Zusammenfassung des Wiener
Gemeinderats
vom 13.12. |
erstellt am
16. 12. 13 10.30 MEZ |
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Wien (rk) - Am 13.12. hat der Wiener Gemeinderat zum 47. Mal in
dieser Legislaturperiode getagt – beginnend wie üblich mit der Fragestunde.
Bürgermeister Michael Häupl sprach zur Verkehrsgestaltung am Schwedenplatz
und der Situation in einem Brigittenauer Wohnhaus, Wirtschaftsstadträtin
Renate Brauner über die Entwicklung des Tourismus in Wien. Sozialstadträtin
Sonja Wehsely wurde zu einer geplanten Drogenberatungsstelle befragt sowie zu
Sozialleistungen an einkommenslose EU-BürgerInnen. Die letzte Anfrage, sie
betraf Mülltrennung, beantwortete Umweltstadträtin Ulli Sima.
Aktuelle Stunde: "Hochschulstadt Wien: Studierende
bringen Wien jährlich Milliarden – Region Wien profitiert"
Die Grünen, welche das Thema eingebracht hatten, forderten mehr Mittel für Universitäten und Forschung. Die Kaufkraft der Wiener Studierenden betrage 1,8 Milliarden Euro, das ergebe eine hohe Wertschöpfung für die Stadt. Zeitgleich gehe deren immaterieller Wert "weit" über diese Zahlen hinaus. Die ÖVP kritisierte die Kosten der vorgelegten Studie. Erfolge im Forschungssektor seien weniger Verdienst der Stadt denn des Bundes. Die FPÖ hinterfragte die Debatte, das Budget für 2014 sei beschlossen. Die Funktion des Universitätsbeauftragten wollten die Freiheitlichen abschaffen. Die SPÖ nannte die Themen Bildung und Forschung "immer aktuell". Studierende brächten Wien nicht nur einen ökologischen, sondern einen ideellen Nutzen. Schöpferischer Geist sei "Quelle des Reichtums".
Hauptdebatte: Diverse Rechnungshofberichte
Die Berichte des Rechnungshofes seien vor allem für die Opposition von großer Bedeutung, meinte die ÖVP. So seien etwa Probleme rund um technische Ausstattung und Personalfragen im AKH aufgezeigt worden. Die Grünen begrüßten des Rechnungshofes „spannende Kontrolle von Umgang mit Steuergeld“; die Umwandlung des Kontrollamts in einen Stadtrechnungshof statte diesen mit zusätzlichen Prüfbefugnissen aus. Die FPÖ sah im Bericht zum AKH bestätigt, dass es dort weder „übergreifende Budgetierung" noch "gemeinsame Personalplanung" gebe. Die SPÖ wiederum lobte die Arbeit des Rechnungshofes als "Kontroll-, Prüf-, und Beratungsinstanz". Die Probleme im AKH spiegelten bundesweite Probleme im Gesundheitsbereich wider. Eine gemeinsame Betriebsführung im AKH werde bis 2015 umgesetzt. Alle vorgelegten Rechnungshofberichte wurden einstimmig zur Kenntnis genommen.
Dringlicher Antrag der FPÖ
Die Freiheitlichen forderten den "Erhalt von Brauchtum und kulturellem Erbe". Es handle sich um eine Missachtung des christlichen Brauches, werde "der Nikolaus" aus Kindergärten verbannt; dahinter stecke die „linke Elite“. Die ÖVP meinte, es sei "unglaublich", dass Bürokratie das Selbstverständnis von Adventfeiern verhindere. Die Grünen sprachen sich für Diversität aus: Herausforderungen lägen darin, dass viele Familien versuchten, sich unterschiedliche Bräuche selbst zurechtzulegen. Die SPÖ warf den Freiheitlichen vor, mittels Unwahrheiten Ängste zu schüren, und wiederholte: „Es gibt kein Nikoloverbot in Wien.“ Die Anträge der Freiheitlichen fanden keine Mehrheit.
Weitere Debatten
Der Wiener Gemeinderat stimmte zudem u.a. folgenden Anträgen zu: Durchführen einer BürgerInnenumfrage zur Neugestaltung der Mariahilfer Straße; Subventionen an die Vereinigten Bühnen Wien (VBW); Subvention an den Wiener Wissenschafts-, Forschungs- und Technologiefonds (WWTF). Abschließend verabschiedete der Gemeinderat GRin Henriette Frank (FPÖ) in den Ruhestand. Frank legte ihr Mandat mit heutigem Tag zurück. Nächster Gemeinderat 2014 Der 47. Wiener Gemeinderat endete um 20.11 Uhr, es war die letzte Sitzung in diesem Jahr. Gemeinderat sowie Landtag tagen wieder 2014, die Termine stehen online auf |
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Dienstag, 17. Dezember 2013
Armutskonferenz: Armut nicht in Kauf nehmen!
Utl.: Es gibt genügend Möglichkeiten in der Schule, beim Wohnen, im Gesundheitssystem und mit sozialen Dienstleistungen gegenzusteuern.
