Dickicht des Mietrechtsgesetzes muss besser heute als morgen gelichtet werden.“
Immer dramatischer wird die Situation auch für obdachlose EU-Bürger. In der zweiten Gruft, die eigentlich für 40 Personen ausgelegt ist, sind derzeit 46 Männer und Frauen untergebracht. Die von der Caritas in Währung betriebene Notschlafstelle für Obdachlose aus EU-Ländern ist bereits vor Beginn des Winters mehr als ausgelastet.

Aus dem Stadtpark vertrieben

„Außer uns nehmen nur noch die Vinzenzgemeinschaft und Ute Bock Obdachlose aus EU-Ländern auf“, beklagt Schwertner und übt Kritik am Umgang mit den Betroffenen. Denn vergangene Woche wurden Obdachlose, die dort seit Monaten auf Parkbänken ihr provisorisches Nachtquartier aufgeschlagen hatten und bis zu dreimal pro Woche von Nacht-Streetworkern der Caritas betreut wurden, von der Polizei aus dem Stadtpark vertrieben. Die Exekutive ist nach Beschwerden von Anrainern eingeschritten. Für die Betroffenen gibt es in Wien zu wenige reguläre Plätze.
„Als ich zuletzt vor drei Wochen mit den Nacht-Streetworkern unterwegs war, habe ich dort mit Menschen aus der Slowakei, Polen und Ungarn gesprochen“, sagt Schwertner. Obdachlose aus dem Blickfeld zu entfernen sei keine Lösung.
Insgesamt gibt es in der Bundeshauptstadt inklusive mobiler Betreuung 90 vom Fonds Soziales Wien unterstützte Obdachloseneinrichtungen mit 5000 Wohn- und Schlafplätzen. Betrieben werden sie von Organisationen wie beispielsweise der Caritas, dem Arbeiter-Samariterbund und dem Neunerhaus. Hinzu kommen einige private Häuser wie etwa die Vinzirast-Notschlafstelle.
Fünf Institutionen (Haus Miriam, Frauenwohnzentrum, Frauenwohnzimmer, Haus Bürgerspitalgasse, Ester) mit rund 200 Plätzen richten sich ausschließlich an Frauen. Im vergangenen Jahr wurden in all diesen Einrichtungen 9030 Menschen betreut, 2450 davon waren Frauen.
6265 von ihnen suchten Hilfe bei P7, Wiens zentraler Anlaufstelle für akut obdachlose Menschen im zweiten Bezirk, die am vergangenen Mittwoch ihr zehnjähriges Bestehen feierte. 2011 waren es noch 6163, im Jahr zuvor 6019. „Es ist die wohl größte Bettenbörse für in Not geratene Menschen in dieser Stadt“, so Schwertner.
Menschen wie Raimund Reiner, der sich im Juni an die Anlaufstelle wandte und in ein Übergangswohnheim im 21. Bezirk vermittelt wurde. Dort wartet der 43-Jährige, der seit einem schweren Unfall arbeitsunfähig ist, auf die Zuweisung einer Gemeindewohnung. „Ich kann nur jedem Obdachlosen raten, zum P7 zu kommen“, meint Reiner. „Hier wird einem kompetent und mit viel Verständnis geholfen. Ich bin sehr dankbar für diese Unterstützung.“

Hilfe bei Behördengängen

Etwa die Hälfte der Personen, die das P7 aufsuchen, ist im Übrigen nicht auf der Suche nach einer Unterkunft, weil sie beispielsweise bei Freunden und Bekannten wohnen (also in sogenannten prekären Verhältnissen leben) – benötigen aber Unterstützung bei der Jobsuche, bei Behördenwegen oder sonstigen Verpflichtungen.
Vor allem Frauen sind von diesem Phänomen der „verdeckten Wohnungslosigkeit“ betroffen. Von den insgesamt 6265 Personen, die sich 2012 an das P7 wandten, waren 1324 Frauen. 2011 waren es 1411, im Jahr zuvor 1285.
Sozialarbeiter der Caritas schätzen, dass in Wien ständig einige hundert Menschen von akuter Obdachlosigkeit betroffen sind. Genaue Zahlen dazu gibt es nicht.

