Montag, 3. November 2014

Wohnen wird immer teurer

Die Arbeiterkammer (AK) stemmt sich gegen zu hohe Mieten und befristete Mietverträge. Sie fordert eine klare Begrenzung für privat vermietete Altbauwohnungen und die Abschaffung von Befristungen. Diese sollten nur bei einem sachlich gerechtfertigten Grund, wie etwa Eigenbedarf des Vermieters, zulässig sein. "Der Mietennepp gehört abgestellt", forderte AK-Präsident Rudi Kaske am Montag.
Für junge Menschen und Familien werde ein Dach über dem Kopf immer schwerer leistbar. Befristete Mietverträge seien am teuersten, wie auch die jüngsten Zahlen der Statistik Austria belegten. Die AK-Auswertungen von Inseraten und der AK-Mietzins-Check belegten ebenfalls, dass unrechtmäßige Aufschläge auf den Hauptmietzins bei befristeten Mietwohnungen an der Tagesordnung seien.
Die Aufschläge der Vermieter zum Hauptmietzins von Altbauwohnungen in Wien seien "saftig" - Altbaumietwohnungen seien bis zu mehr als drei Viertel teurer als erlaubt, geht den Angaben zufolge aus einer Auswertung von 150 Inseraten von befristeten Wiener Altbauwohnungen vom heurigen Frühjahr und einem Mietzins-Check vom Sommer hervor.
Nahezu zwei von drei neu abgeschlossenen privaten Mietverträgen sind laut AK befristet. "Eigentlich sollten befristete Mietverhältnisse billiger sein", kritisiert die Kammer. Aber den vom Mietrechtsgesetz vorgesehenen 25-Prozent-Abschlag für befristet vermietete Wohnungen gebe es in der Praxis nicht, so die AK unter Verweis auf eine Studie des Wirtschaftsforschungsinstituts (Wifo).
Wohnen hat sich in den vergangenen Jahren wieder spürbar verteuert - um 13 Prozent alleine zwischen 2009 und 2013. "Österreich ist ein Land der Mieter", sagte Statistik-Austria-Chef Konrad Pesendorfer in einer Pressekonferenz. Der Mietanteil erreichte im Vorjahr 43 Prozent - einen der höchsten Werte in der EU, wo der Schnitt bei nur 30 Prozent liegt.
Europaweit wird nur in Deutschland noch mehr gemietet als in Österreich. Alle anderen EU-Staaten hätten eine deutlich ausgeprägtere Eigentumsstruktur. Mietverhältnisse gibt es vor allem in großen Städten. Während das Burgenland einen Eigentumsanteil von 76 Prozent hat, weise Wien einen in etwa ebenso hohen Mietanteil von 78 Prozent aus. In der Bundeshauptstadt leben nur 19 Prozent der Haushalte in Eigentumswohnungen oder -häusern.
Hierzulande spiele der soziale Wohnbau eine wesentliche Rolle, so Pesendorfer. "Der in Österreich hohe Anteil an geförderten Mietwohnungen ist in jedem Fall einzigartig." Sechs von zehn Österreichern wohnten in einer Gemeinde- oder Genossenschaftswohnung. Diese Struktur stärke die Kaufkraft der heimischen Haushalte.
Insgesamt lag die durchschnittliche Hauptmiete inklusive Betriebskosten in Österreich 2013 bei 6,7 Euro je Quadratmeter. "In den vergangenen fünf Jahren haben wir einen Anstieg der Nettomieten von 3,4 Prozent gehabt, was doch deutlich über der Inflationsrate liegt", betonte der Generaldirektor. Der durchschnittliche Betriebskostenanteil liegt bei 29 Prozent, sagte die Hauptautorin der Wohnstudie, Vlasta Zucha.
Am stärksten verteuerte sich seit 2009 das Wohnen in den nicht geförderten, privat vermieteten Wohnungen - mit einem Plus von 17,2 Prozent auf 7,8 Euro je Quadratmeter. Wesentlich geringer, aber immer noch stark spürbar, fiel der Anstieg bei Gemeindewohnungen (plus 8,3 Prozent auf 5,8 Euro) und Genossenschaftswohnungen (plus 10 Prozent auf 6 Euro) aus.
Haushalte, die langfristige Mietverträge mit mehr als 30-jähriger Vertragsdauer haben, wenden im Durchschnitt 4,8 Euro inklusive Betriebskosten auf. Die Unterschiede zwischen Neu- und Altverträgen bestehen in allen Teilsegmenten des Mietwohnungsmarktes, jedoch zeigen die Mietpreise für private Mietwohnungen deutlich größere Unterschiede nach Mietdauer als jene für Genossenschafts- oder Gemeindewohnungen.
Die österreichischen Haushalte leben der statistischen Erhebung zufolge durchschnittlich auf 100 m2 - bei Eigentumswohnungen liegt der Schnitt bei 84 m2, bei Hauseigentum bei 140 m2 und bei Gemeindewohnungen bei 61 m2.
Hohe Wohnkostenanteile weisen vor allem Haushalte ohne Pension, d. h. überwiegend jüngere Haushalte auf. Dabei sind vor allem alleinlebende Personen (Frauen 31%, Männer 28%) und Ein-Eltern-Haushalte (31%) betroffen. Wesentlich für die Höhe des Wohnkostenanteils ist nicht zuletzt, wie lange der Haushalt bereits in der Wohnung wohnt
Bei den Zusatzkosten ergeben sich deutliche Unterschiede: Wer etwa das Glück hat, im Gemeindebau über einen Garagen- oder Abstellplatz zu verfügen, bezahlt dafür im Durchschnitt 43,2 Euro. Am freien Markt kostet ein Platz für das Auto um die 80 Euro.

Der Anteil der Wohnkosten am verfügbaren Haushaltseinkommen lag 2013 im Median bei 25 Prozent: "Ein Viertel des Haushaltseinkommens geben die Österreicher für das Wohnen aus - der Anteil ist in den vergangenen fünf Jahren um 2 Prozentpunkte gestiegen", so Pesendorfer. Mit einem Anteil von 28 Prozent am stärksten belastet sind die Mieter von privaten, nicht geförderten Wohnungen.

1 Kommentar:

  1. Die heute veröffentlichte Erhebung der Statistik Austria besagt einmal mehr ganz eindeutig: Wohnen ist in Wien am teuersten. Weniger die Mietpreise betreffend, obwohl die Bundeshauptstadt sich hierbei auch auf dem vierten Platz nach Salzburg, Tirol und Vorarlberg wiederfindet, sondern vor allem im Bereich der Gebühren ist Wien einsame Spitze. 2,17 Euro monatlich fallen je Quadratmeter im Schnitt an. Hier zeigt sich wieder einmal ganz deutlich, wo in Wien abkassiert wird, nämlich bei den kleinen Leuten.
    Zudem ist es nicht nachvollziehbar, warum die Bundeshauptstadt mit 6,90 Euro je Quadratmeter über dem österreichischen Gesamtdurchschnitt liegt, da es in keiner anderen Stadt oder Gemeinde so viele Bewohner in Gemeindebauten oder Genossenschaftswohnungen gibt wie in Wien. Doch auch dort stieg der Mietpreis kräftig an, wie die Statistik österreichweit eindeutig auswies - nämlich um plus 8,3 Prozent auf 5,8 Euro bei Gemeindewohnungen und um 10 Prozent auf 6 Euro bei Genossenschaftswohnungen.

    AntwortenLöschen