Wien (OTS) - "Niemand ist offiziell für Armut. Aber Armut wird mittlerweile einfach in Kauf genommen", kritisiert die Armutskonferenz. "Doch wir könnten viel tun. Armut ist kein Naturereignis, das es mit jeder frischen Statistik neu zu bestaunen gilt. Es gibt genügend Instrumente und Möglichkeiten in der Schule, beim Wohnen und mit sozialen Dienstleistungen gegenzusteuern." Grundsätzlich helfen Einkommensarmen Investitionen in Dienstleistungen, die sie im Alltag unterstützen: von der Kinderbetreuung, der Frühförderung, Beratungsangebote für Menschen in sozialen Notlagen, oder auch Wohnangebote für Jugendliche, die es im Leben schwerer haben, Schuldenberatung bis hin zu Pflegehilfen. Hier entstehen Win-win-Situationen zwischen Einkommen, Arbeitsplätzen, Frühförderung von Kindern und Pflegeentlastung Angehöriger. Auch ein Bildungssystem, das den sozialen Aufstieg fördert und nicht sozial selektiert, wirkt. Auf die neuen sozialen Risken wie prekäre Jobs oder psychischen Erkrankungen muss angemessen sozialpolitisch reagiert werden. Und nicht zuletzt helfen Jobs, von denen man leben kann", so die Armutskonferenz. Und im Gesundheitsbereich gibt es eine Reihe von Baustellen: Die bessere Versorgung mit psycho-sozialen Notdiensten - gerade im ländlichen Bereich; leistbare Psychotherapie-Angebote; uneingeschränkter Zugang zu Gesundheits- und Rehabilitationsmaßnahmen für Menschen mit multiplen Beeinträchtigungen und die Schließung der Krankenversicherungslücke.
Zwtl.: Verwaltungs- und Demokratiepaket für und mit Armutsbetroffenen
Bei Verwaltungsreform und Demokratiepaket dürfen diejenigen nicht vergessen werden, die eine gute Verwaltung und gleichen Zugang zum Recht - egal ob arm oder reich- am meisten brauchen. Ein bürgerfreundliches und grundrechtsorientiertes unteres soziales Netz verbessert den Zugang. Barrieren auf den Ämtern verlängern die Notsituation. Gerade bei AMS oder Sozialamt sind verbesserte Rechtschutzangebote dringend erforderlich. Sozialanwaltschaften analog zu den Patientenanwaltschaften können zum Beispiel Ombudstelle und Rechtschutz für Betroffene sein. Bürgerräte (wie zur Zeit in Vorarlberg erprobt) können Einblicke und Lösungen erbringen, an die vorher nicht gedacht wurde. Sie beteiligen BürgerInnen aller Schichten, Einkommen und Herkunft an entscheidenden Fragen des Gemeinwesens. Die Unterstützung von Selbstorganisation und der Bildung von Selbsthilfegruppen ist hier zentrale Voraussetzung für Partizipation und Mitbestimmung, so die Armutskonferenz abschließend.
~ Rückfragehinweis: Die Armutskonferenz www.armutskonferenz.at Tel.: 01/ 402 69 44 (Koordinationsbüro) oder 0664/544 55 54 ~
*** OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS - WWW.OTS.AT ***
OTS0165 2013-12-17/13:11
171311 Dez 13
Mehr Nachtquartierplätze für Obdachlose in Wien - keine soziale Revolution
Mehr Nachtquartierplätze für Obdachlose in
Wien
Der Samariterbund in Wien bietet ab sofort 30 neue Nachtquartiersplätze für Obdachlose an. Mit diesem Quartier stellt die Stadt Wien insgesamt 665 Plätze für den Winter zur Verfügung, die Auslastung liegt bei knapp 81 Prozent. “In der kalten Jahreszeit wird nicht unterschieden, woher die Menschen kommen und ob sie in Wien gemeldet sind. Im Winter muss in Wien niemand die Nacht auf der Straße verbringen”, wird in einer Aussendung betont.
“Das Nachtquartier am Enkplatz ist ein weiterer wichtiger Schritt, dass niemand in Wien erfriert, egal woher er oder sie kommt”, betont Birgit Hebein, Sozialsprecherin der Grünen Wien.
Da macht sich die Stadt Wien wieder einmal wichtig, ohne nachzudenken, wie jämmerlich diese Situation für di Menschen ist. Unmöglich, was da geschieht, gut dass wir eine neue, alte Regierung haben, die diese Situation so lassen wird wie sie gerade ist. Der Bürgermeister Häupl redet immer von einer sozialen Komponente, aber er denkt nur an seine eigenen Millionen, die uns – Steuerzahlern – abgenommen hat und jetzt darauf herumhockt wie eine Henne auf ihrem Ei. Sozial ist er schon, solange es um seine Millionen geht, er sie in die Tasche stecken kann. Wehe es gibt da jemanden, der verlangt, dass wirklich einmal eine gerechtere Verteilung des Vermögens stattfinden soll.
Der Samariterbund in Wien bietet ab sofort 30 neue Nachtquartiersplätze für Obdachlose an. Mit diesem Quartier stellt die Stadt Wien insgesamt 665 Plätze für den Winter zur Verfügung, die Auslastung liegt bei knapp 81 Prozent. “In der kalten Jahreszeit wird nicht unterschieden, woher die Menschen kommen und ob sie in Wien gemeldet sind. Im Winter muss in Wien niemand die Nacht auf der Straße verbringen”, wird in einer Aussendung betont.