AUF EINEN BLICK

Betreuung. In Wien gibt es ca. 90 vom Fonds Soziales Wien unterstützte Obdachloseneinrichtungen mit insgesamt 5000 Wohn- und Schlafplätzen. Im Vorjahr wurden in diesen Einrichtungen 9030Menschen betreut. Rund ein Drittel der Obdachlosen ist unter 30 Jahre alt. 2012 waren es 2100 unter 30-Jährige, die sich an das P7, die zentrale Anlaufstelle für Obdachlose in Wien, wandten.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 21.10.2013)


Donnerstag, 17. Oktober 2013

Vom Glück, zu zehnt beengt zu wohnen

Vom Glück, zu zehnt beengt zu wohnen

Leistbare ausreichend große Wohnungen für große Flüchtlingsfamilien gibt es keine, wie auch Familie T. aus Afghanistan erfuhr.

Wien - Wer die afghanische Familie T. (Name der Redaktion bekannt) an einem Wochentagvormittag besucht, wird in ihrer Wohnung nur wenige Hinweise auf den akuten Platzmangel finden, in dem sie leben. Im Gegenteil, in den dreieinhalb straßenseitig liegenden Zimmern, dem dunklen Vorraum und der Küche, dem Badezimmer mit integriertem WC, herrschen rund um Möbel und Haushaltsgeräte Sauberkeit, Ordnung und Leere.
Kein Spielzeug am Boden, keine Gläser oder Fernbedienungen auf dem Sofatisch, kein Nippes, keine Bücher: fast unglaublich, dass hier, auf 87 Quadratmeter zehn Menschen wohnen.
Ab Mittag jedoch ändert sich das Bild. Dann, wenn Arian, Walid, Farid und Denis, Samira, Kira und Amira - zwischen sechs und 15 Jahren alt - aus Schule und Kindergarten zurückkommen, zu Vater Mohammad, Mutter Ava und Baby Aziz (Namen geändert).

Wie im Ferienlager

Am Nachmittag, schildert Mohammad, spielt ein halbes Dutzend Kinder im Kinderzimmer, in dem, wie in einem Ferienlager, drei Stockbetten stehen. Später wird fürs Abendessen der Esstisch in die Mitte des größten Raums gerückt, die tagsüber gestapelten Sessel werden verteilt. Nachher räumt man alles wieder zurück: Zehn Menschen in dreieinhalb Zimmern, das erfordert Organisation, weiß der 42-Jährige - und Ava (36), die hier allein für Ordnung und Mahlzeiten sorgt, nickt.
800 Euro pro Monat zahlen die T.s für die teilrenovierte Altbauwohnung mit hohen, geweißten Zimmern und neuen Laminatböden. Laut Berechnungen der Arbeiterkammer dürfte die Miete eigentlich nur 470 Euro betragen. Die Gasetagenheizung, ein älteres Modell, war seit dem Einzug im Jänner schon mehrmals kaputt - und die Fassade des Gründerzeithauses lässt Nässe durch, sodass die Wände in den straßenseitigen Zimmern nach jedem Regen einen Meter hoch feucht sind.
Doch trotz alldem stimmt Mohammad T. Maria K. zu, einer Wienerin, die die afghanische Familie unterstützt: "Mit dieser Wohnung hatten die T.s ein Glück, denn für zehnköpfige Familien gibt es in Wien fast keinen leistbaren Wohnraum. Für Flüchtlinge schon gar nicht - und wenn Vermieter dann noch hören, dass die Flüchtlinge nur subsidiären Schutz haben und bedarfsorientierte Mindestsicherung kassieren, ist der Ofen ganz aus."
Bei Into, einer Integrationsberatung und Wohnungsvermittlung der Diakonie für anerkannte Flüchtlinge bestätigt dies Petra Struber. Selbst Einzelpersonen auf Wohnungssuche müssten bei ihnen rund ein Jahr warten, erläutert sie.
Also bleibe Leuten wie den T.s de facto nichts anderes übrig, als auf Angebote wie jenes für die Erdgeschoßwohnung in Nähe des Wiener Gürtels einzugehen, sagt Maria K. Zumal die Familie nach einer Eineinhalb-Jahre-Odyssee um die halbe Welt dringend einen Ort gebraucht habe, um ein wenig zur Ruhe zu kommen.
Konkret hatten es die aus Afghanistan geflohenen T.s 2012 bis nach Athen geschafft. Doch um von dort weiterzukommen, mussten sie sich trennen. In drei Kleingruppen erreichten Mutter und Kinder Österreich, der Vater folgte. Im Asylverfahren lebten sie in einer abgewohnten Pension im Burgenland, bekamen subsidiären (Abschiebe-)Schutz. Doch als sie dort nach einer Bleibe fragten, hieß es nur: bitte warten.
Die Möglichkeit, in die 87-Quadratmeterbleibe nach Wien zu ziehen, sei ihm damals als "einzige Chance" erschienen, erinnert such Mohammad T. Nun jedoch werde ein Wunsch in ihm immer stärker: "Wir brauchen dringend eine größere Wohnung". (Irene Brickner, DER STANDARD, 17.10.2013)