“Das Nachtquartier am Enkplatz ist ein weiterer wichtiger Schritt, dass niemand in Wien erfriert, egal woher er oder sie kommt”, betont Birgit Hebein, Sozialsprecherin der Grünen Wien.
“Wir
müssen noch viele Menschen erreichen, die auf der Straße übernachten und auch
die zunehmende Armutsmigration sehr ernstnehmen. Hier leisten die
niederschwelligen Einrichtungen und Streetworker immens wichtige Arbeit.”
Neues Nachtquartier in Wien-Simmering
Das
Quartier am Enkplatz, das bereits Anfang dieses Jahres als Tageszentrum für
Obdachlose seine Türen öffnete und seither mit dem Internetcafé
“ZwischenSchritt” wohnungslosen Menschen Zugang zu Informations- und
Kommunikationsmöglichkeiten bietet, wächst um eine weitere wichtige Komponente:
Ab 17. Dezember 2013 ist dem Tageszentrum für nun befristet auch ein
Nachtquartier mit 30 Schlafplätzen angeschlossen.
Auch
die Öffnungszeiten des Internetcafés wurden erweitert, so dass die Einrichtung
nun einen Rund-um-die-Uhr-Betrieb für Menschen ohne Zuhause bietet. Die
NächtigerInnen erhalten dort auch eine warme Mahlzeit und warme Getränke, im
Internetcafé bekommen sie ein Frühstück.
Um Spenden wird gebeten
Was
im Nachtquartier Simmering derzeit noch gebraucht und gerne als Spende
entgegengenommen wird, sind Kaffee- und Teepackungen. Wer die obdachlosen
Menschen unterstützen möchte, kann diese Sachspenden direkt in der
Dittmanngasse 1a inWien-Simmering abgeben.
Da macht sich die Stadt Wien wieder einmal wichtig, ohne nachzudenken, wie jämmerlich diese Situation für di Menschen ist. Unmöglich, was da geschieht, gut dass wir eine neue, alte Regierung haben, die diese Situation so lassen wird wie sie gerade ist. Der Bürgermeister Häupl redet immer von einer sozialen Komponente, aber er denkt nur an seine eigenen Millionen, die uns – Steuerzahlern – abgenommen hat und jetzt darauf herumhockt wie eine Henne auf ihrem Ei. Sozial ist er schon, solange es um seine Millionen geht, er sie in die Tasche stecken kann. Wehe es gibt da jemanden, der verlangt, dass wirklich einmal eine gerechtere Verteilung des Vermögens stattfinden soll.
Der Wiener Gemeinderat 13.12 - da ist man sprachlos
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Zusammenfassung des Wiener
Gemeinderats
vom 13.12. |
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erstellt am
16. 12. 13 10.30 MEZ |
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Wien (rk) - Am 13.12. hat der Wiener Gemeinderat zum 47. Mal in
dieser Legislaturperiode getagt – beginnend wie üblich mit der Fragestunde.
Bürgermeister Michael Häupl sprach zur Verkehrsgestaltung am Schwedenplatz
und der Situation in einem Brigittenauer Wohnhaus, Wirtschaftsstadträtin
Renate Brauner über die Entwicklung des Tourismus in Wien. Sozialstadträtin
Sonja Wehsely wurde zu einer geplanten Drogenberatungsstelle befragt sowie zu
Sozialleistungen an einkommenslose EU-BürgerInnen. Die letzte Anfrage, sie
betraf Mülltrennung, beantwortete Umweltstadträtin Ulli Sima.
Aktuelle Stunde: "Hochschulstadt Wien: Studierende
bringen Wien jährlich Milliarden – Region Wien profitiert"
Die Grünen, welche das Thema eingebracht hatten, forderten mehr Mittel für Universitäten und Forschung. Die Kaufkraft der Wiener Studierenden betrage 1,8 Milliarden Euro, das ergebe eine hohe Wertschöpfung für die Stadt. Zeitgleich gehe deren immaterieller Wert "weit" über diese Zahlen hinaus. Die ÖVP kritisierte die Kosten der vorgelegten Studie. Erfolge im Forschungssektor seien weniger Verdienst der Stadt denn des Bundes. Die FPÖ hinterfragte die Debatte, das Budget für 2014 sei beschlossen. Die Funktion des Universitätsbeauftragten wollten die Freiheitlichen abschaffen. Die SPÖ nannte die Themen Bildung und Forschung "immer aktuell". Studierende brächten Wien nicht nur einen ökologischen, sondern einen ideellen Nutzen. Schöpferischer Geist sei "Quelle des Reichtums".
Hauptdebatte: Diverse Rechnungshofberichte
Die Berichte des Rechnungshofes seien vor allem für die Opposition von großer Bedeutung, meinte die ÖVP. So seien etwa Probleme rund um technische Ausstattung und Personalfragen im AKH aufgezeigt worden. Die Grünen begrüßten des Rechnungshofes „spannende Kontrolle von Umgang mit Steuergeld“; die Umwandlung des Kontrollamts in einen Stadtrechnungshof statte diesen mit zusätzlichen Prüfbefugnissen aus. Die FPÖ sah im Bericht zum AKH bestätigt, dass es dort weder „übergreifende Budgetierung" noch "gemeinsame Personalplanung" gebe. Die SPÖ wiederum lobte die Arbeit des Rechnungshofes als "Kontroll-, Prüf-, und Beratungsinstanz". Die Probleme im AKH spiegelten bundesweite Probleme im Gesundheitsbereich wider. Eine gemeinsame Betriebsführung im AKH werde bis 2015 umgesetzt. Alle vorgelegten Rechnungshofberichte wurden einstimmig zur Kenntnis genommen.
Dringlicher Antrag der FPÖ
Die Freiheitlichen forderten den "Erhalt von Brauchtum und kulturellem Erbe". Es handle sich um eine Missachtung des christlichen Brauches, werde "der Nikolaus" aus Kindergärten verbannt; dahinter stecke die „linke Elite“. Die ÖVP meinte, es sei "unglaublich", dass Bürokratie das Selbstverständnis von Adventfeiern verhindere. Die Grünen sprachen sich für Diversität aus: Herausforderungen lägen darin, dass viele Familien versuchten, sich unterschiedliche Bräuche selbst zurechtzulegen. Die SPÖ warf den Freiheitlichen vor, mittels Unwahrheiten Ängste zu schüren, und wiederholte: „Es gibt kein Nikoloverbot in Wien.“ Die Anträge der Freiheitlichen fanden keine Mehrheit.
Weitere Debatten
Der Wiener Gemeinderat stimmte zudem u.a. folgenden Anträgen zu: Durchführen einer BürgerInnenumfrage zur Neugestaltung der Mariahilfer Straße; Subventionen an die Vereinigten Bühnen Wien (VBW); Subvention an den Wiener Wissenschafts-, Forschungs- und Technologiefonds (WWTF). Abschließend verabschiedete der Gemeinderat GRin Henriette Frank (FPÖ) in den Ruhestand. Frank legte ihr Mandat mit heutigem Tag zurück. Nächster Gemeinderat 2014 Der 47. Wiener Gemeinderat endete um 20.11 Uhr, es war die letzte Sitzung in diesem Jahr. Gemeinderat sowie Landtag tagen wieder 2014, die Termine stehen online auf |
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Montag, 16. Dezember 2013
Immobilien-Preise stagnieren auf hohem Niveau
Die Kosten für einen Quadratmeter
Eigentum werden im kommenden Jahr nicht mehr exorbitant zulegen.
Wien. Die Zinsen sind niedrig, die Alternativen gering, das Angebot hoch und ausreichend Kapital ist ebenso vorhanden: Immobilien gingen in den vergangenen Jahren wie warme Semmeln über den Ladentisch. Das dürfte zwar weiterhin so bleiben. Aber: Die Preise für Wohnungseigentum in Österreich dürften sich 2014 auf hohem Niveau einpendeln, wie Andreas Wollein vom Österreichischen Verband der Immobilienwirtschaft (ÖVI) sagt. Ein Abflachen der Preiskurve mache sich also zunehmend bemerkbar. Für 2014 wird bloß ein Preisanstieg im Rahmen der Inflation erwartet.
Seit 2008 sind die Preise für Wohnungseigentum in Wien um 30 Prozent angestiegen. Eines ist in der Bundeshauptstadt ebenso feststellbar: Die durchschnittlichen Verkaufspreise für Eigentumswohnungen in Wien nähern sich einander an. „Es gibt keine wirklich schlechten Bezirke mehr“, sagt Wollein. Innerhalb des Gürtels (ohne den ersten Bezirk) müssen Käufer 4000 bis 5000 Euro je Quadratmeter für eine neue Eigentumswohnung auf den Tisch legen. Handelt es sich um eine gebrauchte Eigentumswohnung, liegt der Preis zwischen 2500 und 4000 Euro. Für Käufer am günstigsten ist es in Simmering, Favoriten und Rudolfsheim. Doch auch dort muss man für Eigentum im Erstbezug knapp unter 3000 Euro je Quadratmeter berappen.
Die Kunden lassen sich jedoch wieder mehr Zeit für die Suche nach der passenden Immobilie. Und zwar zwischen drei und sechs Monate. „Es wird nicht mehr alles gekauft“, sagt Wollein. Käufer würden wieder genauer hinsehen, eher zweimal überlegen, bevor sie zuschlagen.
Käufergruppe ist gemischt
Auch haben die Kunden immer konkretere Vorstellungen von dem, was sie wollen, sagt Georg Flödl von Funk-Immobilien. „Teilweise betreffen die Suchanfragen nur noch bestimmte Straßenzüge.“ Die Menschen würden nicht nur in Wien wohnen, „sie wollen hier leben.“ So seien etwa Gegenden wie das Karmeliterviertel, der Augarten oder auch die Rüdigergasse gefragt. Die Hoffnung, dass dann gesamte Areale, die an „hippe“ Straßenzüge angrenzen, aufwerten, dürfe man aber nicht haben, sagt Wollein. Es sei denn, ein neuer Hotspot entstehe auch dort.