Mittwoch, 16. Oktober 2013

200 Wohnungen am Steinhof sind 200 zu viel

16.10.2013
SPÖ & Grüne: Profitgier gepaart mit Kulturbanausentum
200 Wohnungen am Steinhof sind 200 zu viel
200 Luxuswohnungen in nobler Grünruhelage fallen wohl kaum unter das rot-grüne Schlagwort "Leistbares Wohnen für die breite Bevölkerung" sondern eher unter "Glamouröses Residieren für Reich und Schön". Es ist daher skandalös, dass SPÖ und Grüne die Zerstörung des unersetzlichen Otto-Wagner-Ensembles am Steinhof in Kauf nehmen, um einem stadteigenen Wohnbauträger die Taschen bis an den Rand zu füllen, sagt Wiens FPÖ-Planungssprecher LAbg. Toni Mahdalik.

Das Vorgehen der rot-grünen Stadtregierung im zahnlosen Petitionsausschuss, wo dem mit über 7000 Unterschriften unterstützten Anliegen der Bevölkerung ein Begräbnis erster Klasse bereitet wurde, ist bezeichnend für die Ignoranz von SPÖ und Grünen gegenüber dem historischen Erbe unserer Stadt.
Insgesamt haben sich bereits über 72.000 Bürger für den Erhalt des einzigartigen Jugendstiljuwels ausgesprochen und damit ein klares Zeichen gegen die Betonierer-Mentalität der Rathauskoalition gesetzt. SPÖ und Grüne sollten daher nochmals in sich gehen und überlegen, den von FPÖ und Bevölkerung schon oftmals geforderten Anstrengungen hinsichtlich UNESCO-Welterbe für Steinhof doch näher zu treten, fordert Mahdalik abschließend.

(Quelle: wien-heute)

"Bettenbörse" für Menschen in Not

Es geht mir auch so - denn auch ich habe keine Wohnung. Ich komme hin und wieder wo unter, für einige Monate. Schuld an der ganzen Misere ist bei mir "Wiener Wohnen". Die haben mich aus der Wohnung genervt, in der ich 51 Jahre gewohnt hatte. http://derdreck.blogspot.co.at/