Auch in den Bundesländern stagnieren die Preise für Wohnungseigentum auf hohem Niveau, sagt Maklerin Patricia Reisinger. Vor allem das Angebot bei gebrauchten Eigentumswohnungen sei knapp, die Preise daher relativ hoch. „Es wird nur noch verkauft, wenn verkauft werden muss“, sagt Reisinger. Also etwa dann, wenn sich die Lebensumstände ändern. Daher kommen seltener neue Wohnungen auf den Markt.
In Salzburg gibt es ab 1800 Euro einen Quadratmeter Eigentum, bis zu 3500 Euro sind aber ebenso möglich. In Bregenz muss man mit Preisen zwischen 3000 und 3500 Euro rechnen. „Das Ost-West-Gefälle ist fast nicht mehr vorhanden“, sagt Reisinger. Für Eigentum im Erstbezug geht es bei 3000 Euro (Linz, Bregenz, Graz) los und endet bei 5500 Euro in Salzburg.
Doch wer schlägt da überhaupt noch zu? Das Spektrum an Käufern sei breit gefächert, erklärt Wollein. Es reiche vom Pensionisten, der in die Stadt zurück wolle, bis zum Studenten, der von seinen Eltern eine Wohnung bekomme.
Kleine Wohnungen gefragt
Wer sich vorerst keine Eigentumswohnung leisten kann oder kein passendes Objekt findet, überlegt immer öfter, vorübergehend auf eine Mietwohnung auszuweichen, sagt die Maklerin Elisabeth Rohr. Die Angebotsmieten in Wien liegen im Schnitt zwischen acht und zwölf Euro, im Erstbezug sind es zehn bis zwölf Euro. Dass Mieten nicht mehr ganz so billig ist, hängt auch mit dem weit besseren Angebot zusammen. Heute gebe es nur noch Kategorie-A-Wohnungen, sagt Rohr. „Man kann das nicht mit dem Angebot vor fünf oder zehn Jahren vergleichen.“
Vor allem bei kleineren Wohnungen (bis 700 Euro Miete) übersteigt die Nachfrage das Angebot. Anders bei Wohnungen ab 1500 Euro. Suchende werden anspruchsvoller und Vermieter müssten sich anstrengen, den Wünschen der Kunden gerecht zu werden. Im Markt zeichnet sich daher eine Preisbewegung nach unten ab.
In Wien werden 40 Prozent des gesamten Wohnungsbestands privat vermietet. Das entspreche knapp 280.000 Wohnungen. Von diesen sind derzeit rund 12.000 zur Neuvermietung ausgeschrieben. (nst)
("Die Presse", Print-Ausgabe, 16.12.2013)
Wien. Die Zinsen sind niedrig, die Alternativen gering, das Angebot hoch und ausreichend Kapital ist ebenso vorhanden: Immobilien gingen in den vergangenen Jahren wie warme Semmeln über den Ladentisch. Das dürfte zwar weiterhin so bleiben. Aber: Die Preise für Wohnungseigentum in Österreich dürften sich 2014 auf hohem Niveau einpendeln, wie Andreas Wollein vom Österreichischen Verband der Immobilienwirtschaft (ÖVI) sagt. Ein Abflachen der Preiskurve mache sich also zunehmend bemerkbar. Für 2014 wird bloß ein Preisanstieg im Rahmen der Inflation erwartet.
Seit 2008 sind die Preise für Wohnungseigentum in Wien um 30 Prozent angestiegen. Eines ist in der Bundeshauptstadt ebenso feststellbar: Die durchschnittlichen Verkaufspreise für Eigentumswohnungen in Wien nähern sich einander an. „Es gibt keine wirklich schlechten Bezirke mehr“, sagt Wollein. Innerhalb des Gürtels (ohne den ersten Bezirk) müssen Käufer 4000 bis 5000 Euro je Quadratmeter für eine neue Eigentumswohnung auf den Tisch legen. Handelt es sich um eine gebrauchte Eigentumswohnung, liegt der Preis zwischen 2500 und 4000 Euro. Für Käufer am günstigsten ist es in Simmering, Favoriten und Rudolfsheim. Doch auch dort muss man für Eigentum im Erstbezug knapp unter 3000 Euro je Quadratmeter berappen.
Die Kunden lassen sich jedoch wieder mehr Zeit für die Suche nach der passenden Immobilie. Und zwar zwischen drei und sechs Monate. „Es wird nicht mehr alles gekauft“, sagt Wollein. Käufer würden wieder genauer hinsehen, eher zweimal überlegen, bevor sie zuschlagen.
Käufergruppe ist gemischt
Auch haben die Kunden immer konkretere Vorstellungen von dem, was sie wollen, sagt Georg Flödl von Funk-Immobilien. „Teilweise betreffen die Suchanfragen nur noch bestimmte Straßenzüge.“ Die Menschen würden nicht nur in Wien wohnen, „sie wollen hier leben.“ So seien etwa Gegenden wie das Karmeliterviertel, der Augarten oder auch die Rüdigergasse gefragt. Die Hoffnung, dass dann gesamte Areale, die an „hippe“ Straßenzüge angrenzen, aufwerten, dürfe man aber nicht haben, sagt Wollein. Es sei denn, ein neuer Hotspot entstehe auch dort.
Auch in den Bundesländern stagnieren die Preise für Wohnungseigentum auf hohem Niveau, sagt Maklerin Patricia Reisinger. Vor allem das Angebot bei gebrauchten Eigentumswohnungen sei knapp, die Preise daher relativ hoch. „Es wird nur noch verkauft, wenn verkauft werden muss“, sagt Reisinger. Also etwa dann, wenn sich die Lebensumstände ändern. Daher kommen seltener neue Wohnungen auf den Markt.
In Salzburg gibt es ab 1800 Euro einen Quadratmeter Eigentum, bis zu 3500 Euro sind aber ebenso möglich. In Bregenz muss man mit Preisen zwischen 3000 und 3500 Euro rechnen. „Das Ost-West-Gefälle ist fast nicht mehr vorhanden“, sagt Reisinger. Für Eigentum im Erstbezug geht es bei 3000 Euro (Linz, Bregenz, Graz) los und endet bei 5500 Euro in Salzburg.
Doch wer schlägt da überhaupt noch zu? Das Spektrum an Käufern sei breit gefächert, erklärt Wollein. Es reiche vom Pensionisten, der in die Stadt zurück wolle, bis zum Studenten, der von seinen Eltern eine Wohnung bekomme.
Kleine Wohnungen gefragt
Wer sich vorerst keine Eigentumswohnung leisten kann oder kein passendes Objekt findet, überlegt immer öfter, vorübergehend auf eine Mietwohnung auszuweichen, sagt die Maklerin Elisabeth Rohr. Die Angebotsmieten in Wien liegen im Schnitt zwischen acht und zwölf Euro, im Erstbezug sind es zehn bis zwölf Euro. Dass Mieten nicht mehr ganz so billig ist, hängt auch mit dem weit besseren Angebot zusammen. Heute gebe es nur noch Kategorie-A-Wohnungen, sagt Rohr. „Man kann das nicht mit dem Angebot vor fünf oder zehn Jahren vergleichen.“
Vor allem bei kleineren Wohnungen (bis 700 Euro Miete) übersteigt die Nachfrage das Angebot. Anders bei Wohnungen ab 1500 Euro. Suchende werden anspruchsvoller und Vermieter müssten sich anstrengen, den Wünschen der Kunden gerecht zu werden. Im Markt zeichnet sich daher eine Preisbewegung nach unten ab.
In Wien werden 40 Prozent des gesamten Wohnungsbestands privat vermietet. Das entspreche knapp 280.000 Wohnungen. Von diesen sind derzeit rund 12.000 zur Neuvermietung ausgeschrieben. (nst)
("Die Presse", Print-Ausgabe, 16.12.2013)
Ein Zuhause für Menschen ohne Wohnung
Maximilian ist Student. Er wohnt in einer Wohngemeinschaft in Wien, der
Hauptstadt unseres Nachbarlandes Österreich. Maximilian teilt sich also mit
anderen Menschen eine Wohnung.
Weil das weniger kostet, als alleine zu wohnen, leben viele Studenten in Wohngemeinschaften. Die von Maximilian ist trotzdem ganz anders. Denn er wohnt mit Menschen, die früher obdachlos waren.
So wie Umar. Er lebt seit über zwei Jahren in Österreich. Fast jeden Tag musste er sich eine neue Unterkunft suchen. Jetzt wohnt er schon seit zwei Monaten mit Max in der Wohnung und lernt Deutsch.
Das Haus, in dem Max und Umar zusammenwohnen, ist kein ganz normales Haus. Es gibt dort mehrere Wohngemeinschaften für Studenten und Obdachlose. Und obwohl das Haus mitten in der Stadt in einer teuren Gegend liegt, sind die Wohnungen nicht so teuer. Viele Menschen haben Geld gespendet und geholfen, dass das Haus mit seinen Wohngemeinschaften eröffnet werden konnte.
Es gibt dort ein Restaurant, in dem die ehemals Obdachlosen Arbeit bekommen. Oder Werkstätten. Und einen Garten auf dem Dach. Der Student Maximilian findet die Idee jedenfalls prima. «Hier ist man gezwungen, aus der eigenen Welt rauszugehen.» Und eben auch mal mit Menschen zusammenzuleben, die man sonst nie kennenlernen würde.
Weil das weniger kostet, als alleine zu wohnen, leben viele Studenten in Wohngemeinschaften. Die von Maximilian ist trotzdem ganz anders. Denn er wohnt mit Menschen, die früher obdachlos waren.
So wie Umar. Er lebt seit über zwei Jahren in Österreich. Fast jeden Tag musste er sich eine neue Unterkunft suchen. Jetzt wohnt er schon seit zwei Monaten mit Max in der Wohnung und lernt Deutsch.
Das Haus, in dem Max und Umar zusammenwohnen, ist kein ganz normales Haus. Es gibt dort mehrere Wohngemeinschaften für Studenten und Obdachlose. Und obwohl das Haus mitten in der Stadt in einer teuren Gegend liegt, sind die Wohnungen nicht so teuer. Viele Menschen haben Geld gespendet und geholfen, dass das Haus mit seinen Wohngemeinschaften eröffnet werden konnte.