Immer mehr Menschen brauchen Unterstützung bei Wohnproblemen

"Bettenbörse" für Menschen in Not

Von Barbara Sorge
In der zentralen Anlaufstelle P7 erhalten akut Obdachlose Hilfe und ein Bett.
Wien. Von einer Sekunde auf die andere stand Danka Mikulasova (48) vor einem Abgrund. Ihr Lebensgefährte, mit dem sie seit sechs Jahren in einer kleinen Einzimmerwohnung zusammenlebte und der sie am Nachmittag noch bei ihrer Arbeit als Kellnerin in einem Lokal besucht hatte, starb plötzlich an einem Herzinfarkt. Neben dem Schock und der Trauer musste sie auch noch aus der Wohnung raus - einerseits war diese für sie alleine zu teuer. Andererseits konnte sie aus persönlichen Gründen nicht mehr in der Wohnung bleiben, in der sie mit ihrem Lebensgefährten so glücklich gewesen war.
Bei Wiener Wohnen konnte man ihr trotz Vormerkscheins nicht weiterhelfen, alleine hätte sie nun keinen Anspruch auf eine Wohnung, hieß es. Mikulasova wusste nicht wohin. Unterstützung bekam sie von der Nichte ihres verstorbenen Lebensgefährten, die sie in ihrer eigenen kleinen Wohnung aufnahm. "Ich wollte nicht stören und war wie eine kleine Maus in der Ecke." Als die Nichte einen Freund hatte, wollte sie nicht im Weg sein, verließ die Wohnung um 8 Uhr in der Früh, obwohl sie erst am Nachmittag zu arbeiten begann und lieber länger geschlafen hätte.
Durch Zufall erfuhr sie von P7, bei einem Beratungsgespräch sah sie endlich wieder etwas Licht in ihrer vertrackten Situation: "Die Beraterin war mein Engel." Gemeinsam mit der Sozialarbeiterin schafften sie es, für Mikulasova eine Wohnung für Sonderfälle über die soziale Schiene bei Wiener Wohnen zu bekommen. Es ist eine kleine Wohnung im 15. Bezirk. Als sie einzog, hatte Mikulasova eine Luftmatratze und einen Wasserkocher dabei, aber: "Für mich war es wie eine Villa, wie das Paradies."
Wieder nach Hause gehen
Nach rund einem Jahr bei ihrer Nichte bekam sie am 24. Juli den Schlüssel für "ihre" Wohnung, den Tag wird sie sich wohl ewig merken. Inzwischen sagt sie auch schon: "Ich gehe nach Hause."
Bei Raimund Reiner (43) war es ein Unfall mit anschließendem Arbeitsverlust und nicht bezahlten Monatsmieten, die zur Delogierung führten. Als er von der Reha zurückkam, war das Schloss der Wohnung ausgetauscht. Im Internet machte er sich schlau, wo er denn in seiner Situation Unterstützung bekommen könnte, und fand das P7. Dort wurde ihm geholfen, eine Postadresse einzurichten. Für die erste Zeit wurde er ins Nachtnotquartier U63 in Meidling vermittelt, bis ein Platz im Übergangswohnheim in der Siemensstraße in Floridsdorf frei wurde. Hier hat er nun ein kleines Zimmer, er macht über das AMS eine Ausbildung zum Computertechniker. "Ohne P7", sagt er, "wüsste ich nicht, was ich gemacht hätte."
Reiner und Mikulasova konnten mit der Unterstützung durch die Sozialarbeiter des P7 aus ihrer misslichen Lage herauskommen. Am Mittwoch feierte die Einrichtung der Caritas der Erzdiözese Wien in der Pazmanitengasse 7 in der Leopoldstadt ihr zehnjähriges Bestehen. Dessen Leiter Erich Steurer ist damals gemeinsam mit seinem Team vom Bahnhofssozialdienst am Westbahnhof in die Räumlichkeiten gekommen, die zuvor ein Tageszentrum beherbergt hatten. "Früher war es so, dass jeder, der einen Schlafplatz benötigte, es irgendwo versucht hat. Es war klar, dass es eine zentrale Stelle braucht, die eine Übersicht über alle Plätze hat und die freien Plätze vermittelt", erzählt Steurer von den Anfängen des P7. Lange hätte man gemeinsam mit der Stadt Wien an einem Konzept für diese zentrale Anlaufstelle gearbeitet, seit 2003 ist das P7 die zentrale Anlaufstelle, die die Betten verwaltet. Derzeit sind es rund 300, im Winter kommen noch einmal 200 dazu.
"Es ist die wohl größte Bettenbörse für Menschen in Not in dieser Stadt", sagte Klaus Schwertner, Generalsekretär der Caritas Wien, anlässlich des Jubiläums. Sozialstadträtin Sonja Wehsely betonte die Bedeutung von P7: "Die Stadt nimmt jährlich über 48 Millionen Euro in die Hand, um sicherzustellen, dass ein vielfältiges Angebot bereitsteht."
Stetig steigender Bedarf
Tausenden Menschen wurde in den vergangenen zehn Jahren ein Dach über dem Kopf vermittelt. Alleine 2012 wurden 6300 Menschen in rund 16.000 Beratungsgesprächen betreut. Rund 50 Prozent der Menschen, die ins P7 kommen, brauchen sofort ein Quartier. Die andere Hälfte hat zwar eine Unterkunft, lebt aber in unsicheren Verhältnissen, ist zum Beispiel - wie auch Frau Mikulasova - kurzzeitig bei Freunden untergekommen, hat aber keine eigene Bleibe. Vor allem bei Frauen ist diese verdeckte Wohnungslosigkeit häufig.
Steurer beobachtete in den vergangenen zehn Jahren eine kontinuierliche Steigerung des Bedarfs, wobei in dieser Zeit auch das Angebot an Notschlafstellen erweitert wurde. Ein großer Einschnitt war die Wirtschaftskrise 2008: "Seitdem bemerken wir, dass auch immer mehr arbeitende Menschen Probleme dabei haben, sich eine Wohnung leisten zu können", berichtet Steurer.
Das P7 ist an 365 Tagen im Jahr geöffnet, jeder kann ohne Termin vorbeikommen und wird noch am selben Tag beraten. Akut obdachlose Menschen bekommen nicht nur ein Bett und ein Dach über dem Kopf, sondern auch die Möglichkeit der Krisenintervention, der Notversorgung oder Hilfestellungen bei Amts- und Behördenverkehr.


Freitag, 11. Oktober 2013

Für alle die zwischen 2002 und 2010 ein Exekutionsverfahren hatten - wichtig!

Nun hat er endlich begonnen, der Strafprozess zum größten Justizdatenskandal
der 2. Republik. Etwa ein Jahrzehnt soll der Betreiber eines
Wirtschaftsauskunftdienstes Justizbeamte angestiftet haben Exekutionsdaten
rechtswidrig aus dem Justizsystem zu beschaffen. Etwa vier Millionen Euro
sollen damit umgesetzt worden sein, laut Staatsanwaltschaft gibt es etwa
200.000 Geschädigte.

Betroffen sind alle Menschen, die zwischen 2002 und 2010 ein
Exekutionsverfahren hatten, egal ob es zu Recht oder zu Unrecht geführt wurde.
Jedem Geschädigten steht nach dem DSG 2000 ein Schadenersatz von etwa 1.000,-
Euro zu, kann ein höherer Schaden nachgewiesen werden, dann erhöht sich der
Betrag. Schadenersatzpflichtig sind sowohl der Betreiber des
Wirtschaftsauskunftsdienstes, der Justizbeamte der die Daten weitergegeben
hat, aber auch die Republik Österreich, wegen mangelhafter
Sicherheitsvorkehrungen. Potentiell Betroffene können sich direkt an die ARGE
DATEN zwecks Klärung eines Entschädigungsanspruches wenden.

Die ARGE DATEN hat sich als Opfervertreter an das Verfahren angeschlossen. Und
der erste Prozesstag enthüllte ein schockierendes Sittenbild zum beamteten
Datenschutzbewusstsein. Zwar waren die Angeklagten durchwegs geständig Daten
weiter gegeben zu haben, bestritten aber die Rechtswidrigkeit. Man habe das
immer schon so gemacht und hätte nicht mitbekommen, dass sich die Rechtslage
geändert hätte, so Justizmitarbeiter und ihre Anwälte. In einzelnen Fällen
wurde die Datenweitergabe als völlig legale Nebenbeschäftigung gesehen, die
man auch "brav" versteuert habe, quasi ein Hobby, das Geld bringt. Für alle
Beschuldigten gilt die Unschuldsvermutung.

Besonders problematisch waren jedoch Rechtfertigungen mancher Verteidiger, die
sich in die Behauptung verstiegen, nur sensible Daten seien überhaupt
geschützt und alle anderen persönlichen Daten sowieso (vogel)frei. Damit Ihren
Mitarbeitern nicht dasselbe passiert, veranstaltet die ARGE DATEN schon seit
Jahren höchst erfolgreich Datenschutz-Seminare, das Nächste beginnt am 22.
Oktober (http://seminar.argedaten.at/datenschutz-grundlagen.html)