Es gibt dort ein Restaurant, in dem die ehemals Obdachlosen Arbeit bekommen. Oder Werkstätten. Und einen Garten auf dem Dach. Der Student Maximilian findet die Idee jedenfalls prima. «Hier ist man gezwungen, aus der eigenen Welt rauszugehen.» Und eben auch mal mit Menschen zusammenzuleben, die man sonst nie kennenlernen würde.
Sonntag, 15. Dezember 2013
«Raus aus der Komfortzone»: WG von Studenten und Obdachlosen in Wien
Junge Studierende und ehemals Obdachlose unter
einem Dach: In Wien leben und arbeiten fast 30 Menschen unterschiedlichster
Herkunft zusammen. Dabei entsteht Nähe, wo sonst eher Distanz herrscht.
Wien (dpa) - Zigarettenqualm liegt in der Luft, Süßigkeiten und Eier stehen am kleinen Esstisch, Musik kommt aus den Boxen, drei Mitbewohner unterhalten sich. Es könnte eine normale Szene aus dem Alltag einer Wiener Wohngemeinschaft sein. Doch der 21-jährige Student Maximilian wohnt hier nicht mit Freunden zusammen, sondern mit Menschen, um die viele eher einen weiten Bogen machen. Der Wiener teilt sich die Unterkunft in einem Experiment mit zwei ehemals Obdachlosen: «Hier ist man gezwungen aus der eigenen Welt rauszugehen. Weg aus der Komfortzone.»
Sieht so eine Komfortzone aus? https://www.facebook.com/glanzkarl/media_set?set=a.695720470453216.1073741837.100000458082473&type=3. Wenn ja, die wurde von Wiener Wohnen eingerichtet. Eine Delogierung wurde beantragt. Komfort in Wien, von der Stadt Wien. http://derdreck.blogspot.co.at/
Seit gut einem halben Jahr teilen sich der Student der Bodenkultur und Zadina, ein 42-jähriger Schweizer mit Wurzeln aus Kamerun, eine kleine Küche und das Badezimmer. Das Leben von Zadina, einem quirligen Mann mit einnehmendem Lachen und breitem Schweizer Dialekt, kam mit seinem Umzug nach Wien ins Schleudern. «Ich habe schon so viele Jobs gehabt», sagte Zadina. In Bern bei UBS, bei Umzugsfirmen und im vergangen Jahrzehnt vor allem in Küchen. «Doch es gibt einfach zu wenige leistbare Wohnungen in Wien.»
Vor rund zwei Monaten ist Umar aus Tschetschenien zu dem Duo gestoßen. Der 30-Jährige spricht wenig und nur in gebrochenen Deutsch. Kurz vor Weihnachten startete sein Sprachkurs. «Es ist sehr schön hier», sagt Umar leise. Seit etwas über zwei Jahren ist er in Österreich und wechselte seither fast täglich seine Unterkunft. Das Projekt bietet ihm ein Zuhause und Anschluss. Warum er seine Heimat verlassen hat, darüber kann Umar nicht sprechen: «Da kommen zu viele Dinge in den Kopf, über die ich nicht nachdenken will.»
Das Haus «VinziRast-mittendrin» mit seinen vorwiegend männlichen Bewohnern eröffnete im Mai in bester Lage in der österreichischen Hauptstadt. Die Idee entstand bei Protesten an der nahen Universität, wo im besetzten Hörsaal Obdachlose nächtigten. Zehn Wohngemeinschaften für 29 Studenten und ehemals Obdachlose sind für 280 bis 355 Euro pro Zimmer im Monat zu haben. Große Gemeinschaftsküchen auf jeder der drei Etagen des Biedermeierhauses, Gemeinschaftsräume und eine große Dachterrasse samt Hochbeet inklusive. In Werkstätten und im öffentlichen Restaurant im Erdgeschoss können Bewohner dazu verdienen.
Hinter dem Projekt steht die 73-jährige Cecily Corti. Rastlos wandert sie fast täglich im Laufschritt durch das Haus, um nach dem Rechten zu sehen. Mit jedem Bewohner und jedem Mitarbeiter, der ihr am Weg begegnet, werden neue Aufgaben oder Probleme besprochen. Corti setzt sich seit Jahren mit finanzieller Unterstützung von Industriellen für Obdachlose in Wien ein. Mit wenig Kontrolle soll in ihren Häusern langsam ein Gemeinschaftsgefühl aufgebaut werden. «Ich will vor allem das mit meinem Tun ausdrücken, was mir wichtig und kostbar ist, das wonach ich mich selbst am meisten sehne», so Corti.
Insgesamt gelten laut Statistik rund zwölf Prozent der Bewohner Österreichs als armutsgefährdet. Über 9000 Menschen sind offiziell obdachlos, die Dunkelziffer ist sehr hoch. Klar ist, dass die Situation in Wien mit seinen 1,7 Millionen Einwohnern am schlimmsten ist. Hier werden laut Caritas rund 5000 Wohn- und Notquartiersplätze für Bedürftige angeboten.
Corti gründete 2004 eine Notschlafstelle, später folgten Wohnplätze. Mit dem neuesten Projekt soll die Integration von Menschen, die an den Rand der Gesellschaft gedrängt werden, noch weitergehen. «Mir wurde klar, dass auch unsere Würde beschädigt wird, wenn wir zulassen, wie die Menschen auf der Straße zu leben gezwungen sind», erklärt die resolute Frau ihre Beweggründe.
Gereon, ein Psychologie-Student aus Köln, glaubt ebenfalls noch fest an das Projekt, obwohl er schon negative Erfahrungen machen musste. «Am Anfang war mein Mitbewohner hier ordentlicher und hat weniger getrunken als meine alten WG-Kollegen, die Psychologie studiert haben», sagte der 21-jährige Buddhist. Doch der ehemals obdachlose 47-jährige Wiener wurde zusehends aggressiv, trank vermehrt und begann Gereon zu bedrohen. «Ich wollte ja nicht, dass er wieder auf die Straße muss, aber es ging einfach nicht mehr.» Jetzt freue er sich auf einen neuen Mitbewohner.
Seit gut einem halben Jahr teilen sich der Student der Bodenkultur und Zadina, ein 42-jähriger Schweizer mit Wurzeln aus Kamerun, eine kleine Küche und das Badezimmer. Das Leben von Zadina, einem quirligen Mann mit einnehmendem Lachen und breitem Schweizer Dialekt, kam mit seinem Umzug nach Wien ins Schleudern. «Ich habe schon so viele Jobs gehabt», sagte Zadina. In Bern bei UBS, bei Umzugsfirmen und im vergangen Jahrzehnt vor allem in Küchen. «Doch es gibt einfach zu wenige leistbare Wohnungen in Wien.»
Vor rund zwei Monaten ist Umar aus Tschetschenien zu dem Duo gestoßen. Der 30-Jährige spricht wenig und nur in gebrochenen Deutsch. Kurz vor Weihnachten startete sein Sprachkurs. «Es ist sehr schön hier», sagt Umar leise. Seit etwas über zwei Jahren ist er in Österreich und wechselte seither fast täglich seine Unterkunft. Das Projekt bietet ihm ein Zuhause und Anschluss. Warum er seine Heimat verlassen hat, darüber kann Umar nicht sprechen: «Da kommen zu viele Dinge in den Kopf, über die ich nicht nachdenken will.»
Das Haus «VinziRast-mittendrin» mit seinen vorwiegend männlichen Bewohnern eröffnete im Mai in bester Lage in der österreichischen Hauptstadt. Die Idee entstand bei Protesten an der nahen Universität, wo im besetzten Hörsaal Obdachlose nächtigten. Zehn Wohngemeinschaften für 29 Studenten und ehemals Obdachlose sind für 280 bis 355 Euro pro Zimmer im Monat zu haben. Große Gemeinschaftsküchen auf jeder der drei Etagen des Biedermeierhauses, Gemeinschaftsräume und eine große Dachterrasse samt Hochbeet inklusive. In Werkstätten und im öffentlichen Restaurant im Erdgeschoss können Bewohner dazu verdienen.
Hinter dem Projekt steht die 73-jährige Cecily Corti. Rastlos wandert sie fast täglich im Laufschritt durch das Haus, um nach dem Rechten zu sehen. Mit jedem Bewohner und jedem Mitarbeiter, der ihr am Weg begegnet, werden neue Aufgaben oder Probleme besprochen. Corti setzt sich seit Jahren mit finanzieller Unterstützung von Industriellen für Obdachlose in Wien ein. Mit wenig Kontrolle soll in ihren Häusern langsam ein Gemeinschaftsgefühl aufgebaut werden. «Ich will vor allem das mit meinem Tun ausdrücken, was mir wichtig und kostbar ist, das wonach ich mich selbst am meisten sehne», so Corti.
Insgesamt gelten laut Statistik rund zwölf Prozent der Bewohner Österreichs als armutsgefährdet. Über 9000 Menschen sind offiziell obdachlos, die Dunkelziffer ist sehr hoch. Klar ist, dass die Situation in Wien mit seinen 1,7 Millionen Einwohnern am schlimmsten ist. Hier werden laut Caritas rund 5000 Wohn- und Notquartiersplätze für Bedürftige angeboten.
Corti gründete 2004 eine Notschlafstelle, später folgten Wohnplätze. Mit dem neuesten Projekt soll die Integration von Menschen, die an den Rand der Gesellschaft gedrängt werden, noch weitergehen. «Mir wurde klar, dass auch unsere Würde beschädigt wird, wenn wir zulassen, wie die Menschen auf der Straße zu leben gezwungen sind», erklärt die resolute Frau ihre Beweggründe.
Gereon, ein Psychologie-Student aus Köln, glaubt ebenfalls noch fest an das Projekt, obwohl er schon negative Erfahrungen machen musste. «Am Anfang war mein Mitbewohner hier ordentlicher und hat weniger getrunken als meine alten WG-Kollegen, die Psychologie studiert haben», sagte der 21-jährige Buddhist. Doch der ehemals obdachlose 47-jährige Wiener wurde zusehends aggressiv, trank vermehrt und begann Gereon zu bedrohen. «Ich wollte ja nicht, dass er wieder auf die Straße muss, aber es ging einfach nicht mehr.» Jetzt freue er sich auf einen neuen Mitbewohner.
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